Mit Folie und Lack: Alte Fliesen neu gestalten

Von: Stephanie Hoenig
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Fliesen müssen nicht zwingend abgeschlagen werden: Fliesenlack kann über den alten Belag aufgetragen werden. Foto: dpa

Köln/Berlin. Fliesen sind strapazierfähig und langlebig. In manchen Wohnungen überraschen den Besucher sogar noch Wandfliesen aus der Nachkriegszeit in Ochsenrot oder in Altrosa und Schwarz. Auch Keramikplatten im grün-gelben 70er-Jahre-Design und beige Motivfliesen mit Kaffeemühlen oder Blümchen zieren in Bädern und Küchen zuweilen noch die Wände.

Nicht immer gefällt dem Mieter oder Eigentümer der Retro-Look. Alte Fliesen lassen sich dann nur noch abschlagen, lautet ein hartnäckiges wie falsches Vorurteil. Denn es geht auch anders: „Retro-Chic bei Wandfliesen lässt sich auch ohne viel Staub, Schutt und Dreck zu Leibe rücken”, sagt Mareike Hermann, Wohndesignerin und Trainerin der DIY-Academy in Köln.

Es gebe durchaus Möglichkeiten, dem betagten Belag ein völlig neues Aussehen zu verleihen. So könnten alte Fliesen mit speziellen Folien überklebt werden. Ein großer Vorteil ist, dass die Sticker aus selbstklebender Folie bestehen, die sich beim Auszug wieder entfernen lässt.

Eine weitere Methode, Fliesen aufzufrischen, ist das Beschichten mit einem Speziallack. „Das Streichen von Fliesen mit Fliesenlacken ist relativ einfach”, urteilt Hermann. Solche Lacke seien mittlerweile in verschiedenen Farben erhältlich - nicht mehr nur in Weiss. Neben bereits fertiggemischten Farben könne der Lieblingston bei einigen Herstellern auch in einer Mischmaschine nach den eigenen Wünschen angerührt werden.

„Alte Fliesen müssen nicht bedingt abgeschlagen werden, wenn ein Bad oder Fliesenschild neu verlegt werden soll”, sagt auch Jens-Uwe Fellhauer vom Industrieverband Keramische Platte + Fliese in Berlin. Wenn der alte Untergrund tragfähig sei, könne über die alten Fliesen ein neuer Belag gefliest werden. Eine solche Methode sei fachgerecht. Fliese auf Fliese zu verlegen sei aber keine Heimwerker-Arbeit. Wer Wert auf eine saubere Ausführung legt, sollte sie dem Fachmann überlassen.

Fliesenlack und auf einen alten Belag neu geklebte Fliesen lassen sich nicht wieder entfernen. „Mieter sollten deshalb unbedingt vorher das Einverständnis ihres Vermieters einholen”, sagt Alexander Wiech von der Eigentümer-Schutzgemeinschaft Haus und Grund in Berlin. Denn bei einer solchen Maßnahme handle es sich um einen Eingriff in die Bausubstanz des Hauses. Falls es keine Erlaubnis gibt, könne der Vermieter verlangen, dass der alte Zustand in Bad und Küche beim Auszug wieder hergestellt wird - oder Schadenersatz verlangen.

„Hässliche Fliesen können auch durch große, mit Farbe beschichtete Wände aus Sicherheitsglas getarnt werden”, erläutert Hermann eine weitere Alternative zum Rundumschlag. „Der Küchenhandel bietet solche Lösungen bereits fertig an”, ergänzt Ursula Geismann, Wohnexpertin vom Verband der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef. Dabei würden sogar die Einschnitte für Steckdosen mitgeplant. Der Vorteil von Glas im Vergleich zu mancher Fliese liege in der glatten Oberfläche. Der Spritzschutz lasse sich auch wegen der fehlenden Fugen leicht reinigen. Als Alternative gebe es auch Edelstahlpaneele für die Rückwand zwischen Ober- und Unterschränken.

Eine schöne Verkleidung von Fliesenschildern können Heimwerker auch selbst herstellen. Hermann empfiehlt, eine Fototapete auf eine dünne Sperrholzplatte zu kleben und diese anschließend zum Schutz mit Plexiglas zu verkleiden. Diese Konstruktion sollte aber nicht hinter dem Herd angebracht werden, weil sie leicht Feuer fangen kann.

Bohrlöcher in Fliesen

Bohrlöcher in Fliesen sind ein häufiger Streitpunkt zwischen Mietern und Vermietern. Wie viele Löcher ein Mieter im Bad bohren darf, ist von den Gerichten nach Angaben des Deutschen Mieterbundes in Berlin unterschiedlich bewertet worden. Die Anzahl der tolerierten Bohrlöcher liege zwischen 20 und 40. Ist ein Mieter zu Schönheitsreparaturen verpflichtet, muss er die Löcher beim Auszug beseitigen.
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