Berlin - Risiken beim Autokauf mit Abwrackprämie

Risiken beim Autokauf mit Abwrackprämie

Von: Norbert Michulsky, ddp
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2500 Euro Abwrackprämie gibt es für ein altes Auto, wenn es verschrottet wird. Die Verbraucher nehmen das Angebot jetzt schon rege an. Foto: ddp

Berlin. Die Prämie lockt: Wer sich derzeit ein neues Auto anschafft und sein altes verschrotten lässt, bekommt 2500 Euro. Zwar weiß noch niemand, wie viele Bürger sich schon auf den verlockenden Deal „Kohle für Schrott” eingelassen haben, aber landauf landab melden die Autohäuser reges Interesse.

„Ich habe noch nie so viele fröhliche Gesichter gesehen wie jetzt”, konstatierte Helmut Blümer vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe nach einer Tagung von Autohändlern.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) stellt 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Einer Umfrage zufolge interessieren sich 1,2 Millionen Autobesitzer für die Prämie, deren Ausschüttung nach der Reihenfolge der Antragseingänge erfolgt, bis die Gesamtsumme ausgeschöpft ist.

„Allerdings gibt es einiges zu beachten, wenn man die staatliche Finanzspritze nutzen will”, sagt Bernd Ruschinzik von der Verbraucherzentrale Berlin. Sonst verheddere man sich rasch im Gestrüpp von Vorschriften und Formalien.

Die oberste Maxime des Hilfsprogramms ist hinlänglich bekannt: Wer kassieren will, muss einen umweltfreundlichen Neuwagen (Abgas-Norm Euro 4 oder höher) erwerben und diesen noch bis 31. Dezember 2009 zulassen.

Die Erstzulassung des Altfahrzeugs muss vor der Verschrottung mindestens neun Jahre zurückliegen. Wessen Altfahrzeug nicht spätestens in den ersten Wochen des Jahres 2000 erstmalig zugelassen wurde, sollte davon ausgehen, dass er wahrscheinlich nicht in den Genuss der Prämie kommt, da er mit der Verschrottung warten muss, bis das Fahrzeug neun Jahre alt ist.

Weiterhin muss das Fahrzeug mindestens ein Jahr auf eine Privatperson zugelassen sein. „Altfahrzeughalter und die Person, auf die der Neu- oder Jahreswagen zugelassen wird, müssen identisch sein. Dies ist besonders zu beachten, wenn Kinder die Altfahrzeuge ihrer Eltern fahren”, gibt Ruschinzik zu bedenken. Und alles muss sich in Deutschland abgespielt haben; bei auch nur teilweiser Auslandszulassung werde es zu Schwierigkeiten kommen.

Kompliziert wird es auch, wenn der Neue ein preisgünstiger Jahreswagen sein soll. Hier kann der Käufer kein beliebiges Fahrzeug wählen, sondern es darf - zurückgerechnet vom Zeitpunkt der Zulassung auf den Antragsteller - längstens ein Jahr einmalig auf einen Kfz-Hersteller, dessen Vertriebsorganisationen oder dessen Werksangehörigen, einen Kfz-Händler, eine herstellereigene Autobank, ein Autovermietungsunternehmen oder eine Autoleasinggesellschaft zugelassen gewesen sein.

Ein weiterer Fallstrick: Es reicht nicht aus, den Verwertungsnachweis eines anerkannten Demontagebetriebs gemäß Altfahrzeugverordnung vorzulegen. Zusätzlich ist eine Bestätigung über die Schredderung zu erbringen.

Aus dem Topf von 1,5 Milliarden Euro müssen auch die amtlichen Abwicklungskosten bezahlt werden. Ist der Topf erschöpft, gibt es keine Prämie mehr. Und da schwant Ruschinzik Arges: „Ob es vorher eine Art Warnung gibt, steht in den Sternen.”

Diese Gefahr besteht zwar nach Angaben des BAFA für „die kommenden Wochen” nicht. Daraus folgt aber: Wer nicht innerhalb der nächsten Wochen sein altes Auto verschrotten lässt und ein neues erwirbt, muss damit rechnen, dass sich der Preis des Neufahrzeugs schlagartig um 2500 Euro erhöht.

„Es wird das Risiko des Käufers bleiben, ob er überhaupt in den Genuss der Prämie kommt”, legt Ruschinzik den Finger in die Wunde. Dies ist besonders für Kreditkäufer wichtig. „Ist der Kaufpreis auf Kante finanziert, sollte sich der Käufer vorher unbedingt schriftlich ein Rücktrittsrecht für den Fall der Nichtzahlung der Prämie einräumen lassen”, empfiehlt Ruschinzik Neuwagen-Interessenten.

Einen taktischen Hinweis für den Neuwagenkauf hält Bettina Dittrich, Juristin der Verbraucherzentrale Sachsen, parat. Zunächst sollte man über einen Rabatt für den Neuwagen reden und versuchen, die übliche Höhe zu vereinbaren. „Erst wenn man sich über den Preis einig geworden ist, sollte der Verkäufer darauf angesprochen werden, den Antrag für die Abwrackprämie zu stellen”, rät Dittrich. Der Kaufpreis werde dann um den Betrag von 2500 Euro reduziert.

Zumindest theoretisch. „Es mag sein, dass der Autohändler im Rahmen eines Geschäftsbesorgungsvertrages für den Käufer den Antrag stellt”, gibt Ruschinzik zu bedenken: „Wenn im Kaufvertrag aber der volle Preis festgehalten wird, bleibt das Risiko der Prämienauszahlung beim Kunden.”

Details zur Prämie:

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hält auf seiner Internetseite (http://wwwbafa.de) ein Formular zur Beantragung der Abwrackprämie zum Download bereit.

Dem Antrag beigefügt werden müssen: - Verschrottungsnachweis und - Abmeldebestätigung des Altfahrzeugs sowie - Zulassungsbescheinigung und - Rechnungskopie oder Leasingvertrag für das neue Fahrzeug.

Einfacher geht es, wenn man die Formalitäten dem Händler überträgt, rät der TÜV Süd in München. Der reduziere den Kaufpreis um 2500 Euro und streiche die Prämie später selbst ein.
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