Flachs oder Glaswolle: Dachdämmen nach der Energie-Einspar-Verordnung

Von: Stephanie Hoenig, dpa
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Dachdämmen
Materialien aus Mineralfasern werden oft empfohlen, weil sie gut dämmen und fast nicht brennbar sind. Foto: dpa

Darmstadt/Berlin. Noch immer gibt es viele alte Häuser, deren Dächer nicht gedämmt sind: Das kostet eine Menge Energie und belastet den Geldbeutel des Eigentümers. Seit Oktober gilt außerdem eine neue Fassung der Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) mit verschärften Dämmvorschriften.

Richtiges Dämmen in Eigenregie setzt Fachwissen und Beratung voraus. „Um späteren Schäden vorzubeugen, sollten Heimwerker sich vor der Arbeit mit der Bauphysik des gedämmten Daches auseinandersetzen”, rät Jens Knissel vom Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt. „Nur wer weiß, wie ein wärmegedämmtes Dach funktioniert, kann Feuchtigkeit und Wärmebrücken vorbeugen.”

Denn durch Feuchtigkeit, die in die Dämmschicht eindringt, und durch Wärmebrücken leide nicht nur die Dämmwirkung. Neben Schimmelbildung und Wasserschäden könnten auch möglicherweise gravierende Langzeitschäden, etwa Schwammbildung am Dachstuhl, die Folge sein.

„Vor dem Dämmen sollte man überprüfen, ob unter den Dachziegeln eine Unterspannbahn unter den Dachziegeln eingebaut ist”, erklärt Thomas Kwapich von der Deutschen Energie-Agentur (dena) in Berlin. Die Unterspannbahn sei notwendig, um die darunterliegende Konstruktion vor eindringender Nässe zu schützen. In manchen alten Gebäuden fehle eine solche Unterspannbahn unter den Ziegeln. Dann gelte es, mit Hilfskonstruktionen nachzurüsten.

Die Art der Unterspannbahn hat auch Einfluss auf den Platz, der zum Dämmen zwischen den Sparren zur Verfügung steht. „Moderne Dächer in neueren Häusern sind in der Regel mit einer diffusionsoffenen, also wasserdampfdurchlässigen Windschutz-Unterspannfolie versehen”, erläutert Michael Pommer von der DIY-Academy in Köln. In diesen Fällen sei eine Lüftung nicht notwendig und der gesamte Zwischenraum könne ausgefüllt werden.

Bei nicht diffusionsoffenen Folien oder Gitternetzfolien müsse zwischen Dach und Dämmung eine zwei Zentimeter breite Lüftungsöffnung gewährleistet sein. Welche Folie im Dach vorhanden ist, sollte ein Fachmann klären.

„Als Material für Heimwerker sind flexible Matten und Keile aus Mineralfasern für die Montage zwischen und unter Sparren vorteilhaft”, sagt Pommer. Denn diese Materialien passten sich unebenen und etwas verzogenen Hölzern optimal an. Materialien aus Mineralfasern wie Glas- und Steinwolle seien zu empfehlen, denn sie dämmen gut und seien praktisch nicht entflammbar. Mit starren Materialien dagegen könnten Lücken in der Dämmschicht entstehen.

Auch ökologische Alternativen wie Flachs, Hanf und Schafswolle eignen sich für die Heimwerker-Montage. „Solche Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen haben auch bautechnische Vorteile”, sagt der Architekt und Fachbuchautor Thomas Drexel aus Augsburg. Im Wärmeschutz seien sie herkömmlichen Produkten gleichwertig. Sie hätten aber auch im Sommer den Vorteil durch ihre größere Wärmespeicherfähigkeit die Raumtemperatur niedrig zu halten.

Pommer empfiehlt bei Dachgeschossen, die als Wohnraum dienen, eine Isolierung zwischen den Sparren. Falls der Platz zwischen den Sparren dafür nicht ausreicht, könne auch unter den Dachsparren zusätzlich gedämmt werden. „Um zu ermitteln, wie viel Platz für eine mögliche Zwischendämmung zur Verfügung steht, misst man die Sparrentiefe”, erläutert Pommer.

Reicht die Sparrentiefe für die in der Energie-Einsparverordnung (EnEV) vorgeschriebene Dicke der Dämmung nicht aus, könne diese Dämmung unter den Sparren auf das erforderliche Maß vergrößert werden. „Errechnet werden sollte die Dämmstärke möglichst von einem Fachmann, zum Beispiel einem Energieberater”, rät Knissel.

„Dämmschichten müssen nach dem Einbau an der Innenseite gegen eindringende Feuchtigkeit durch eine lückenlose, luftdichte Schicht geschützt werden”, betont Kwapich. Denn wenn Luft aus dem Innenraum in die Wärmedämmschicht gelangt, kühlt sie sich ab. Dabei werde Feuchtigkeit frei. Dadurch besteht die Gefahr, dass Bauteile durchfeuchten, Dämmstoffe verklumpen, sich Schwamm bildet und Holzteile faulen könnten. Auch bei der Wahl der passenden Dampfsperre sollte sich der Heimwerker von einem Fachmann beraten lassen.

„Bei Arbeiten mit Dämmstoffen sollten Heimwerker ihren Körper schützen”, rät Pommer. Empfehlenswert seien Einweg-Overalls, die es im Baumarkt für Anstreiarbeiten gebe, eine Atemschutzmaske sowie Handschuhe. Bei Arbeiten über Kopf sollte außerdem eine Schutzbrille getragen werden.

Dachdämmen nach der Energiesparverordnung

Die seit Oktober geltende verschärfte Energie-Einspar-Verordnung EnEV schreibt bei der Sanierung von Dachschrägen einen U-Wert von maximal 0,24 W/(m²K) vor. Die dafür notwendige Dämmstärke ist laut der dena in Berlin abhängig von der Konstruktion (Sparrenbreite und -abstand) und der Wärmeleitgruppe (WLG) des Dämmmaterials. Sind die Sparren im Dach nicht ausreichend tief, um die angegebene Dämmstärke zu erreichen, sind die EnEV-Anforderungen auch dann erfüllt, wenn die höchstmögliche Dämmschichtdicke eingebaut wird.

Herkömmliche Dämmmaterialien haben die WLG 040. Im Handel gibt es allerdings bereits Produkte, die über bessere Dämmeigenschaften verfügen, etwa Klemmfilze (Mineralfaserplatten) oder Hartschaumplatten mit WLG 035 und 032.

Ein Dachsanierung mit Zwischensparrendämmung kann zum Beispiel folgendes beinhalten: Eine Holzwerkstoffplatte von fünf Zentimetern, eine Dampfsperre sowie Holzsparren mit einer Dämmstärke von 18 Zentimeter bei WLG 040, von 16 Zentimetern bei WLG 035 oder 14 Zentimetern bei WLG 032.
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