Sind Annuitätendarlehen mittlerweile besser?

Von: Max Geißler
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Aachen. Die niedrigen Zinsen bringen potenzielle Bausparer immer mehr ins Grübeln. Lohnt sich ein Bausparvertrag heute überhaupt noch?

Fast jeder hat oder hatte im Laufe seines Lebens einen Bausparer. Das Prinzip ist einfach: Über den Bausparvertrag wird Guthaben aufgebaut, das nach Ablauf der Ansparfrist mit einem Bauspardarlehen ergänzt wird. Bausparen kombiniert somit das Ansparen mit einer Kreditaufnahme. Die meisten Immobilienkäufer nutzen Bausparverträge meist als Zweitdarlehen, weil sich Bausparkassen im Grundbucheintrag mit dem zweiten Rang begnügen.

Seit längerem kommen die Vorteile des Bausparens aber kaum mehr zum Tragen. Erstens liegen die Guthabenzinsen im besten Fall meist nur noch knapp über einem Prozent -; fürs rentable Ansparen von Grundkapital viel zu wenig. Hier bieten -; gerade bei längeren Ansparzeiten -; Festgelder oder gut verzinste Sparbriefe deutlich mehr. Beispielsweise zahlen Credit Agricole, VTB Bank oder die Denizbank immerhin 2,10 Prozent Zinsen für fünfjähriges Festgeld.

Zweitens können solch niedrige Guthabenzinsen sogar in eine Kostenfalle führen. Mitunter kann nämlich die Abschlussgebühr je nach Höhe der Bausparsumme sogar höher ausfallen als der zu erwartende Zinsgewinn. Und Konto- und Zustellungsgebühren kommen oftmals noch dazu. Nicht selten wird dadurch Kapitalvernichtung betrieben, kritisiert Stephan Scharfenorth, Geschäftsführer des Baugeldvermittlers Baufi24.de. Da viele Bausparer vorrangig auf geringe Darlehenszinsen achten, seien nicht wenige bereits in diese Falle getappt.

Guthabenzinsen, geringe Darlehenszinsen und flexible Tilgung -; das sind die wichtigsten Eigenschaften -; und Vorteile -; von Bausparverträgen. Aber gerade klassische Baudarlehen sind in den letzten Jahren innovativer und vor allem viel preiswerter geworden. Inzwischen ist das allgemeine Zinsniveau so tief gesunken, dass der Zinsunterschied zum Bausparen kaum noch erkennbar ist, weiß Scharfenorth. Bei zehnjähriger Rückzahldauer berechnen Bausparkassen aktuell Darlehenszinsen zwischen ein und zwei Prozent, manchmal sogar mehr.

Günstiges Baugeld kann da locker mithalten. Zehnjährige Baudarlehen über 100.000 Euro gibt es bei der Santander Bank bereits für 1,5 Prozent Zinsen, 1822 direkt möchte 1,58 Prozent und die ING-Diba 1,7 Prozent. Auch regionale Anbieter wie die Volksbank Rhein-Lippe, die Nationalbank oder die Volksbank Rhein-Ruhr liegen 1,54 bis 1,66 Prozent ebenso günstig.

Auch beim Thema Flexibilität können Annuitätendarlehen mittlerweile mithalten. Grund: Die Lebensversicherer haben den Markt für sich entdeckt und bieten neue Kreditvarianten an. So gibt es viele Baudarlehen mit sehr langer Zinsbindung, hoher Sondertilgungen ohne Vorfälligkeitsentschädigung und flexibler Tilgung. Ein Vorteil beim Bauspardarlehen bleibt aber: Es kann im Grundbuch im zweiten Rang stehen. Somit kann auch weiterhin eine Kombi-Finanzierung aus Bausparer und Baudarlehen sinnvoll sein. Im Blick haben sollte man aber die schnelle Tilgung, denn Bauspardarlehen müssen meist binnen weniger Jahre zurückgezahlt werden. Hier droht eine finanziell hohe Belastung.

Scharfenorth rät von Bausparverträgen ab, die eine sofortige Finanzierung des Vorhabens ermöglichen. Zum einen sei die Guthabenverzinsung sehr niedrig, zum anderen müsse die Sparphase mit einem herkömmlichen Baudarlehen überbrückt werden. Solche Konstruktionen werden häufig als Konstantdarlehen verkauft und sind aufgrund hoher Intransparenz und der relativ teuren Vorfinanzierung meist kein gutes Geschäft. Klassische Baudarlehen sind hingegen meist preiswerter. Nur wenn ein bestehender Bausparvertrag in die Finanzierung mit einem klassischen Baudarlehen eingebunden werden kann, sei dies vorteilhaft.

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