Aachen - Mit dem Handy in die Insolvenz

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Mit dem Handy in die Insolvenz

Von: Sarah Maria Berners
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Aachen. Dem einen wachsen die Schulden über den Kopf, der andere ist im Internet einem Abzocker auf den Leim gegangen, ein nächster entdeckt Schimmel in seiner Wohnung. Die Probleme, mit denen sich die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale befassen, sind vielfältig.

25.411 Verbraucherkontakte zählt die Zentrale für das vergangene Jahr. Das sind ein paar Hundert weniger als im Vorjahr, aber „das liegt im Bereich unserer normalen Schwankungen”, erklärt Jutta Reimnitz, Leiterin der Beratungsstelle. „Die Beratungen werden immer komplexer und arbeitsintensiver”, lautet ihr Fazit für das vergangene Jahr. Die Ratsuchenden stammen aus allen Alters- und Einkommensklassen.

Menschen mit finanziellen Sorgen werden von Jutta Wedrich beraten. 175 Neufälle verzeichnet die Schuldnerberatung, 80 Neufälle die Verbraucherinsolvenzberatung. „Einige Verbraucher haben bis zu 80 Gläubiger”, sagt Wedrich. Der globalisierte Internetmarkt habe die Zahl drastisch in die Höhe schellen lassen.

Vor allem die Insolvenzverfahren für Handyschulden hätten deutlich zugenommen. „Die reichen bis zu 7000 Euro, bei verschiedenen Anbietern.” Die stauen sich über Jahre auf, denn wenn ein Vertrag wegen Zahlungsrückständen gekündigt würde, würden sofort die gesamten Vertragskosten fällig. Dann wird der Anbieter gewechselt und das Prozedere beginnt von vorn. „Wer eine Verbraucherinsolvenz anmeldet, muss einen 40-seitigen Antrag stellen”, erklärt Wedrich. Dafür brauchen viele die Hilfe der Beraterin.

Damit es gar nicht erst soweit kommt, ist die Verbraucherzentrale auch präventiv unterwegs. Wer merkt, dass das Geld nicht reicht, um die Kosten zu decken, kann sich zum Beispiel an die Budgetberatung wenden. Auch an Schulen sind die Berater aktiv. „Dort üben wir zum Beispiel die Budgetplanung mit dem Taschengeld und schauen uns das Kleingedruckte in Handy-Verträgen genau an”, beschreibt Ulrich Isfort. Das Programm „Spaß im Netz” gibt Tipps, was Jugendliche in Internet-Communitys beachten sollten.

Problemfall: Anbieterwechsel

Besonders häufig melden sich Verbraucher, weil sie Probleme mit dem Wechsel des Telefon- oder Internetanbieters haben. „Durch die Liberalisierung ist der Markt unübersichtlich geworden. Es gibt viele Probleme”, sagt Beraterin Martina Wagner. Die einen bekommen nicht die versprochene Leistung, andere haben plötzlich zwei Verträge an der Backe.

Ein weiteres Problem ist die unerlaubte Telefonwerbung. „Manche Verbraucher bekommen bis zu 20 Anrufe am Tag. Gerade ältere Menschen lassen sich oft in Gespräche verstricken und wollen nicht unhöflich sein”, erklärt die Beraterin. Auch wenn die Werbung unzulässig ist, sind die geschlossenen Verträge gültig. Wichtig ist es in allen Fällen, sich frühzeitig Hilfe zu suchen. Auch, wenn man im Internet abgezockt wird - auf Seiten zum Beispiel, die versteckt und für den Nutzer damit unerwartet kostenpflichtig sind. „Hier haben sich die Gruppenberatungen etabliert, denn meist kann den Menschen mit einem Musterbrief geholfen werden, und sie sehen, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sind”, sagt Jutta Reimnitz. 24 solcher Veranstaltungen hat es 2009 gegeben, mit 297 Teilnehmern.

Der Jahresbericht zeigt, dass die Zahl der Rechtsvertretungen von 414 in 2008 auf 437 in 2009 leicht gestiegen ist. Rechtsvertretungen sind die Fälle, in denen sich die Verbraucher mit den Tipps der Berater alleine nicht gegen die Anbieter durchsetzen können, und in denen die Mitarbeiter der Zentrale aktiv werden müssen.

Auch im Bereich der Energieberatung ist der Bedarf hoch. 1422 Beratungen rund um die Themen Sanierung, Heizen, Lüften und Schimmel fanden im vergangenen Jahr statt. „Das sind knapp 18 Beratungen pro 1000 Wohnungen in Aachen”, erklärt Energieberaterin Maria Feldhaus. Im Schnitt würden die Hausbesitzer nach einer Beratung 18000 Euro investieren. „Das ist eine sehr positive Auswirkung auf das Handwerk.”

Finanziert wird die Arbeit der Verbraucherzentrale von Stadt und Land sowie zu einem geringen Anteil von den eigenen Einnahmen, denn nicht alle Angebote sind kostenlos. Bürgermeisterin Margrethe Schmeer jedenfalls findet, dass das Geld dort gut angelegt ist.
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