München - Personenversicherung: So wird man Risikozuschläge wieder los

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Personenversicherung: So wird man Risikozuschläge wieder los

Von: Oliver Mest, ddp
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München. Risikozuschläge sind vor allem in der privaten Krankenversicherung, in der Berufsunfähigkeitsversicherung und in der privaten Pflegezusatzversicherung an der Tagesordnung.

Allergiker oder beispielsweise Antragsteller mit Rückenleiden zahlen immer einen Aufschlag gegenüber gesunden Antragstellern. Die Begründung der Versicherungen lautet, dass bei ihnen das Risiko einfach größer sei.

Dabei geht es nicht um ein paar Euro Aufschlag. 50 Prozent und mehr Aufschlag auf den normalen Tarif sind keine Seltenheit. Und dabei sind die Risikozuschläge nicht einmal das Schlimmste, was Versicherungswilligen passieren kann.

Manche Versicherer geben Kunden mit chronischen Beschwerden gar keinen Vertrag. Das müssen sie auch nicht, denn alle privaten Versicherer können Antragsteller ablehnen. Nur die privaten Krankenkassen müssen ihren Basistarif für jeden öffnen - auch für Antragsteller mit Vorerkrankungen.

Andere Gesellschaften versichern Antragsteller mit Vorerkrankungen zwar, aber zu ihren Bedingungen. Damit kann eine Verpflichtung zur Selbstbeteiligung genauso Pflicht werden wie auch Leistungsausschlüsse. Die Versicherer übernehmen dann die Kosten für bestimmte Erkrankungen gar nicht.

Wenn sich Kunden einmal auf einen solchen Vertrag mit einigen Fesseln eingelassen haben, heißt das allerdings nicht, dass sie stets die höheren Beiträge zahlen müssen. Sie können die Vereinbarung jederzeit prüfen lassen und haben einen gesetzlichen Anspruch auf Reduzierung des Zuschlages.

Dieses Recht ist in Paragraf 41a des Versicherungsvertragsgesetzes verbrieft - und kann notfalls sogar gerichtlich durchgesetzt werden, wie eine Entscheidung des Oberlandesgericht Coburg (AZ: 32 S 131/00) zeigt.

Bei einem Privatversicherten war ein Rückenleiden nach Jahren ausgeheilt, sodass er kein erhöhtes Krankheitsrisiko mehr aufwies. Daher musste die private Krankenversicherung den Risikozuschlag streichen, entschieden die Coburger Richter.

Wenn eine „Alterkrankung” ausgeheilt ist oder sich wesentlich verbessert hat, hilft im ersten Schritt ein ärztliches Attest, um die Risikozuschläge aufheben zu lassen. Das sollte bescheinigen, dass der Versicherte inzwischen genesen ist und sein Gesundheitsrisiko nicht größer ist als das bei einem „gesunden” Versicherten. Danach sollte die Versicherung aufgefordert werden, den Beitrag entsprechend zu senken.

Wenn die Versicherung nicht reagiert oder den Beitrag nicht senkt, sollte zunächst den Ombudsmann der privaten Krankenversicherungen eingeschaltet werden. Der ist unter 01802/550444 oder im Internet unter http://www.ombudsmann-pkv.de zu erreichen. Er hilft kostenlos und kann eine Schlichtung mit der privaten Krankenkasse herbeiführen.

In einem anderen Fall kann Versicherten nur geraten werden, einen Zuschlag leise, still und ohne Wiederworte zu akzeptieren: Nämlich dann, wenn bei der Antragsstellung geschummelt wurde und Vorerkrankungen nicht im Formular vermerkt wurden.

Fliegt das irgendwann einmal auf, haben die Versicherungen in vielen Fällen beste Chancen, chronisch kranke Kunden durch eine Kündigung ganz vom Versicherungsschutz auszuschließen. Und während privat Krankenversicherte noch in den Basistarif wechseln könnte, stehen die Betroffen bei der Berufsunfähigkeits- oder privaten Pflegeversicherung ohne Schutz da. Oder - der Betroffene akzeptiert einen Zuschlag, damit der Schutz bestehen bleibt.
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