Elsmhorn - Die Tricks der Versicherungen: Nicht jedes Malheur ist ein Unfall

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Die Tricks der Versicherungen: Nicht jedes Malheur ist ein Unfall

Von: Oliver Mest, ddp
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Elsmhorn. Viele Verbraucher haben eine Unfallversicherung. Zu den lebensnotwendigen Versicherungen zählt die Police indes ganz sicher nicht. Das Risiko einer Invalidität wird durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung besser geschützt.

Immerhin muss die Berufsunfähigkeitsversicherung bei Invalidität immer zahlen, die Unfallversicherung nur im seltenen Fall einer unfallbedingten Invalidität. Da stellt sich die Frage, wie sinnvoll die 200 oder 300 Euro für eine Unfallversicherung investiert sind.

Grundsätzlich gilt: Unfallschutz kann sinnvoll sein, wenn zum Beispiel wegen Vorerkrankungen keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden kann oder nach einem schlimmen Unfall eine größere Summe Geld zur Verfügung stehen soll, um etwa den veränderten Lebensumständen mit einem Hausumbau Rechnung tragen zu können.

Allerdings müssen Interessenten bereits vor Vertragsschluss daran denken, dass nicht alles, was gemeinhin als Unfall angesehen wird, auch als Unfall versichert ist. Es gibt gravierende Leistungsausschlüsse, die immer wieder dazu führen, dass Unfallversicherer mit ihren Kunden vor Gericht streiten.

Ein Hauptkonfliktpunkt sind dabei Unfälle, die bei einer sogenannten Bewusstseinsstörung geschehen. Die Versicherer schließen solche Fälle in aller Regel aus. Wer beispielsweise mit Kreislaufproblemen ohnmächtig wird und die Treppe herunterfällt, mag das zwar als Unfall ansehen. Aber die Ohnmacht ist eine Bewusstseinsstörung und die schließt die Einstandspflicht der Versicherung aus.

Ähnliches gilt auch bei Alkohol- und Medikamentenkonsum sowie bei epileptischen Anfällen. Selbst wenn betrunkene Fußgänger verunglücken, zahlt die Unfallversicherung nicht.

Und die Liste der Leistungsausschlüsse ist noch länger: Wer sich aus Versehen vergiftet, bekommt ebenso wenig Geld wie ein Versicherter, der bei einer Operation mit Komplikationen zu kämpfen hat. Auch wer nach einem Zeckenbiss gesundheitlich nicht mehr auf der Höhe ist, geht zumindest bei der Unfallversicherung leer aus. Ferner ist auch im Zusammenhang von Straftaten der Unfallschutz meist ausgeschlossen.

Wie leicht der Unfallschutz verloren geht, zeigt auch eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle (AZ: 8 U 131/08). Danach liegt kein Unfall vor, wenn ein Skifahrer von einem vorbeifahrenden Skifahrer erschreckt wird, stürzt und dabei verunglückt, ohne dass der andere Skifahrer den Unglücksfahrer berührt hat. Denn das bloße Erschrecken und ein unmittelbar darauf beruhender Sturz infolge einer ungeschickten Eigenbewegung sind wegen fehlender äußerer Einflüsse kein Unfall, urteilten die Richter. Folglich müsse auch die Unfallversicherung nicht eintreten.

Wenn Verbraucher mit all den Leistungsausschlüssen leben können, hängt die Qualität des Versicherungsschutzes sehr stark von seinem Umfang ab. Bei einer Unfallrentenversicherung zahlt die Versicherung ab einem Invaliditätsgrad von 50 Prozent eine lebenslange Rente in der vereinbarten Höhe.

Wie hoch die Invalidität ist, richtet sich bei der dabei nach der sogenannten Gliedertaxe. Der Verlust eines Fingers beispielsweise führt in der Regel zu einer Invalidität von fünf Prozent, der Verlust eines ganzen Armes ist gleichbedeutend mit 70-prozentiger Invalidität. Der Verlust eines Fingers würde also noch keinen Schutz der Versicherung auslösen, bei einem verlorenen Arm hingegen müsste die Unfallrentenversicherung zahlen.

Oft ist jedoch bei schwereren Unfallfolgen vorgesehen, dass die Versicherungssumme steigt, je schwerer die Folgen sind. Sinnvoll ist es, Unfallversicherung und Unfallrentenversicherung zusammen abzuschließen. Denn die Unfallrentenversicherung bietet ein Leben lang finanziellen Schutz bei Unfällen mit schweren Folgen. Die Unfallversicherung hingegen hilft vor allem einmalig, wenn zum Beispiel nach einem Unfall ein behindertengerechter Umbau der Wohnung ansteht.
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