Düsseldorf - Mieterbund: Energie-Ausweis ist „Papiertiger”: Kosten steigen

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Mieterbund: Energie-Ausweis ist „Papiertiger”: Kosten steigen

Von: dpa
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Wie viel verheizt das Haus? Von Mitte 2008 an müssen die meisten Eigentümer dafür sorgen, dass sie die Energiekosten des Gebäudes ausweisen können. Foto: dpa

Düsseldorf. Der Energie-Ausweis für Wohngebäude ist aus Sicht der Verbraucherzentrale und des Mieterbundes bislang weitgehend wirkungslos geblieben. In der Praxis erweise sich das eigentlich positive Vorhaben häufig als „zahnloser Papiertiger”, berichtete der Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, Klaus Müller.

Beide Verbände forderten am Freitag in Düsseldorf Korrekturen des Gesetzgebers.

„Angesichts steigender Energiepreise sollte jeder darauf bestehen, dass ihm ein Ausweis vorgelegt wird”, empfahl der Landesvorsitzende des Deutschen Mieterbunds, Bernhard von Grünberg. Nach Kalkulationen des Mieterbundes werden die Energiekostenabrechnungen für 2008 mit durchschnittlich 30 Prozent höheren Belastungen zu Buche schlagen. Mieter, denen ein falscher oder kein Energieausweis vorgelegt wird, können nach Angaben der Verbraucherzentrale die Miete mindern und Käufer einen Teil des Kaufpreises zurückfordern.

Seit dem 1. Januar ist der Energie-Ausweis für alle Wohngebäude Pflicht. Er soll Bewohnern eine Orientierung über den Energiebedarf eines Hauses geben. Viele Eigentümer und Mieter - aber auch Aufsichtsbehörden - hätten bislang allerdings keine Ahnung von der Pflicht zum Energie-Ausweis, berichtete die Verbraucherzentrale. Aufklärung sei daher nötig.

Zudem müssten Schwachstellen im Gesetz bereinigt werden. Bislang sehe das Gesetz zwei Möglichkeiten vor, einen Energie-Ausweis zu erstellen: den Bedarfsausweis oder den Verbrauchsausweis. „Der Verbrauchsausweis sagt aber nichts über das Objekt aus”, kritisierte Müller. Beide Verbände forderten, diese Variante abzuschaffen.

„Wenn Immobilien leer stehen oder in einzelnen Wohnungen nicht geheizt wird, führt das zu einem besonders günstigen Energie- Verbrauchsausweis.” Das Gleiche gelte, wenn ein Mieter lieber dicke Pullover trage statt zu heizen. Dies gebe dem Nachmieter einer Wohnung oder einem Käufer aber keinerlei Orientierung.

Während der Verbrauchsausweis lediglich mit Angabe einiger mangelhafter Kennziffern online geordert werden könne, werde der Bedarfsausweis im Haus von Fachleuten erstellt, erläuterte Müller. Dabei würden bautechnische Merkmale, etwa die Dämmung des Hauses und die verwendeten Materialien, genau analysiert. Diese Variante kostet nach Angaben der Verbraucherzentrale allerdings „ab 200 Euro” für ein Einfamilienhaus. Dagegen koste der Verbrauchspass nur 20 bis 50 Euro.

„Die Kosten hat in jedem Fall der Eigentümer zu bezahlen und sie sind auch nicht umlagefähig”, sagte von Grünberg. Wenn ein Energie- Ausweis nicht vorgelegt oder falsch ausgestellt werde, könne dies als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 15 000 Euro geahndet werden.

Zuständig seien die unteren Bauaufsichtsbehörden in den Kreisen und Kommunen. Allerdings habe eine aktuelle Umfrage der Verbraucherzentrale gezeigt: „Der Hälfte war ihre Zuständigkeit gänzlich unbekannt.” Von keiner der befragten Kommunen seien Verstöße bislang verfolgt und mit Bußgeldern geahndet worden.

Dabei gilt die Energie-Ausweis-Vorschrift für Altbauten, die vor 1965 errichtet wurden, bereits seit Juli 2008. Ausgenommen sind lediglich denkmalgeschützte Gebäude. Wer sich weigere, seine Verbrauchsdaten für die Erstellung eines Energieausweises zur Verfügung zu stellen, könne dazu notfalls auch gerichtlich gezwungen werden, sagte von Grünberg.

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