Berlin/Stuttgart - Spion unter der Motorhaube: Was „Pay as you drive” Autofahrern bringt

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Spion unter der Motorhaube: Was „Pay as you drive” Autofahrern bringt

Von: Susanne Collins, dpa
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Viele Kilometer machen ist teurer - bei „Pay as you drive” orientiert sich der Preis der Kfz-Versicherung am Fahrverhalten. Foto: dpa

Berlin/Stuttgart. Der eine fährt jeden Tag Kilometer um Kilometer, der andere lässt den Wagen meistens in der Garage stehen. Warum sollen beide da denselben Versicherungsbeitrag zahlen? Wenn sich die Idee mit dem Namen „Pay as you drive” durchsetzt, muss das nicht mehr so sein.

Klassische Tarifmodelle müssten dann nicht mehr der Normalfall sein. Statt nach Alter des Fahrers oder der Zahl der unfallfreien Jahre bezahlt der Versicherte je nach der Anzahl der gefahrenen Kilometer und seinem Fahrstil.

Wer wenig unterwegs ist, Autobahnen meidet und selten schnell fährt, zahlt weniger Kfz-Versicherung als rasante Vielfahrer. Noch ist die Idee aber Zukunftsmusik. Denn bislang ist die Methode noch in der Testphase. „Es gibt zwar Modellversuche”, sagt Katrin Rüter vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. „Doch ob es ein differenziertes User-Tracking geben und wie dieses aussehen wird - diese Entscheidung ist noch längst nicht gefallen.” Das genaue Bewegungsraster des Fahrers würde dabei erfasst, damit der Versicherte von defensivem Fahren profitieren kann.

Ein leistungsbezogenes Verfahren könne gewisse erzieherische Effekte beim Fahrer haben, fügt Rüter hinzu. Für Fahranfänger, die eine teure Kfz-Versicherung fürchten, ist es außerdem verlockend. „Doch der Aufwand für Datengewinnung und -auswertung ist groß, der Nutzen für den Versicherten im Gegenzug klein.” Und es gebe in Deutschland auch jetzt schon sehr viele Tarife - für den genauen Jahresbeitrag spielen viele Faktoren eine Rolle. Bei einigen Versicherern drücke zum Beispiel der Besitz einer Bahncard die Kosten.

In der Testphase befinden sich im Moment vor allem Technik und Datenauswertung. Eine kleine Box zeichnet im Wagen die gefahrenen Strecken, die Fahrtdauer, Straßentypen sowie den Fahrstil auf. Die Branche diskutiert bei der technischen Umsetzung verschiedene Systeme - kritisiert wird vor allem das Problem des Datenschutzes. Beim „Milage Monitoring” zum Beispiel nutzt der Fahrer eine Servicekarte, mit der er etwa beim Tanken regelmäßig den Kilometerstand an den Versicherer übermittelt, der den Tarif entsprechend anpasst.

Beim „Journey Monitoring” erfassen GPS-Geräte oder auf Autobahnen einzurichtende Mautsysteme für Autos neben den gefahrenen Kilometern Route und Tageszeit. Entsprechend der Risikoeinschätzung der gewählten Route und Tageszeit wird dann der Versicherungstarif angepasst. Das Stichwort „Passive Black Box” steht für ein im Auto installiertes Aufzeichnungsgerät, das zusätzlich abruptes Bremsen oder Beschleunigen aufzeichnet und speichert. Der Versicherer berechnet den individuellen Tarif abermals durch das Auslesen der Daten. Die „Aktive Black Box” verfügt zusätzlich über eine Kommunikationseinheit und übermittelt der Versicherung laufend Daten.

Alle Modelle sehen eine Art Überwachung des Autofahrers vor - ohne geht es nicht. Der Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart sieht das kritisch: „Die Pay as you drive-Methode ist wie ein Nackt-Scanner der Versicherungswirtschaft”, sagt Sprecher Rainer Hillgärtner. „Wer sich darauf einlässt, sorgt nicht für mehr Verkehrssicherheit. Er öffnet vielmehr dem Datenmissbrauch Tür und Tor.” Größere Vorteile verspreche der Einsatz der Technik nur solchen Autobesitzern, die ganz auf das Autofahren verzichten.

Auch Jochen Oesterle, Versicherungsexperte beim ADAC in München, hält nichts von den neuen Modellen: „Es gibt viel zu viele offene Fragen. Welche Daten werden erhoben? Wer erhält diese Daten? Was passiert mit den Informationen?” Zu den Datenschutzrisiken kämen noch der große Aufwand und der Kostenfaktor. Außerdem spricht sich der ADAC dafür aus, dass Versicherungskosten kalkulierbar sein sollen. Bei „Pay as you drive” aber könne es sein, dass sich die Summe Monat für Monat ändert.

Außerdem gebe es auch ohne technische Kontrolle die Möglichkeit, dem Versicherer die tatsächliche Autonutzung mitzuteilen und davon beim Tarif zu profitieren. „Wir raten Autofahrern, ihrer Versicherung immer bis Ende November eines Jahres mitzuteilen, wie viele Kilometer sie tatsächlich fahren - oder ob beispielsweise eine Garage gebaut wurde.” Mit einer jährlichen Überprüfung des eigenen Fahrverhaltens lasse sich deutlich an Prämie sparen - auch ohne Pay as you drive. Autofahrer hätten zudem die Möglichkeit, sich jährlich bis Ende November umzuschauen, ob sie ihre Versicherung wechseln wollen.
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