Elektronik gegen Bleifuß: Neue Anzeigen sollen beim Sparen helfen

Von: Thomas Geiger, dpa
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Bleifuß - Spartechnik
Blumen im Display - je mehr digitalen Pflänzchen beim Honda Insight sprießen, desto sparsamer ist der Fahrer gerade unterwegs. Foto: dpa

Ingolstadt/Offenbach. Andreas Metzmaier ist frustriert. „Wir könnten das Auto neu erfinden, noch so viel Gewicht sparen und noch so effiziente Motoren einbauen. Aber solange der Fahrer nicht mitspielt, hinkt die Verbrauchseinsparung immer hinterher”, sagt der Entwickler von Audi in Ingolstadt.

Deshalb denken die Hersteller zunehmend über Leichtlaufreifen, Leichtbaukarossen, Spardiesel oder Hybridantrieb hinaus und nehmen den Fahrer ins Visier.

Mit elektronischen Helfern wollen sie notorische Bleifüße kurieren und das Sparpotenzial der Technik besser ausschöpfen. „Mit einer Schaltanzeige alleine ist es da nicht getan”, sagt Metzmaier.

Das prominenteste und zugleich ungewöhnlichste Beispiel für diesen Trend ist der „Eco Assist” im neuen Honda Insight.

Wie in einem Computerspiel können Fahrer dabei mit einem besonders sparsamen Fahrstil Punkte sammeln und auf einer Anzeige im Cockpit Blumen sprießen lassen.

Wer zu forsch fährt, sieht die Blumen verschwinden und die Beleuchtungsfarbe der Armaturentafel von Grün zu Blau wechseln. Der Spartrainer registriert nicht nur einzelne Fahrten, sondern meldet sich nach mehreren tausend Kilometern auch zur Endabrechnung:

Sparsamen Fahrern winkt dann die Grafik eines Öko-Pokals, Spritsünder werden mit dem Bild einer vertrockneten Blume gerügt.

Was wie eine Spielerei klingt, hat einen ernsten Hintergrund, sagt Honda-Sprecher Alexander Heintzel in Offenbach: „Wir hatten bei unseren Hybridfahrzeugen oft Beschwerden, dass Real- und Testverbrauch zu weit auseinander lagen”, sagt er.

Doch kaum jemand habe verstanden, dass man bei einem Hybridauto den Fahrstil ändern und besonders vorausschauend fahren müsse.

Deshalb haben die Japaner nicht nur spezielle Kurse eingerichtet, sondern auch das neue Assistenzsystem entwickelt. Ist der Öko-Trainer aktiviert, würden durchschnittlich etwa zehn Prozent Benzin gespart.

Doch laut Audi-Entwickler Andreas Metzmaier ist damit nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten ausgeschöpft: „Zwischen dem sparsamsten und dem verschwenderischsten Fahrer liegen auf derselben Strecke bis zu 30 Prozent.”

Das zeigten die Ergebnisse seiner Untersuchungen. Um Bleifüße zur Räson zu bringen, hat Audi jetzt ein spezielles Effizienzprogramm für den Bordcomputer entwickelt.

Dabei wird nicht nur die bei den meisten Herstellern übliche Schaltanzeige vom mikroskopisch kleinen Bilderrätsel zu einer gut sichtbaren Grafik von der Größe eines Tischtennisballs vergrößert.

„Wir stellen auch zum ersten Mal den direkten Zusammenhang zwischen Momentan- und Durchschnittsverbrauch grafisch dar”, erläutert Metzmaier.

Außerdem könne der Fahrer einer weiteren Anzeige entnehmen, wie viel Sprit ihn pro Stunde zum Beispiel die Klimaanlage, die Sitzheizung oder das Auftauen der Heckscheibe kostet.

Obendrein gibt das System gute Tipps: Je nach Situation wird ihm zum Schließen des Schiebedachs, zum Nutzen der Motorbremse oder zur sanfteren Bedienung des Gaspedals geraten.

So lobenswert solche Entwicklungen auch sind - das A und O beim Spritsparen bleibe eine vorausschauende Fahrweise, sagt Hans Georg Marmit von der Sachverständigen-Organisation KÜS in Losheim am See (Saarland).

Weil allerdings selbst der beste Fahrer höchstens bis zur nächsten Kurve oder Kuppe schauen kann, zapfen Hersteller wie BMW nun vermehrt die Navigation an.

Nebenaggregate sollten mit elektronischem Weitblick noch genauer gesteuert werden, Getriebe könnten auf Steigungsstrecken anders schalten als in der Ebene, und auch die Ladezyklen von Hybridautos könnten der Topografie angepasst werden, erläutert BMW-Sprecherin Katharina Bölsterl in München. „Damit sind Einsparungen zwischen fünf und zehn Prozent möglich.”

Fürs Erste allerdings funktioniert dieser Ansatz nur, wenn der Fahrer sein Navigationssystem auch aktiviert. Weil BMW-Entwickler Robert Hein und seine Kollegen aber beobachtet haben, dass viele Autofahrer gerade auf ihren Stammstrecken ohne Navigation unterwegs sind, entwickeln sie nun einen Pfadfinder mit quasi hellseherischen Fähigkeiten.

Über mehrere Wochen und auf vielen tausend Kilometern erstelle dieser ein so genaues Bewegungsprofil, dass er die kommenden Ziele mit einer Treffsicherheit von derzeit schon mehr als 80 Prozent vorhersagen kann.

Wenn der Mensch schon nicht vorausschauend fährt, kann sich so zumindest die Technik den Gegebenheiten anpassen.
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