Sicherheit auf Gebühr: Auch Versicherer bieten jetzt Mietkautionen an

Von: Tobias Goerke, dpa
Letzte Aktualisierung:

Berlin. Bis zu drei Nettokaltmieten als Sicherheit: Wer eine neue Wohnung anmieten will, muss tief in die Tasche greifen und häufig das Sparbuch leerräumen.

Versicherungsanbieter werben nun damit, die Pflicht zur sogenannten Mietsicherheit für den Eigentümer auch ohne Barschaft zu stellen: Neben der Kaution als Spareinlage sollen Bürgschaften, die über regelmäßige kleinere Beträge finanziert werden, einen Ausweg bieten. Verbraucherschützer und Verbände raten allerdings von dem neuen Weg ab.

Das Prinzip ist einfach: Der Mieter muss bei Abschluss eines Mietvertrags keine Kaution im herkömmlichen Sinn mehr aufbringen, er zahlt stattdessen Gebühren an einen Bürgen. Der Vermieter erhält danach statt einer Mietkaution eine Bürgschaft von der Versicherungsgesellschaft. Sie zahlt die Rechnung, wenn nach dem Auszug des Mieters zum Beispiel eine verwüstete Wohnung renoviert werden muss. Die Sache hat allerdings einen Haken: Die Versicherungen fordern eigenen Angaben zufolge den ausgezahlten Betrag in voller Höhe vom Mieter zurück.

Auch bei diesem Modell hat also der Mieter keinen Einfluss darauf, wie viel Geld der Vermieter zur Schadensregulierung aufwendet. Und den Vermieter kostet die Wohnbürgschaft zwar nichts - er trägt aber das Risiko, dass der Versicherer pleitegeht. Das Prinzip der Barkaution, zur Sicherheit direkt Zugriff auf das Geld zu haben, greift für den Eigentümer und Vermieter hier nicht.

„Wir empfehlen diese Form nicht weiter an unsere Mitglieder”, sagt Alexander Wiech von der Eigentümer-Schutzgemeinschaft Haus & Grund in Berlin. „Wir haben einfach noch kein überzeugendes Modell gefunden.” Es bestünden noch Unsicherheiten über die genauen Konditionen im Schadensfall. „Weil wir die Vertragsbedingungen nicht kennen, wissen wir nicht, ob der Vermieter an sein Geld kommt.”

Ein Anrecht auf die Versicherungsvariante haben Mieter ohnehin nicht - Vermieter dürfen auf den etablierten Formen von Barkaution, Sparbuch oder Bundesanleihe bestehen. Das Interesse an den neuen Angeboten ist laut Wiech bei Vermietern bisher gering, und er rechnet auch in Zukunft nicht mit einem Ansturm. „Wir glauben, dass es sich auf Mieterseite nicht durchsetzen wird, weil die Policen sehr, sehr teuer sind.”

Auch Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin nennt die Wohnbürgschaften „einen teuren Spaß”. Er weiß, dass die Idee für manchen Mieter verlockend ist. „Der Vorteil solcher Kautionsmodelle ist, dass der Mieter nicht sein Erspartes angreifen muss.” Ropertz befürchtet, „dass einkommensschwächere Haushalte darauf abfliegen, weil es auf den ersten Blick nichts kostet”.

Allerdings fallen jährliche Gebühren für das Stellen der Bürgschaft an, bei einem Anbieter gibt es eine einmalige Urkunden- und eine jährliche Kontoführungsgebühr. „Von den Gebühren erhält der Mieter nach dem Auszug nichts zurück”, warnt deshalb die Stiftung Warentest in der Zeitschrift „Finanztest” (Ausgabe 5/2009). Ähnlich kritisch urteilt Ropertz: „Ich bezahle Jahr für Jahr eine bestimmte Gebühr, ohne dass ich was dafür bekomme.”

Stiftung Warentest empfiehlt, weiter auf die gängigen Modelle auf dem Mietmarkt zu setzen: „Trotz mickriger Zinsen ist ein Sparkonto immer noch die bessere Lösung für beide Mietparteien.” Für den Vermieter bleibe der Wert der Kaution erhalten, und der Mieter bekomme nach dem Auszug im Normalfall sogar etwas mehr Geld zurück, sagt auch Ropertz. Der Guthabenzins erhöht die Rücklage jedes Jahr - und damit auch die Sicherheit für beide Seiten.

„Finanztest” hält die Tagesanleihe des Bundes für „eine ideale Anlage der Kaution”. Anders als bei Banken oder Sparkassen passe sich der Zins sofort an, wenn sich die Marktzinsen änderten. Aber auch hier bedürfe es der Zustimmung des Vermieters. Erst danach könne der Mieter ein Schuldbuchkonto eröffnen, die Tagesanleihe in Höhe der Kaution kaufen und sie an den Vermieter verpfänden.

Die besten Konditionen für die Mietkaution

Der Vermieter muss die Kaution wenigstens zu den Konditionen anlegen, die für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist üblich sind. Der Zinssatz liegt laut der Stiftung Warentest in Berlin derzeit zwischen 0,5 und 1 Prozent.

Die Mietparteien könnten sich aber auch auf Wertpapiere oder eine Bürgschaft einigen. Auf einem Konto des Vermieters muss das Geld getrennt von seinem übrigen Vermögen liegen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert