Berlin/München - Ohne Angst durch die Krise: Der Kündigung rechtzeitig ins Auge sehen

Ohne Angst durch die Krise: Der Kündigung rechtzeitig ins Auge sehen

Von: Andreas Heimann, dpa
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Angesichts der Wirtschaftskrise haben Arbeitnehmer viele Sorgen - manche suchen eine neue Stelle, andere orientieren sich komplett um. Foto: dpa

Berlin/München. Die Wirtschaftskrise hat den Arbeitsmarkt erreicht. Selbst etablierte Unternehmen melden Insolvenz an, Betriebe streichen Stellen in großem Stil.

Wirtschaftsforscher wie die Experten vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel rechnen damit, dass die Zahl der Arbeitslosen noch in diesem Jahr um gut 300.000 auf fast 3,6 und 2010 auf fast 4,4 Millionen steigen wird. Viele Arbeitnehmer haben Angst um ihren Job. Und so mancher überlegt, was er tun könnte, wenn es ihn tatsächlich trifft.

Rechtzeitig über Alternativen nachdenken und nicht warten, bis die Kündigung da ist, empfehlen Karriereberater - und offen sein für Neues, falls es auf dem bekannten Weg nicht weitergeht.

Jeder kann den Job verlieren

Arbeitslosigkeit kann jeden treffen. „Davor ist niemand sicher, egal ob mit 35 oder mit 50, auch gut ausgebildete Arbeitnehmer”, sagt Beate Reisinger. „Aber die, die es trifft, haben ein Gefühl des Versagens”, so die Managementberaterin und Trainerin aus München. „Sie erleben die Kündigung als persönliche Enttäuschung.”

Krise als Chance

Eine Krise bietet aber auch Chancen. „Zum Beispiel die Möglichkeit, den eigenen Kompass zu justieren”, sagt Brigitte Scheidt, Psychologin und Karriereberaterin aus Berlin. „Gerade in einer Krise ist eine Neuorientierung wichtig.” Wer ohnehin unzufrieden mit seiner Stelle ist, bekommt eventuell den entscheidenden Anstoß, etwas Neues auszuprobieren, wenn eine Kündigung droht.

Stellensuche wird schwieriger

„In einigen Branchen ist es sicher deutlich schwieriger geworden”, sagt Svenja Hofert, Karriereberaterin in Hamburg. „Manche Unternehmen entlassen neue Mitarbeiter jetzt schon nach drei Wochen in der Probezeit, wenn sie nicht zufrieden sind.” Andererseits heiße das aber nicht, dass auf dem Arbeitsmarkt gar nichts mehr geht: „Die Leute finden noch Jobs.”

Schnelles Reagieren gefragt

Wenn die eigene Stelle bedroht ist, ist es wichtig, nicht abzuwarten, was passiert. „Man muss frühzeitig andere Perspektiven suchen”, sagt Svenja Hofert. „Es ist in der Regel besser, sich schon zu bewerben, bevor die Kündigung da ist.” Denn wenn in größerem Umfang Stellen gestrichen werden, suchen plötzlich ganz viele einen neuen Job. „Das macht die eigene Suche natürlich schwieriger.”

Nicht nur eine neue Stelle suchen

Wer seinen Job verloren hat, verringert seine Chancen, wenn er einfach nur eine neue Stelle in seinem alten Berufsfeld sucht. „Man sollte sich fragen "Kann ich etwas Anderes machen als das, was ich bisher gemacht habe?"”, rät Svenja Hofert. Es kann beruflich etwas ganz Verschiedenes sein, aber mit Bezug zu den eigenen Interessen: „Der Elektro-Ingenieur, der sich bereits in seiner Jugend für Naturschutz und Klettern interessiert hat, macht nur scheinbar eine 180-Grad-Wendung, wenn er beschließt, künftig als Ranger zu arbeiten”, sagt Brigitte Scheidt. Das Wiederentdecken alter, lange vergessener Sehnsüchte sei typisch für eine solche berufliche Neuorientierung.

Abstriche akzeptieren

Bei der Suche nach einer neuen Stelle erhöht Flexibilität die Chancen. Das gilt nicht nur für die Bereitschaft, etwas Neues anzugehen. „Eventuell muss ich zunächst auf Vollzeit verzichten”, sagt Svenja Hofert, „oder auch akzeptieren, dass das Gehalt niedriger sein kann.” Auch Beate Reisinger empfiehlt, sich nicht an die Vorstellung zu klammern, eine Festanstellung genau wie zuvor zu finden: „Es kann ein Teilzeitjob sein, Zeitarbeit oder eine befristete Stelle.”

Existenzgründung statt neuer Stelle

Statt sich auf eine neue Stelle zu bewerben, kann auch Selbstständigkeit eine Alternative sein. „Das kommt aber nicht für alle infrage”, sagt Hofert. „Viele trauen sich das auch nicht.” Eine Überlegung wert sei das aber, wenn der Betreffende eine Idee hat, aus der ein Geschäftsmodell werden kann. Oft sei entscheidend, die richtige Nische zu finden, sagt Beate Reisinger. Wie vielversprechend das ist, lasse sich bei einer Existenzgründerberatung der IHK oder der Arbeitsagentur in der Regel schnell abklopfen.

Nicht „runterziehen” lassen

Wenn der Job bedroht ist oder die Kündigung schon da, drückt das zwangsläufig die Stimmung. Wichtig ist aber, sich nicht in negative Gedanken hineinzusteigern. „Es ist vernünftig, mit guten Freunden darüber zu sprechen”, sagt Beate Reisinger. Sich auszutauschen, was man tun kann, könne dabei helfen, wieder Motivation zu bekommen. „Aber man darf nicht nur noch über seine beruflichen Sorgen reden, sondern unbedingt auch über andere Themen.” Und man sollte aufpassen, mit wem man seine Sorgen diskutiert. „Von denen, die einen runterziehen, sollte man sich lieber abgrenzen.”

Das Positive sehen

In jedem Verlust steckt das Potenzial, etwas Neues zu finden. Auch wenn das für Betroffene ein schwacher Trost ist: Solche Erfahrungen können sogar positive Wirkungen haben. „So hart es sich anhört, wenn jemand arbeitslos wird: Man wächst, wenn man eine Krise übersteht. Das gilt auch für Arbeitslosigkeit”, sagt Beate Reisinger.
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