Nicht runtermachen lassen: Diskussionen mit dem Chef durchstehen

Von: Andreas Heimann, dpa
Letzte Aktualisierung:
Büro / Chefin / Gespräch / Diskussion
Immer noch eine Seltenheit: Selbst in frauendominierten Betrieben mit einem Frauenanteil von 84 sind nur 56 Prozent der Vorgesetzten weiblich. Foto: dpa

Stuttgart/München. Streit mit dem Chef gibt es von Zeit zu Zeit fast überall. Je nach Persönlichkeit der Kontrahenten kann es dann auch laut und verletzend werden. Wirtschaftlich schwierige Zeiten tragen nicht gerade dazu bei, die Kommunikation am Arbeitsplatz zu entspannen.

„Das Arbeitsklima wird rauer”, warnt die Kommunikationstrainerin Gudrun Fey aus Stuttgart. Und damit wächst auch das Konfliktpotenzial. Bei unerfreulichen Diskussionen mit dem Chef sitzen Mitarbeiter zwar am kürzeren Hebel. Sie können aber einiges tun, um den Streit nicht eskalieren zu lassen. Davon profitieren in der Regel beide Seiten.

AUCH SCHWIERIGE THEMEN ANSPRECHEN: Oft trauen sich Arbeitnehmer gar nicht erst, beim Chef um einen Termin zu bitten, wenn es um ein schwieriges Thema geht. „Man kann dann zum Beispiel sagen "Ich habe richtig Angst, das anzusprechen, aber ich würde gerne darüber reden"”, empfiehlt Christine Öttl, die als Coach in München arbeitet. Wichtig sei einerseits, freundlich, aber hartnäckig zu bleiben. „Andererseits macht es keinen Sinn, auf dem Gespräch zu bestehen, so als habe man einen Rechtsanspruch darauf.” Freundliche Hartnäckigkeit erhöhe aber die Wahrscheinlichkeit, ein offenes Ohr zu finden.

VORSICHT BEI CHOLERISCHEN CHEFS: Wenn der Chef bekanntermaßen cholerisch ist, sollten sich Arbeitnehmer vor einem Gespräch darauf einstellen. „Man muss sich klarmachen, dass er ausrasten kann”, sagt Christine Öttl. „Es gibt auch gar keine Strategie, das definitiv zu verhindern.” Dem müsse man ins Auge sehen und darauf vorbereitet sein, dass unter Umständen nicht alles glatt läuft. „Und man sollte sich überlegen, was mache ich, wenn er nicht so reagiert, wie ich möchte?”

FRAUEN SOLLTEN KEINE DEMUTSGESTEN ZEIGEN: Gerade Frauen neigen dazu, sich in Diskussionen mit Vorgesetzten kleiner zu machen, als sie eigentlich sind. Das hat Christine Weiner aus Mannheim beobachtet, die als Beraterin und Coach arbeitet. „Sie lächeln und legen gleichzeitig den Kopf schief. Mit solchen Demutsgesten verliert man sofort an Respekt.” Wer seine Körperhaltung entsprechend ändert, werde sofort als stärker wahrgenommen. „Man signalisiert dann, dass man respektiert werden will.”

BERECHTIGTE KRITIK AKZEPTIEREN: Sind die Vorwürfe des Chefs berechtigt, bringt es nichts, dagegenzuhalten. In dem Fall sollte der Mitarbeiter die Kritik akzeptieren und dem Vorgesetzten in dem Punkt recht geben, empfiehlt Gudrun Fey: „Stimmt, ich bin heute zu spät gekommen, üblicherweise bin ich pünktlich.” Auch beim Kommunikationsverhalten sollten Arbeitnehmer fähig zur Selbstkritik sein: Wer selbst laut geworden ist, sollte das ruhig einräumen und sich dafür entschuldigen.

UNBERECHTIGTE KRITIK HINTERFRAGEN: Oft seien die Vorwürfe von Vorgesetzten aber aus der Luft gegriffen, sagt Gudrun Fey. In einem solchen Fall helfe sachliches Nachfragen. Lautet die Kritik zum Beispiel „Immer muss ich Sie an Termine erinnern!”, dann könnte der zu Unrecht Kritisierte mit der Frage reagieren „So oft kommt das nicht vor, wann waren denn die letzten Male?”.

FRAGEN STELLEN IST GEFRAGT: Wenn Vorgesetzte aggressiv werden und Vorwürfe erheben, sind Fragen eine gute Antwort darauf: „Wer fragt, führt”, zitiert Christine Weiner eine Management-Weisheit. „Statt zu sagen "Das stimmt doch alles nicht", ist es besser zu fragen "Was genau meinen Sie?"”. Auf diese Weise werde die Diskussion meist weniger emotional und weniger laut. Auch nachzufragen „Habe ich Sie richtig verstanden?” könne oft schon hilfreich sein.

LAUTE UND UNFAIRE KRITIK NICHT HINNEHMEN: Diskussionen mit Chefs eskalieren nicht selten. „Es gibt Vorgesetzte, die übertreiben maßlos, wenn sie schlecht drauf sind”, sagt Gudrun Fey. „Vor allem Männer sind dann wie in einem hormonellen Nebel, werden laut und unfair.” Die beste Strategie sei dann Selbstbehauptung, sagt Fey: „Also weder Flucht noch Angriff, sondern ein Verhalten dazwischen. Man sollte dem anderen zeigen, dass er so nicht mit einem umgehen kann, aber ihn nicht ebenfalls attackieren.” Eine unfaire Bemerkung lasse sich zum Beispiel mit „Das habe ich jetzt nicht gehört” kommentieren.

SACHLICH BLEIBEN IST EINE CHANCE: Wenn Gespräche eine unangenehme Wendung nehmen, können Arbeitnehmer den Chef ausdrücklich bitten, fair zu bleiben. „Das klingt aber nach Ermahnung”, sagt Gudrun Fey. „Und es gibt Vorgesetzte, die gerade darauf allergisch reagieren.” Freundlich zu bleiben ist dann zwar grundsätzlich eine vernünftige Strategie, aber ohne Erfolgsgarantie: „Wenn man nämlich freundlich lächelt, fragen sie "Warum grinsen Sie so dämlich?"”. Wer selbst Ruhe und Sachlichkeit ausstrahlt, könne aber hoffen, dass der andere sich auch beruhigt. Notfalls bleibt nur die Bitte, das Gespräch an einem späteren Termin fortzusetzen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert