Köln/Berlin - Die richtige Brille: Glas ist nicht gleich Glas

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Die richtige Brille: Glas ist nicht gleich Glas

Von: Stefanie Hiekmann, dpa
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Nicht nur die Fassung zählt: Beim Brillenkauf kommt es auch auf die Beschaffenheit der Gläser an. Foto: dpa

Köln/Berlin. Beim Brillenkauf zählt mehr als eine schicke Fassung. Auch die Gläser spielen eine wichtige Rolle - je nachdem, ob die Brille bei der Arbeit, zu Hause oder beim Sport benötigt wird.

Dabei gehe es um mehr als nur unterschiedliche Glasstärken, sagt Wolfgang Wesemann, Direktor der Höheren Fachschule für Augenoptik in Köln. „Grundsätzlich werden Nutzen und Qualität von Brillengläsern durch drei Faktoren bestimmt”, ergänzt Kerstin Kruschinski vom Kuratorium Gutes Sehen (KGS) in Berlin. Material, Design und Veredelungsvarianten machen jedes Glas zum Unikat, das nicht nur die Sehfähigkeit, sondern auch die ästhetische Wirkung der Brille verbessert.

Das Material: Es beeinflusst laut Kruschinski die Grundeigenschaften der Brille. Während man früher zu schweren mineralischen Gläsern gegriffen habe, hätten sich heute Kunststoffgläser durchgesetzt. „Der große Vorteil ist, dass sie im Vergleich zu mineralischen Gläsern wesentlich leichter und bruchsicherer sind.” Nach Informationen des Zentralverbands der Augenoptiker (ZVA) in Düsseldorf lag der Anteil der organischen, also der Kunststoffgläser, im Jahr 2008 bei mehr als 82 Prozent aller verkauften Brillengläser.

Mineralisches Glas ist dagegen extrem kratzunempfindlich. Dieter Friedburg vom Berufsverband der Augenärzte Deutschland in Düsseldorf empfiehlt es denjenigen, die oft in staubiger Umgebung arbeiten oder anderen extremen Einflüssen ausgesetzt sind. Das können zum Beispiel Hitze oder mechanische Bewegungen sein, die auf die Gläser einwirken.

Das Glasdesign: Design hat in diesem Zusammenhang nichts mit rund oder eckig geformten Gläsern, sondern mit ihrer Struktur zu tun. Einstärkengläser wirken schlicht und werden überwiegend verwendet - jedenfalls in der Altersgruppe der unter 40-Jährigen, bemerkt Kruschinski. Kommt durch die natürlich einsetzende Alterssichtigkeit eine weitere Fehlsichtigkeit im Nahbereich hinzu, muss der Brillenträger zu Mehrstärkengläsern greifen.

Früher standen dazu nur sogenannte Bifokal- oder Trifokalgläser zur Verfügung. „Im unteren Bereich des Glases haben sie einen sichtbar abgetrennten Lesebereich”, erklärt Kruschinski den Aufbau diese Gläser. Doch auch der ZVA bestätigt, dass diese optisch unattraktive Lösung mittlerweile in die Jahre gekommen sei. Gleitsichtgläser, die rein äußerlich wie Einstärkengläser wirken, aber viele Korrekturbereiche in einem Glas vereinen, haben sie größtenteils abgelöst.

Die Veredelungsbeschichtung: Augenoptiker bieten neben Entspiegelungen und Hartschichtlackierungen auch schmutz- und feuchtigkeitsabweisende Beschichtungen an. Für den Spezialgebrauch im Wassersport oder für Vielfahrer im Straßenverkehr gibt es die Möglichkeit, eine „Polarisation” in die Gläser einzuarbeiten: Lichtreflexe von nassen Oberflächen werden von den Gläsern nicht durchgelassen. So erhöht sich die Fahrsicherheit, und die Augen ermüden nicht so schnell.

Ebenso gehören farbliche Tönungen zu den Veredelungen: „Getönte Gläser sind oft für Sportler interessant”, sagt Kruschinski. Beim Rad- oder Skifahren empfinden sie die Lichtverhältnisse damit häufig angenehmer. Bei phototropen Gläsern handelt es sich um selbsttönendes Material. Durch einfallende UV-Strahlung färben sie sich dunkel. Viele Menschen nutzen solche Gläser, um Sonnen- und Alltagsbrille in einer Fassung zu vereinen. „Für Autofahrer eignen sie sich aber nicht”, schränkt Friedburg ein. Denn Windschutzscheiben fangen die UV-Strahlen schon vor dem Brillenglas ab, sodass sich dieses im Auto nicht mehr verfärben kann.

Hartschichtlackierungen zählen mittlerweile zum Standard: „Bei Kunststoff sind sie sogar ein Muss”, sagt Kruschinski. Gerade, weil diese organischen Brillengläser recht kratzanfällig seien, trage eine Hartschicht maßgeblich zu einer längeren Lebensdauer bei.

Kinderbrillen: Für Kinderbrillen gelten Hartschichtlackierungen als überflüssig: Im Sandkasten schaffen Kinder es oft, eine Brille mit Hartschicht innerhalb einer Woche zu zerkratzen. Eine Entspiegelung, die einen großen Teil der von außen einwirkenden Lichtreflexe abfängt, können sich Eltern bei Kinderbrillen ebenso sparen: Durch die Entspiegelung werden die Gläser brüchiger. Und da Kinder nicht darauf angewiesen sind, Lichtreflexe beim Autofahren abzuhalten, lohnt die Entspiegelung bei ihren Brillen auch aus diesem Grund nicht.
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