Produkt oder Marke Eigenbau: Auszahlpläne für den Ruhestand

Von: Sebastian Knoppik, dpa
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Gut beraten in den Ruhestand: Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften bieten Auszahlpläne an. Foto: dpa

Berlin/Frankfurt/Main. Viele Senioren haben mit dem Eintritt in den Ruhestand einige Ersparnisse. Es empfiehlt sich, dieses Kapital nicht einfach auf das Girokonto zu buchen und Monat für Monat auszugeben.

Dafür, dass eine bestimmte Summe regelmäßig die gesetzliche Rente aufbessert, trotzdem aber vergleichsweise ordentliche Zinsen hinzukommen, gibt es Auszahlpläne. Das können eine Rentenversicherung mit Einmal-Anlage, ein Bankauszahlplan oder eine Anlage sein, aus der Sparer regelmäßig selbst einen gewissen Betrag entnehmen.

Der Klassiker für die Einmal-Anlage eines größeren Betrags mit anschließender monatlicher Auszahlung ist die private Rentenversicherung. Dieses Produkt hat einen großen Vorteil: „Es ist insofern eine sichere Sache, als ich eine feste monatliche Rente bekomme”, erklärt Peter Lischke, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Berlin. Private Rentenversicherungen mit Einmal-Anlage bringen allerdings auch Nachteile mit sich. So beträgt der sogenannte Garantiezins derzeit nur niedrige 2,25 Prozent.

Zwar gibt es dazu eine Überschussbeteiligung - sie ist aber nicht garantiert. „Man sollte sich nur auf die garantierte Rente verlassen”, sagt Eberhard Beer von der Organisation Die Alten Hasen in Frankfurt. Das Netzwerk von früheren Bankberatern unterstützt Senioren unabhängig in ihrer Finanzplanung.

Ob sich eine Rentenversicherung lohnt, hängt vor allem von der persönlichen Lebenserwartung ab, wie Beer vorrechnet: Wenn ein 65-jähriger Mann etwa 100.000 Euro in einer solchen Versicherung anlegt, bekomme er bis zum Lebensende etwa 500 Euro pro Monat garantiert heraus. Diese Rente muss dem Vergleich etwa mit einem - ebenfalls sicheren - Bankauszahlplan standhalten.

Bei gleicher Anlagesumme kann der Kunde laut Beer etwa 20 Jahre lang 500 Euro entnehmen, bis das Kapital aufgezehrt ist. „Man muss also schon sehr alt werden, damit die Rentenversicherung besser abschneidet.” Bei den derzeit sinkenden Zinsen müssen Anleger aber genau prüfen, welcher Anbieter zu welchen Konditionen abschließt.

Nicht nur der Zins, auch die anderen Kriterien müssen einer Prüfung der eigenen Bedürfnisse standhalten. Bei manchen Bankauszahlplänen gibt es nicht die Möglichkeit, vorzeitig zu kündigen - bei anderen ist der Zinssatz nicht fest, sondern variabel. „Man muss sich ganz genau die Konditionen anschauen”, mahnt Verbraucherschützer Lischke.

Beer rät ohnehin dazu, nicht unbedingt auf vorgefertigte Produkte zu setzen: „Man kann sich einen solchen Auszahlplan auch selber stricken.” So seien etwa Bundesschatzbriefe eine gute Möglichkeit, sein Geld fest und dennoch recht flexibel anzulegen: „Nach einem Jahr Anlagedauer besteht die Möglichkeit, jeden Monat bis zu 5000 Euro zurückzugeben.”

Oder Anleger packen einen Teil des angesparten Geldes auf ein Tagesgeldkonto und lassen sich von dort monatlich eine bestimmte Summe auf ihr Girokonto auszahlen. Bei diesem Auszahlplan „Marke Eigenbau” ist der Anleger laut Beer nicht nur flexibler. Er erhält auch oft eine höhere Rendite als bei den vorgefertigten Produkten der Banken.

Wer noch höhere Zinserträge möchte und dabei ein höheres Risiko nicht scheut, kann sein Geld auch in Investmentfonds anlegen. Anleger müssen dabei in Kauf nehmen, dass über längere Zeit die Kurse nicht nennenswert steigen oder sogar sinken. „Hinzu kommen noch relativ hohe Kosten. Neben dem Ausgabeaufschlag für den Kauf des jeweiligen Fonds müssen Anleger noch laufende Verwaltungs- und Depot-Gebühren bezahlen”, fügt Lischke hinzu.

Statt Aktienfonds werden gerade älteren Menschen wegen des geringeren Risikos oft auch Offene Immobilienfonds empfohlen. Aber auch hier kann es zu Problemen kommen, wie zahlreiche Anleger jüngst erfahren mussten. Zwölf Fonds hatten im Oktober die Rücknahme von Fondsanteilen gestoppt, nachdem Anleger wegen der Finanzkrise ihr Geld panikartig abgezogen hatten. Eigentlich wollten die Gesellschaften die Kunden von Auszahlplänen weiter bedienen.

Doch das untersagte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Frankfurt, weil alle Anleger gleich behandelt werden sollen. Dabei wird es nach Angaben von Sprecherin Anja Engelland auch bleiben. Zwar wurden ihr zufolge im Januar zwei Fonds wieder geöffnet. Acht Fonds-Gesellschaften haben jedoch die Aussetzung der Anteilsrücknahme um bis zu neun Monate verlängert. „Man muss sich immer bewusst sein, dass eine solche vorübergehende Schließung von Fonds möglich ist”, sagt Lischke.

In jedem Fall sollte ein Investmentfonds nicht das alleinige Mittel sein, um einen höheren Betrag anzulegen. Oft ist nach Expertenmeinung vielmehr eine Kombination verschiedener Produkte sinnvoll, um den Lebensunterhalt im Alter zu bestreiten. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine wissenschaftliche Studie im Auftrag des von der Deutschen Bank finanzierten Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) in Köln: „Mit einer sinnvollen Kombination aus Entnahmeplänen und fondsgebundenen Leibrenten können die Bürger auch in der Auszahlungsphase an den Ertragschancen der Kapitalmärkte partizipieren.”

Auszahlpläne im Test

Die Stiftung Warentest hat Bankauszahlpläne unter die Lupe genommen. Der beste Anbieter mit maximal zehnjähriger Laufzeit zahlt demnach 4,5 Prozent Zinsen. Wer 30.000 Euro in einen solchen Auszahlplan steckt, bekommt über zehn Jahre jeden Monat 309 Euro heraus, schreibt die Organisation in ihrer Zeitschrift „Finanztest” (Ausgabe 2/2009). Schlechtere Anbieter zahlen nur 2,75 Prozent Zinsen. Hier bringen die 30.000 Euro nur 285 Euro monatlich. Der Vergleich der Angebote verschiedener Banken kann sich also bezahlt machen. Gerade in diesen Wochen ändern sich die Konditionen allerdings wegen der sinkenden Leitzinsen zum Schlechteren. Daher sollte besonders genau verglichen werden.
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