Rosenheim/Berlin - Keine Mitleidsmasche: Seriöse Spendensammler erkennen

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Keine Mitleidsmasche: Seriöse Spendensammler erkennen

Von: Florian Sanktjohanser, dpa
Letzte Aktualisierung:
DZI Spendensiegel
Gütezeichen, das Vertrauen schaffen soll: Das Spendensiegel (rechts) garantiert seriösen Umgang mit Spendengeldern. Foto: dpa

Rosenheim/Berlin. Die vergangenen Jahre waren für Wohltäter hart. In der Zeitung mussten sie von Kleiderspenden lesen, die die Textilwirtschaft in Afrika ruinieren - und von UNICEF-Funktionären, die im Verdacht standen, Spenden veruntreut zu haben.

Mancher fragt sich, wem in der unüberschaubaren Schar der Helfer er noch guten Gewissens sein Geld anvertrauen kann. In der Adventszeit haben Spenden Konjunktur - vor Weihnachten geben die Deutschen am meisten.

Das wichtigste Kriterium sei Transparenz, sagt Stefan Loipfinger, der Gründer des Portals Charitywatch in Rosenheim. „Wer nichts zu verbergen hat, der kann auch ganz offen kommunizieren, was mit dem Geld der Spender oder Mitglieder passiert.” Auf Transparenz pochen alle Selbstverpflichtungen und Qualitätssiegel.

Wer etwa Mitglied beim Deutschen Spendenrat in Berlin werden will, muss seine Bücher und Zahlen offenlegen. In den Geschäftsberichten könne jeder nachlesen, wie viel Geld bei den Bedürftigen ankommt, sagt der stellvertretende Vorsitzende Ulrich Pohl - und wie viel für Werbung und Verwaltung draufgeht.

Doch Pohl warnt Spender davor, nur auf diese Quote zu schielen. Denn Auslandsprojekte beispielsweise erforderten per se einen höheren Aufwand für Organisation, Flüge und Unterkunft des Personals. Da sei es auch vertretbar, wenn die Verwaltung 20 Prozent des Budgets verschlingt.

Neben offenen Büchern verlangen die Selbstverpflichtungen von Dachverbänden auch, ethische Regeln einzuhalten. So ist die Werbung mit Elendsbildern tabu. Das Problem sei, dass das Einhalten der hehren Prinzipien nicht überprüft wird, sagt Loipfinger. Als Qualitätskriterium tauge die bloße Mitgliedschaft in einem Dachverband deshalb nicht. Verlässlicher sei das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) in Berlin.

Das Siegel können alle Organisationen beantragen, die gemäß der Abgabenordnung steuerbegünstigt sind und bestimmte Kriterien erfüllen. So muss unter anderem ihre Werbung „wahr und sachlich”, die Buchführung transparent und die Leitung durch ein unabhängiges Aufsichtsorgan überwacht sein. 250 Organisationen haben laut DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke im vergangenen Jahr diesen Ansprüchen genügt, 30 Prozent der Erstanträge scheiterten. Wer die Hürde geschafft hat, können Spendenwillige auf einer Liste im Internet sehen: „Unter bundesweit um Spenden werbenden Organisationen gibt es nur wenige, die das Siegel nicht haben.”

Doch wer kein DZI-Siegel vorweisen kann, ist noch längst nicht unseriös. Schließlich wird es ohnehin nur an Organisationen vergeben, die überregional tätig sind. Das ist eine kleine Gruppe, die allerdings 1,4 der jährlich 3 bis 5 Milliarden Euro an Spendengeldern einsammelt. Nur bei ihnen sieht Wilke einen „größeren Informationsbedarf”. Denn bei der großen Mehrheit der Spendensammler lasse sich unmittelbar kontrollieren, ob die Spenden ankommen. Es sind lokale Gruppen, die für eine Orgel in der Kirche oder für neues Spielzeug im Kindergarten sammeln. Über die Einweihung oder Übergabe berichtet in der Regel die Lokalzeitung.

„Die allermeisten sind ohnehin seriös”, sagt Pohl. Allerdings versuchen jedes Jahr auch schwarze Schafe, aus dem Mitleid der Menschen Profit zu schlagen, gerade in der Weihnachtszeit. Hier haben die Selbstverpflichtungen und auch das DZI-Siegel ihre Schwachstelle, sagt Loipfinger. Denn „sie liefern eine gewisse Positivselektion, warnen aber nur in absoluten Ausnahmefällen”. Charitywatch verfolgt ein anderes Ziel und stellt die schwarzen Schafe im Internet offen an den Pranger.

Erkennen können Verbraucher sie an der Art ihres Auftretens: stark emotionale Werbung, Bettelbriefe, Ansprache in der Fußgängerzone oder an der Haustür. „Wenn man sich unter Druck gesetzt fühlt, sollte man den Brief wegwerfen oder auf der Straße einfach weitergehen”, sagt Wilke. Pohl empfiehlt, sich den Sammlerausweis zeigen zu lassen - und nachzusehen, ob die Dose verplombt ist. Beides sei bei seriösen Organisationen Standard.

Genauer ist mehr - Projekte gezielt auswählen

„Viele kleine Tropfen auf viele heiße Steine verdampfen folgenlos”, schreiben das Deutsche Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) in Berlin und die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh in ihrem Leitfaden „Gutes tun - Besser spenden”. Um den Verwaltungsaufwand gering zu halten, sollten sich Spender auf wenige Projekte konzentrieren - auf solche, die ihnen am Herzen liegen. So bewirkt ein Engagement nicht nur mehr, es sei langfristig auch befriedigender. Und außerdem, sagt DZI-Geschäftsführer Burghard Wilke, lande dann weniger Werbung im Briefkasten.
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