Leipzig - Schnelles Geld: Was bei Krediten von Vermittlern wichtig ist

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Schnelles Geld: Was bei Krediten von Vermittlern wichtig ist

Von: Berit Waschatz, dpa
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Immer mehr Menschen leihen sich nicht mehr Geld von Banken. Sie wenden sich an gewerbliche Kreditvermittler oder Kreditplattformen im Internet. Doch Verbraucherschützer warnen vor allem vor Vermittlern. Und auch bei den Kreditplattformen gibt es Unterschiede.

Leipzig. Unbezahlte Rechnungen und ein überzogenes Konto - in so einer Situation setzen viele Verbraucher auf einen neuen Kredit. Dabei sollten sie jedoch wählerisch sein, rät Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig.

„Der erste Ansprechpartner sollte das klassische Kreditinstitut sein.” Wenn man dort abgelehnt wird, sollte man prüfen, woran es liegt. Meist ist der Grund, dass man hoch verschuldet ist. „Dann sollte man ohnehin keinen weiteren Kredit aufnehmen, sondern zu einer anerkannten Schuldnerberatung gehen.”

Doch immer wieder nutzen sogenannte Kreditvermittler diese Notlage aus. Sie locken Kreditsuchende mit günstigen Angeboten. Diese existieren allerdings nur auf den ersten Blick. „Es gibt nur selten Kreditzusagen. Meist wollen die Anbieter nur an der finanziellen Not der Kreditsuchenden verdienen”, warnt Heyer. Deswegen rät sie bei gewerblichen Kreditvermittlern generell zur Vorsicht.

„Unseriös ist ein Kreditvermittler grundsätzlich dann, wenn ich mit Leistungen in Vorkasse gehen muss”, erklärt Heyer. Viele verlangen etwa eine Bearbeitungsgebühr oder schicken unnütze Unterlagen per Nachnahme. „Problematisch ist auch, wenn ich gleichzeitig andere Verträge abschließen soll.” Denn bei einigen Kreditvermittlern müssen Verbraucher erst einen Bausparvertrag oder eine Versicherung abschließen, ehe sie einen Kredit bekommen.

Kreditvermittler versprechen ihren Kunden oft auch, dass sie Geld bekommen, ohne dass ihre Bonität geprüft wird. „Das ist ein Lockmittel, das häufig unseriös und auch nicht zutreffend ist”, sagt Heyer. Kein seriöser Anbieter wird einem Kreditsuchenden Geld leihen, ohne vorher eine Schufa-Auskunft einzuholen. „Unseriös ist das Angebot meist auch dann, wenn angeblich nur ausländische Banken zur Finanzierung bereit sind und dadurch Extrakosten entstehen.”

Landet man dennoch bei einem Kreditvermittler, sollte man genau auf den Vertrag achten. „Ein Kreditvermittler muss dem Verbraucher vor Abschluss des Darlehensvertrages die Höhe seiner Vergütung nennen. Tut er dies nicht, ist der Vertrag nichtig”, erklärt die Verbraucherschützerin. Im Kreditvertrag selbst müssen dann der Nettodarlehensbetrag, der Gesamtbetrag, der Sollzins, der effektive Jahreszins, die Vertragslaufzeit, die Ratenhöhe, die Höhe und Fälligkeit der einzelnen Teilzahlungen auftauchen.

Neben Banken und gewerblichen Vermittlern leihen auch immer mehr Privatleute anderen Privatleuten Geld über Kreditplattformen im Internet. Zwischengeschaltet ist aber auch hier ein Kreditinstitut, also meist eine Bank. „Da gibt es Angebote, die man in Betracht ziehen kann. An diese Plattformen sollte man sich zumindest eher als an gewerbliche Kreditvermittler wenden”, empfiehlt Heyer.

In Deutschland sind vor allem zwei seriöse Kreditplattformen bekannt: Smava und Auxmoney. Kreditsuchende müssen dort sich und ihr Projekt, für das sie Geld benötigen, beschreiben. Kreditgeber entscheiden dann, ob sie von dem Projekt überzeugt sind und Geld verleihen. Aber auch dort wird eine Schufa-Auskunft eingeholt. „Dennoch kann es gerade für Verbraucher mit negativer Schufa als Möglichkeit interessant sein, teure Kredite von Banken umzuschulden”, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Bei Smava beispielsweise werden die Kreditsuchenden je nach ihrer Bonität in verschiedene Klassen eingeteilt: A ist besonders gut, H deutlich schlechter. Anleger, die Menschen mit der gleichen Bonitätsklasse Geld leihen, werden in Pools zusammengefasst. Sobald genug Anleger für ein Projekt gefunden sind, wird dem Kreditsuchenden das Geld überwiesen.

Dieses einfache Modell findet immer mehr Verbreitung. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) unterscheiden sich die Kreditnehmer auf Plattformen nur noch wenig von denen des traditionellen Kreditmarkts. Internet-Kreditnehmer sind demnach nur geringfügig jünger als traditionelle Kreditnehmer. Im Schnitt waren die Kreditbewerber in den Jahren 2007 bis 2011 44 Jahre alt. Die traditionellen Kreditnehmer waren 46 Jahre alt.

Für Anleger kann sich die Kreditvergabe im Internet lohnen. Die Rendite kann größer sein als die Verzinsung einlagengesicherter Produkte. Allerdings sollten sie die Anlageform nach üblichen Kriterien bewerten, empfiehlt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Zur Risikobegrenzung sollten sie zwei Dinge beachten: Erstens sollten sie nur Kreditportale auswählen, bei denen das Risiko eines Ausfalls auf mehrere Anleger verteilt wird. Zweitens sollte die Kreditsumme auf einen kleinen Teil des Vermögens begrenzt werden.
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