Mit dem Master in die Schule: Die neuen Abschlüsse fürs Lehramt

Von: dpa
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Mit dem Master in die Schule - Die neuen Abschlüsse fürs Lehramt
Das Lehramtsstudium ist in jedem Bundesland ein bisschen anders. Universitätswechsel sind deshalb oft schwierig. Foto: dpa

Göttingen. Bei der Einführung von Bachelor und Master (BAMA) waren die Lehramtsstudiengänge weitgehend ausgenommen. Wer Lehrer werden wollte, musste an der Hochschule ein Staatsexamen machen. Inzwischen sind die neuen Abschlüsse Standard.

Wie das Studium im Detail aussieht, ist von Bundesland zu Bundesland zum Teil extrem unterschiedlich. Schon zur Nachbaruni zu wechseln, ist oft schwierig. Einfacher ist es für die Studenten nicht geworden.

Sascha Brandt wusste am Anfang seines Studiums noch nicht, dass er Lehrer werden möchte. Der 27-Jährige hat in Erfurt zunächst Sozialwissenschaften und Philosophie studiert, in einem sogenannten polyvalenten Bachelorstudium. Polyvalent meint: Man muss erst nach dem ersten Studienabschluss entscheiden, ob man zum Beispiel in die Schule oder lieber in die Wissenschaft möchte.

Brandt hat im Rahmen seines Bachelorstudiums ein Schulpraktikum gemacht und auch einige Stunden selbst unterrichtet. „Das hat mir gezeigt, dass ich es könnte und es mir Spaß macht”, erzählt er. Nun will er Lehrer für Sozialkunde und Ethik werden. Neben solchen Bachelor-Studiengängen mit fachlichem Schwerpunkt, die die Entscheidung für oder gegen eine Schullaufbahn offen lassen, gibt es an vielen Hochschulen auch andere, die sich von vorneherein an künftige Lehrer richten.

Unabhängig davon hat das neue BAMA-System durchaus Vorteile: Der Wechsel ins Referendariat funktioniere besser, sagt Gerd Mannhaupt, Professor für Grundschulpädagogik und Kindheitsforschung an der Uni Erfurt. „Der Anteil der schulpraktischen Inhalte im Studium wurde erhöht, die Absolventen sind heute besser vorbereitet.” Nach Sascha Brandts Einschätzung ist es immer noch zu wenig Praxis: „Es gibt zu wenig Möglichkeiten, die Theorie anzuwenden.”

Diemut Ophardts Bilanz ist unterm Strich positiv: Für die Lehrämter seien Bachelor und Master ein großer Gewinn, sagt die Leiterin des Zentrums für Lehrerbildung der FU Berlin. Die Studieninhalte seien viel verbindlicher geworden. Allerdings ist die Arbeitsbelastung für die Studenten nun höher: „Im Grundschulstudium gab es früher in der Regel nicht einmal eine Zwischenprüfung”, sagt Mannhaupt. „Heute gibt es studienbegleitende Prüfungen vom ersten Semester an, auch Klausuren und Hausarbeiten.”

Für manche Studiengänge hat sich das Studium verlängert - Grundschullehrer etwa müssen in Erfurt nun sechs Semester bis zum BA und dann vier Semester bis zum MA studieren, früher lag die Regelstudienzeit bei sieben Semestern.

„Der Wechsel nach dem Bachelor an eine andere Uni ist leider immer noch schwierig”, sagt Prof. Susanne Schneider von der Uni Göttingen, an der ausschließlich auf Lehramt für Gymnasium und Berufsschule studiert werden kann. „Das gilt schon für Nachbaruniversitäten wie Göttingen und Hannover”, so die Dekanin im Studiendekanat Lehrerbildung.

Dem kann Prof. Mannhaupt nur zustimmen: Durch Bachelor und Master habe sich in dieser Hinsicht nichts verbessert: „Für die Grundschule muss man in Thüringen zum Beispiel vier Unterrichtsfächer haben. Das ist bundesweit einmalig, in Hessen und Sachsen sind es drei.” Bremen bilde Lehrer in zwei Fächern aus - ein Wechsel aus Erfurt in die Hansestadt ist praktisch unmöglich.

Auch die Frage, welche Schulfächer zusammenpassen, ist nicht ganz einfach: In Niedersachsen ist es möglich, Physik mit jedem anderen Haupt- und Nebenfach zu kombinieren. „In Bayern zum Beispiel sind die Kombinationsmöglichkeiten stark eingeschränkt”, erklärt Prof. Schneider. Dort kann Physik nur zusammen mit Mathe, Bio, Informatik, Geographie und Englisch studiert werden. Wer sich für ein Lehramtsstudium interessiert, muss also klären, welche Fächer infrage kommen - und auch an welcher Schulform er unterrichten will. Denn man studiert nicht einfach Lehramt, sondern muss sich zum Beispiel für Grundschule, Gymnasium oder Schulen in der Sekundarstufe I entscheiden.

Von der Fächerwahl hängen schon die Chancen auf einen schnellen Referendariatsplatz ab: „In Niedersachsen sind zehn Prozent der Plätze für Mängelfächer reserviert”, erklärt Prof. Schneider. Das sind zum Beispiel Mathematik und Latein, Informatik und Physik. Wer kein Mangelfach studiert hat, muss sich mit seiner Abschlussnote um das Referendariat bewerben - ob sich die nur aus dem Master- oder aus Bachelor- und Masterstudium errechnet, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Auch für eine spätere Stelle sind die Fächer entscheidend: „Um Physiklehrer reißt man sich überall”, sagt Diemut Ophardt. „Für Geschichts- und Deutschlehrer sieht es nicht so gut aus.”

Oft bewerben sich Absolventen in dem Land um ein Referendariat, in dem sie studiert haben. Selbstverständlich ist das aber nicht: „Ich würde gerne in Thüringen mein Referendariat machen”, sagt Sascha Brandt. Aber die Zahl der Lehramtsstudenten dort sei überdurchschnittlich hoch. „Viele Kommilitonen gehen fürs Referendariat auch nach Sachsen oder Hessen.” Flexibel müssen angehende Lehrer also in vieler Hinsicht sein.


Eine wichtige Änderung hat es mit Blick auf die Prüfung gegeben: Früher mussten angehende Lehrer ein erstes Staatsexamen nach dem Studium und ein zweites nach dem Referendariat ablegen.

„Jetzt ist der Universitätsabschluss keine staatliche Prüfung mehr”, erklärt Prof. Gerd Mannhaupt von der Uni Erfurt. „Die Organisation der Prüfung ist Sache der Universität und nicht der staatlichen Prüfungsämter. Die Studenten bekommen eine Äquivalenzbescheinigung. Das Kultusministerium erkennt die Masterprüfung als gleichwertigen Abschluss an.”

Mit dem Masterabschluss können sich die Absolventen grundsätzlich bundesweit bewerben.

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