Berlin - Nützliches aus dem Netz: Mit Online-Mietportalen Geld sparen

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Nützliches aus dem Netz: Mit Online-Mietportalen Geld sparen

Von: Andreas Thieme, dpa
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Berlin. Wenn Matthias Forell demnächst 25 Jahre alt wird, möchte er das mit vielen Freunden feiern. Da der Ethnologie-Student aus Göttingen dann auch seine letzten Examensprüfungen hinter sich gebracht haben wird, soll es eine größere Party werden.

Musikboxen, Beleuchtung und Beamer - „das passende Equipment für die Party habe ich schon im Internet gefunden”, sagt Matthias. Nach dem Motto „Kein Geld, aber viel vor” möchte er es bei einem Online-Mietportal günstig ausleihen. Wer wie Matthias durchs Leihen über das Internet Geld sparen will, sollte aber auf einen ausreichenden Versicherungsschutz achten. Denn sonst könnte es am Ende doch richtig teuer werden.

Leihen Verbraucher über Mietportale im Internet etwa Fotokameras oder Haushaltsgegenstände aus, wird nicht in jedem Fall automatisch ein Mietvertrag abgeschlossen. „Wir stellen über unsere Plattform lediglich den Kontakt zwischen Vermietern und Interessenten her”, erklärt Tahssin Asfour vom Anbieter „Miet24.de” in Berlin. Gehen etwa geliehene Musikboxen auf einer Feier zu Bruch, übernehme das Portal keine Haftung. Der Anbieter sei auch nicht dafür verantwortlich, was Mieter und Vermieter letztlich aushandeln und ob eine Leistung überhaupt erbracht wird, erklärt Asfour.

„Für Klarheit und rechtliche Absicherung kann ein Mietvertrag sorgen”, rät daher Astrid Auer-Reinsdorff, Fachanwältin für Informationstechnologierecht in Berlin. Das gelte sowohl für den Vermieter als auch für den Mieter.

Verbraucher können über Online-Portale mittlerweile eine schier endlose Palette an Produkten ausleihen. Der Anbieter „erento.com” aus Berlin wirbt zum Beispiel mit rund einer Million eingestellter Angebote. Am stärksten nachgefragt sind nach Unternehmensangaben zur Zeit Spielekonsolen, Wohnmobile und auch Scanner, mit denen oftmals Hobby-Fotografen alte Dia-Aufnahmen digitalisieren wollen.

Zur Miete werden auf den Portalen allerdings auch Stretch-Limousinen, Navigationsgeräte und sogar Espressomaschinen angeboten. Gerade bei elektronischen Geräten oder Handys kann es für Verbraucher interessant sein, ein Produkt vor einer eventuellen Neuanschaffung einige Tage zu testen.

Für Vermieter schlummere besonders in selten genutzten Haushaltsgegenständen Potenzial, sagt Erento-Geschäftsführer Chris Möller. Einen alten Kühlschrank und eine Bierzeltgarnitur könne man etwa wochenendweise für Feiern verleihen und damit jeweils knapp 50 Euro verdienen. Eine Kettensäge oder ein Vertikutierer, den man selbst gerade nicht braucht, könne pro Tag 30 Euro einbringen.

Mieter sollten immer darauf achten, dass sie einen intakten Mietgegenstand erhalten. „Das sollte auch direkt überprüft werden”, rät Anwältin Auer-Reinsdorff. Ein ausgeliehener Rechner könnte etwa noch in Gegenwart des Vermieters gestartet und so auf seine Funktionsfähigkeit hin geprüft werden. Allerdings müsse der Mieter seinerseits darauf achten, den geliehenen Artikel während der Leihdauer pfleglich zu behandeln, damit er anschließend noch gebrauchstauglich ist.

Leichte Gebrauchsspuren sind bei längerer Mietdauer und normaler Nutzung Sache des Vermieters. Wird aber beispielsweise bei einer Feier leichtfertig Flüssigkeit auf den PC verschüttet, so dass dieser Schaden nimmt, haftet der Mieter. „Eventuell besteht die Möglichkeit, den Schaden noch selbst zu beheben”, sagt Auer-Reinsdorff. Ansonsten müsse der Mieter allerdings dafür aufkommen.

„Haftpflicht- und Hausratsversicherung kommen nicht für den Schaden an Geräten oder Gegenständen auf, wenn sie verliehen werden”, warnt Katrin Rüter vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin. Daher sei es sinnvoll, eine Kaution für die verliehene Sache zu vereinbaren und diese in einem Mietvertrag festzuhalten. „Das Geld ließe sich zum Beispiel für eine eventuelle Reparatur verwenden”, sagt Rüter.

Haben Vermieter und Mieter ihr Leihgeschäft nicht schriftlich fixiert, könnten aber auch mündliche Vereinbarungen als Vertrag gewertet werden, erklärt Anwältin Auer-Reinsdorff. Ein Vertrag komme rechtlich bereits durch die Bezahlung der Miete zustande.

Bei gewerblichen Anbietern können Verbraucher die genauen Bestimmungen für den Schadensfall in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nachlesen. Hier sollte der Mieter die Regelungen vor einer Anmietung allerdings aufmerksam studieren, rät Iwona Gromek, Internet-Expertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Denn wer übertriebene Forderungen des Vermieters zur Versicherung des Leihartikels ohne Einwände akzeptiert, komme als Mieter bei der Rückgabe des Artikels unter Umständen schnell ins finanzielle Hintertreffen. „Nicht jeder Vertrag ist aber rechtlich haltbar”, beruhigt Anwältin Auer-Reinsdorff. Im Zweifelsfall helfe eine Rechtsberatung weiter.

Nicht auf das erstbeste Angebot stürzen

In Mietportalen werden die meisten Artikel dutzendfach angeboten. Daher gelte die Devise, nicht gleich den erstbesten Gegenstand zu mieten, rät Iwona Gromek, Internet-Expertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. „Grundsätzlich sollten Verbraucher zunächst die bestehenden Online-Angebote vergleichen.” Am Ende muss nicht immer das Angebot mit dem günstigsten Preis zum Zuge kommen. Vielmehr sollte der Mieter auch etwaige Kautionsleistungen oder besondere Absprachen mit dem Vermieter in die Entscheidung einbeziehen.

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