Methodenmix und viel Geduld: Wie man erfolgreich Fremdsprachen lernt

Von: ddp-Korrespondentin Juliane Matthey
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Im Englischen nicht ständig nach Worten suchen müssen: Es gibt viele Gründe, warum man eine neue Sprache lernen oder seine Sprachkenntnisse vertiefen möchte. Foto: ddp

München. Im Spanienurlaub endlich mal einen Plausch mit den Nachbarn halten können, bei geschäftlichen Anrufen in den USA nicht ständig nach Worten suchen müssen oder der Tochter bei den Französisch-Hausaufgaben helfen können: Es gibt viele Gründe, warum man eine neue Sprache lernen oder seine Sprachkenntnisse vertiefen möchte.

Die Wege zum Ziel sind dabei vielfältig. Überall locken Angebote, die Lernwillige aufhorchen lassen. Mit Computerprogrammen, iPhone-Apps oder klassisch mit Lehrbuch und Hör-CD soll man spielend leicht und schnell zu guten Ergebnissen kommen.

Experten raten von solchen Angeboten eher ab. „Ich bin überzeugt, dass das nichts bringt”, sagt Martín Polo, Inhaber der privaten „Sprachschule Aktiv” in München und selbst Spanischlehrer. Die dringend benötigten Grammatikkenntnisse könne man sich so nicht aneignen, „und viele dieser Angebote sind viel zu kompliziert”.

Auch Angela Hahn, Professorin für angewandte englische Sprachwissenschaft und Mediendidaktik und Leiterin des Sprachenzentrums an der Ludwig-Maximilians-Universität München, sagt: „Sprachlern-CDs sind höchstens gut, um sich vor einem Urlaub mal einzuhören.” Das Problem sei, dass man beim Selbstlernen nicht aktiv spreche, zudem müsse man „wahnsinnig diszipliniert” sein, um dabei zu bleiben. Als unterstützendes Element aber könnten Selbstlernmedien sinnvoll sein. Auch Martín Polo sagt: „Begleitend etwa zu einem Sprachkurs kann man sie schon verwenden.”

Sprachkurs-Interessierte führt der erste Weg meist zur Volkshochschule (VHS). Die sei generell keine schlechte Adresse - „Die Volkshochschulen haben sehr, sehr gute Lehrer, die spezielle Prüfungen abgelegt haben müssen”, sagt Martín Polo. Der Nachteil seien die gerade bei Anfängerkursen oft sehr großen Gruppen und die mangelnde Motivation mancher Teilnehmer, dabeizubleiben. Schließlich sind die Kurse mit meist etwa 100 Euro vergleichsweise günstig. Der Vorteil davon, so Angela Hahn: „Wenn der Kurs einem doch nicht gefällt, kann man halt wieder aufhören.” Sie betrachtet VHS-Kurse als ideal für Menschen, die „mal ein bisschen” anfangen oder Kenntnisse auffrischen wollen, ohne an hohem Tempo interessiert zu sein. Wer schnell viel lernen will oder muss, sei mit privatem Unterricht besser bedient.

In privaten Sprachschulen seien die Gruppen meist deutlich kleiner und auch Einzelunterricht sei möglich. Das hat natürlich seinen Preis, der auch bei günstigen Schulen mindestens doppelt oder dreimal so hoch ist wie an der VHS. Angela Hahn gibt zudem zu bedenken, dass Lehrer an privaten Sprachschulen keine bestimmte Qualifikation vorweisen müssen. Man sollte sich also vergewissern, dass der Lehrer eine sprachdidaktische Ausbildung hat.

Am besten lernt man eine Sprache bei einem Auslandsaufenthalt, etwa bei der klassischen Sprachreise: mehrere Wochen Aufenthalt mit mehreren Stunden Unterricht pro Tag. Um danach mit deutlich verbesserten Sprachkenntnissen zurückkehren zu können, „sollte man auf jeden Fall in einer einheimischen Familie wohnen und so wenig Kontakt wie möglich mit Deutschen haben”, rät Angela Hahn.

Martín Polo gibt zu bedenken, dass es für Fortgeschrittene schwierig sein kann, einen Kurs mit passendem Niveau zu finden. Für sie könne Einzelunterricht sinnvoller sein. Dieser könne in manchen Ländern, etwa in Lateinamerika, sogar günstiger sein als eine Sprachreise mit Gruppenunterricht.

Auch im normalen Urlaub kann man einiges für seine Sprachkenntnisse tun; vorausgesetzt, man hat ein gewisses Niveau - und vorausgesetzt, man traut sich: „Manche reden trotz geringer Kenntnisse sofort drauflos, manche hören lieber zu, wenn sie noch unsicher sind”, sagt Angela Hahn. „ In jedem Fall bekommt man aber passiv eine Menge mit.” Martín Polo rät zu diesem Zweck, in abgelegenere Orte zu fahren, wo nicht jeder Einheimische Deutsch kann.

Wenn Zeit oder Geld für solche Reisen fehlen oder man die Zeit zwischen zwei Reisen nutzen will, ist Medienkonsum in der Fremdsprache empfehlenswert: Bücher, Filme und Musik seien sehr gut, um „drin zu bleiben” und das Verstehen zu trainieren, sagt Angela Hahn. „Wichtig ist, sich nicht frustrieren zu lassen, selbst wenn man anfangs kaum etwas versteht.” Man solle trainieren zu scannen, also die wichtigen Fakten herauszuhören. Zum besseren Verständnis können bei Filmen Untertitel in der jeweiligen Sprache beitragen, bei Büchern, sagt Martín Polo, die Tatsache, dass man sie zuvor schon auf Deutsch gelesen hat. Zudem, rät er, sollte man es zunächst mit einfacheren Büchern und mit Boulevardzeitungen versuchen.

Angela Hahn rät, auch mal nach Schul- und Jugendbüchern zu schauen. Ihr Fazit ist eindeutig: „Sprachen lernen ist ein komplexes Gebilde.” Das beste Ergebnis kommt mit einem Mix von Methoden, bei denen man gemerkt hat, dass sie einem liegen und einen weiterbringen. Und vor allem kommt es mit der Zeit.
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