Hamburg - Lohnen sich Lebensversicherungen als Kapitalanlagen?

Lohnen sich Lebensversicherungen als Kapitalanlagen?

Von: Oliver Mest, ddp
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Hamburg. Ursprünglich wurde die Lebensversicherung eingeführt, um beim Ableben des Versicherungsnehmers den Hinterbliebenen ein entsprechendes Auskommen zu gewährleisten.

Im Laufe der Jahre hat sich die Funktion jedoch stark gewandelt, denn Lebensversicherungen werden eher als Vorsorge-Instrument genutzt. Allerdings sollte man das Produkt „Lebensversicherung” genau kennen, bevor man sich dafür entscheidet. Denn noch immer werden die Hälfte der Verträge vorzeitig aufgelöst - vor allem, weil Sparer die Chancen und Risiken nicht abschätzen können.

Wer sich für die Rendite einer Lebensversicherung interessiert, wird ziemlich schnell mit dem Problem kämpfen, dass es einfach viel zu viele verwirrende Begriffe gibt, die alle einen Teil der Rendite beschreiben. So wird zum Beispiel der Garantiezins ausgegeben, der von den Lebensversicherern gern auch mal als garantierte Rendite bezeichnet wird, dies aber nicht in jedem Fall auch wirklich darstellt.

Der Garantiezins wird nämlich nicht auf das gesamte eingezahlte Kapital erhoben, sondern lediglich auf den Kapitalteil, der zwar einen großen Teil der Sparsumme ausmacht, jedoch im Regelfall noch vom Risikoteil und den Verwaltungskosten begleitet wird. Der momentane Garantiezins beträgt 2,25 Prozent, was bedeutet, dass die Lebensversicherer momentan nicht mehr als diesen Zins wirklich garantieren dürfen.

Die bekannte Überschussbeteiligung ist ebenfalls eine äußerst vage Kennzahl, mit der man die Rendite einer Lebensversicherung nur sehr schwierig ausdrücken kann. Diese ergibt sich entweder aus Sterblichkeitsgewinnen, aus Zinsgewinnen oder aus Kostengewinnen und wird im Regelfall auf das Deckungskapital ausgezahlt. Da dieser Teil der Rendite nicht garantiert werden kann, kann die Überschussbeteiligung nur ein recht spekulativer Renditefaktor sein.

Bei der Nettoverzinsung handelt es sich wiederum um die Kennzahl, die aussagt, welche Zinsgewinne die Lebensversicherung während der Laufzeit einer Police erwirtschaftet hat. Während die Versicherer dies gerne als messbaren Faktor ihres Anlageerfolgs beschrieben, ist die Nettoverzinsung dafür nur bedingt geeignet, weil sie manipuliert werden kann. Darüber hinaus erhält man im Regelfall nur bis zu 90 Prozent der Nettoverzinsung als Versicherter auch tatsächlich ausgezahlt.

Wer sich für eine Kapitallebensversicherung entscheidet, um damit tatsächlich eine Art Geldanlage aufzubauen, muss im Regelfall einen ziemlich große Kosten auf sich nehmen. Darüber hinaus muss man immer überlegen, dass ein Teil der eingezahlten Beiträge auch für den Risikoteil genutzt wird, der den Todesfall des Versicherungsnehmers absichert.

Ein weiterer Nachteil, den eine Kapitallebensversicherung als Geldanlage aufweist, ist die mangelnde Flexibilität. Steuerliche Vorteile kann man wirklich nur in Anspruch nehmen, wenn eine Lebensversicherung mindestens eine Laufzeit von 12 Jahren aufweist und man diese auch erst nach dem 60. Lebensjahr ausgezahlt bekommt.

In einem solchen Fall ist dann nur auf die Hälfte der Erträge Einkommensteuer zu entrichten. Darüber hinaus werden in den ersten Jahren die gesamten Gebühren für den Abschluss und die Verwaltung von den Überschüssen abgezogen, so dass eine schnelle Kündigung oftmals mit hohen Einbußen verbunden ist.

Wenn man die Lebensversicherung als Geldanlage in ihrer Gesamtheit betrachtet, dann bleibt nur zu sagen, dass sich die Kombination aus Geldanlage und Todesfallvorsorge nicht besonders lohnt. Eine Kapitallebensversicherung ist mit hohen Kosten verbunden, ist relativ unflexibel und bietet kaum Transparenz. Wer eine Todesfallabsicherung benötigt, fährt mit einer Risikolebensversicherung und einer passenden Geldanlagemöglichkeit wesentlich besser.
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