Stuttgart - Handel mit Fallstricken: Worauf Ebay-Verkäufer achten müssen

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Handel mit Fallstricken: Worauf Ebay-Verkäufer achten müssen

Von: Nadine Hantke, dpa
Letzte Aktualisierung:

Stuttgart. Die alte Plattensammlung, das gebrauchte Handy, die zu eng gewordene Hose - nie schien es einfacher, allerhand Waren an den Käufer zu bringen. Dem Internet sei Dank. Doch im Gegensatz zum Verkauf auf dem Trödelmarkt bringt der virtuelle Marktplatz einige Fallstricke mit sich.

Jedermann kann Waren und Dienstleistungen über eine Ebay-Auktion oder zum Festpreis verkaufen. Doch wann bin ich ein Privatverkäufer, und ab wann gelte ich als gewerblicher Verkäufer? „Entscheidend ist die Anzahl der Verkäufe”, sagt Carsten Ulbricht, Anwalt für Internetrecht aus Stuttgart. Wer gelegentlich Waren aus seinem Privatbesitz in geringem Umfang verkauft und auch kein Powerseller ist, der gelte in der Regel als privater Verkäufer.

Wichtig zu wissen ist, dass mit dem Auktionsende oder der Bestätigung beim Sofort-Kauf ein Kaufvertrag zustandekommt. Wenn der Verkäufer dann erst merkt, dass er den Preis viel zu niedrig angesetzt heißt, kann er nicht mehr viel machen.

„Nach Abschluss des Kaufvertrages ist der Verkäufer verpflichtet, den Artikel an den Käufer zu übergeben”, betont Leonie Bechtoldt von Ebay. Hat man sich beim Eintippen eines Preises jedoch vertippt, kann das Angebot unter Umständen auch frühzeitig beendet werden. Dafür muss allerdings ein triftiger Grund vorliegen. Deshalb ist es empfehlenswert, vor dem Einstellen des Artikels alle Angaben doppelt zu prüfen. „In der Regel gilt: Was steht, das steht”, sagt Astrid Ackermann, Anwältin für Medien- und IT-Recht aus Frankfurt am Main.

Umgekehrt wird es ebenfalls kompliziert: Wenn der Käufer die erstandene Ware plötzlich nicht mehr haben möchte. „Im Zweifel ist man in einer solchen Situation auf den Rechtsweg angewiesen, doch dann muss man abwägen, ob sich ein Rechtsstreit lohnt”, sagt Ulbricht. Entscheidet man sich gegen den Rechtsweg und möchte die Ware ein zweites Mal anbieten, ist es ratsam, eine Abtretungserklärung des Käufers einzufordern.

In Schwierigkeiten sind private Ebay-Verkäufer auch schon gekommen, weil sie für jemand anderes Produkte verkauft haben und dieser jemand die Sachen plötzlich doch nicht mehr rausrücken wollte. „Auch für Waren anderer ist immer der Inhaber des Accounts verantwortlich”, erklärt Ackermann. Im Zweifel sollte man deshalb auch die Bitte eines Freundes ablehnen.

Auch beim Versand der eigenen Waren kann es zu Schwierigkeiten kommen, etwa wenn der Empfänger sagt, die Ware sei beschädigt oder überhaupt nicht angekommen. „Der Käufer trägt grundsätzlich das Risiko des Verlustes und der Beschädigung der Ware auf dem Transportweg”, weiß Bechtoldt. Der Verkäufer habe die Pflicht, den Artikel sicher zu verpacken. „Es lohnt sich, das Produkt im Beisein eines Zeugen zu verpacken und zu fotografieren”, sagt Ackermann.

Fotos sollten auch vom Produkt selbst und eventuell der Seriennummer gemacht werden. Schadenersatzansprüche gegen den Verkäufer können entstehen, wenn er von der vereinbarten Versandart, zum Beispiel dem versicherten Versand, abweicht.

„Gerade bei hochpreisigen Artikeln ist der Abschluss einer zusätzlichen Transportversicherung zu empfehlen”, sagt Bechtoldt. Egal, welche Versandart man wählt, der Beleg sollte stets aufgehoben werden. Auch bei persönlicher Übergabe sollte ein Übergabebeleg mit Unterschrift des Käufers eingefordert werden.

Wichtig für private Verkäufer ist auch, dass diese keine Gewährleistung geben müssen. Mit einem Satz wie „Die Ware wird unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung verkauft” ist die Gewährleistung ausgeschlossen. Dieser Hinweis muss jedoch für den Käufer deutlich sichtbar sein und zum Beispiel unter der Produktbeschreibung stehen. Denn nur, „wenn der Käufer vor Vertragsabschluss darüber informiert wird, ist der Gewährleistungsausschluss wirksam vereinbart”, heißt es bei Ebay.

„Man sollte immer darauf hinweisen, dass dies eine Privatauktion oder ein Privatverkauf ist”, rät Ackermann. Auch als Verkäufer ist man jedoch verpflichtet, ein Produkt ohne Mängel zu versenden. Auch kleine Mängel sollten deshalb in der Produktbeschreibung aufgeführt werden.

Wenn Versand und Bezahlung reibungslos geklappt haben, kann es auch im Nachhinein noch zu Ärger kommen, etwa wenn ein Käufer grundlos negative Bewertungen abgibt.

„Wird eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt, so besteht ein Löschungsanspruch. Bei einer Meinungsäußerung lässt sich allerdings nicht viel machen”, sagt Anwalt Ulbricht. Selbst löschen kann der Verkäufer unliebsame Bewertungen zwar nicht, doch er kann sie relativieren, indem er mit Fakten ungerechtfertigte Kommentare entkräftigt.


Was nicht bei Ebay verkauft werden darf

Über den Ebay-Marktplatz wird so ziemlich alles angeboten, der Verkauf mancher Waren ist jedoch verboten. Neben pornografischen und nationalsozialistischen Angeboten, Tabakwaren und beschreibbaren Datenträgern, ist beispielsweise auch der Verkauf von Produktfälschungen nicht erlaubt. Wer gefälschte Markenprodukte verkauft, muss mit hohen Schadenersatzforderungen rechnen.

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