Berlin - Genau hinschauen: Riestern lohnt sich

Genau hinschauen: Riestern lohnt sich

Von: Falk Zielke, dpa
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Berlin. Die private Altersvorsorge ist wichtig. Das haben inzwischen die meisten Verbraucher in Deutschland erkannt. Nach Angaben der Bundesregierung überschritt die Zahl der Riester-Verträge Ende September 2010 die Grenze von 14 Millionen.

Doch nicht alle Anlage-Varianten sind wirklich gut. Sparer sollten sich genau informieren, bevor sie einen Vertrag unterzeichnen.

Die Probleme fangen meist schon vor dem Vertragsabschluss an. „Oft wird den Kunden einfach das teuerste Produkt angeboten”, warnt Peter Lischke von der Verbraucherzentrale in Berlin. Statt günstiger Banksparpläne würden den Kunden Versicherungen verkauft. Die seien für die Verbraucher meist mit höheren Kosten verbunden, brächten den Banken aber größere Profite.

Das belegt auch eine Studie des Instituts für Vermögensaufbau in München. Zwar seien die meisten der bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) registrierten Riester-Produkte festverzinsliche Banksparpläne, heißt es dort. Das bedeute aber nicht, dass diese von den Vermittlern auch am häufigsten vertrieben werden. Die am meisten abgeschlossene Produktvariante sei die klassische Rentenversicherung.

Susanne Meunier von der Stiftung Warentest in Berlin sieht noch ein weiteres Problem: Viele Produkte seien nicht transparent, kritisiert sie. Bei der Untersuchung für das aktuelle Sonderheft von „Finanztest” zum Thema Riester-Rente stellte sich heraus: Die Anbieter kommen ihren Informationspflichten nicht immer ausreichend nach, etwa bei den Kosten.

Gesetzlich geregelt sei, dass die Kosten für einen Riester-Vertrag nicht auf einen Schlag abgerechnet werden dürfen, erklärt Meunier. Sie müssten sich über die ersten fünf Jahre der Vertragslaufzeit verteilen. „Es gibt aber keine gesetzlichen Vorschriften dafür, wie die Kosten für die Verträge ausgewiesen werden sollen”, erklärt sie.

Die Folge: Kunden könnten in ihren jährlichen Abrechnungen nicht immer sofort erkennen, wie hoch die Abschluss- und Vertriebskosten tatsächlich sind. „Viele Aufstellungen überfordern einen normalen Kunden”, kritisiert Meunier. Ideal wäre aus Sicht von Stiftung Warentest eine Gesamtkostenquote, die verdeutlicht, wie viel von den Einzahlungen für die Kosten verbraucht wird.

Dennoch ist das Riester-Sparen nach wie vor bei den Verbrauchern beliebt. Im dritten Quartal 2010 kamen nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums 234 000 Neuverträge hinzu, seit Jahresbeginn waren es gut 830 000. Für die Eigenheim-Rente, besser bekannt als „Wohn-Riester”, entschieden sich im dritten Quartal 65.000 Bürger.

Dieser Trend ist laut Meunier grundsätzlich gut. „Sparen mit Riester-Verträgen ist sinnvoll”, sagt die Expertin. Die staatliche Förderung sorge am Ende dafür, dass in jedem Fall ein kleines Plus übrig bleibt. „Die private Vorsorge ist wichtig, besonders für junge Menschen”, gibt auch Lischke zu bedenken.

Verbraucher sollten daher bei der Suche nach einer passenden Riester-Variante die verschiedenen Angebote genau prüfen. „Die Kunden müssen aktiv suchen”, sagt Meunier. Das staatliche Zertifikat, das Riester-Verträge erhalten, sei dabei kein Qualitätsmerkmal. Es bestätige lediglich, dass das Angebot die gesetzlichen Vorgaben für die staatliche Förderung erfüllt.

„Wichtig ist, ein passendes Produkt zu finden”, sagt Lischke. Verbraucher, die später möglicherweise ein eigenes Haus bauen wollen, sollten etwa gleich über einen sogenannten Wohn-Riester-Vertrag nachdenken. Für Sparer mit wenig Geld eigne sich ein Bank-Sparplan. In jedem Fall sei es ratsam, genaue Angaben zu den Angeboten zu bekommen. „Stellen Sie Ihrem Berater so viele Fragen wie möglich”, rät der Verbraucherschützer.

Aber auch, wer eine schlechte Police abgeschlossen hat, muss nicht verzweifeln. Verbraucher könnten solche Verträge beitragsfrei stellen und sich das Guthaben am Ende der Laufzeit auszahlen lassen, sagt Meunier. Die monatlichen Beiträge, die so gespart würden, könnten in neue, bessere Verträge gesteckt werden. „Bei Riester gibt es immer einen Ausweg”, sagt Lischke.
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