Bonn/Hamburg - Blaue Wunder zum Ausleihen: Blu-ray erobert Videomarkt

Blaue Wunder zum Ausleihen: Blu-ray erobert Videomarkt

Von: Andreas Thieme, dpa
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Noch stehen in den Ausleihregalen der Videotheken überwiegend DVDs. Immer öfter kommen neue Streifen aber auch im qualitativ hochwertigeren Blu-ray-Format heraus. Foto: dpa

Bonn/Hamburg. Für einen gemütlichen Abend mit Freunden steht das Schauen einer DVD hoch im Kurs. Schließlich ist das Angebot der Videotheken schier unerschöpflich und die Technik einfach zu handhaben - und das bei immer besserer Qualität.

Inzwischen steht mit Blu-ray die nächste Generation der Videotechnologie im Verleih bereit.

„Neun von zehn Videotheken haben durchschnittlich 175 verschiedene Filme des neuen Formats im Angebot”, sagt Jörg Weinrich vom Deutschen Interessenverband des Video- und Medienfachhandels (IVD) in Bonn. Die bewährte DVD komme hingegen auf eine Anzahl von annähernd 4500 Verleih-Exemplaren pro Videothek. Dennoch steige die Anzahl an verfügbaren Filmen stetig an.

„Der Video-Mietmarkt verleiht dem Blu-ray-Geschäft starke Impulse”, sagt Oliver Trettin vom Bundesverband Audiovisuelle Medien (BVV) in Hamburg. Laut BVV hat sich der Verleih von Bildtonträgern im High-Definition-Format im ersten Quartal 2009 um das Sechsfache vermehrt.

„Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 1,2 Millionen Filme im Blu-ray-Format verliehen”, sagt Trettin. Als Kassenschlager bewährte sich der Action-Streifen „Wanted” mit Angelina Jolie.

Aber auch der Handel profitiert: „Bei Film-Neuerscheinungen ist bereits jedes dritte oder vierte Produkt in Blu-ray erhältlich”, sagt Trettin. Bereits Mitte Juni wurde mit 1,7 Millionen verkauften Discs der Gesamtabsatz des vergangenen Jahres erreicht - bis Jahresende werde dieser voraussichtlich sogar verdreifacht.

Grund sei der Qualitätssprung in der Technologie, was vor allem für die verbesserte Bildqualität gilt.

„Bei gleicher Bildgröße bietet Blu-ray eine mehr als doppelt so hohe Auflösung”, erklärt Jörg Gerle von der in Bonn erscheinenden Zeitschrift „Film Dienst”. Selbst die winzige Schrift im Abspann sei bei der High-Definition-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln gestochen scharf erkennbar. Zusätzlich werde eine beinahe dreidimensional wirkende Tiefenschärfe und Farbpracht geboten. Auch die Tonqualität sei aufgrund des größeren Speicherplatzes verbessert.

„Die Auflösung des Bildes ist bereits vergleichbar mit der einer Kino-Produktion”, sagt Tobias Kniebe, Autor und Filmkritiker aus München. Gemeinsame Filmabende würden dadurch aufgewertet. Ganz im Sinne des „Home-Entertainments” lasse sich durch das Anschließen eines Projektors an das Abspielgerät eine Kino-Atmosphäre erzeugen. „Das Kino kommt durch Blu-ray tatsächlich ins eigene Wohnzimmer.”

Von einem Siegeszug der Blu-ray-Technologie im Bereich Video könne zwar noch nicht die Rede sein. Der Durchbruch zum Massengeschäft sei aber zum Jahresende hin denkbar, sagt Andreas Stumptner von der in München erscheinenden Zeitschrift „Video-HomeVision”. Denn der Home-Entertainment-Markt profitiere vom Weihnachtsgeschäft.

Auch preislich wird Blu-ray für Videokunden immer attraktiver. „Für eine geliehene Blu-ray-Disc bezahlen Verbraucher mittlerweile kaum noch mehr als für eine DVD”, erläutert Weinrich vom IVD. Dem Verband zufolge liegt der Durchschnittspreis für den Verleih bei 2,79 Euro.

Für eine DVD fallen im Schnitt 2,58 Euro Leihgebühren an. Mittlerweile ist Blu-ray zudem in fast allen Filmbereichen verfügbar. Besonders beliebt sind sie laut Trettin bei der Zielgruppe der 20- bis 39-jährigen Männer, den sogenannten „Early Adopters”.

Dennoch werde Blu-Ray auch auf lange Sicht die DVD im Videoverleih nicht ersetzen, sagt Stumptner. Wahrscheinlicher sei, dass beide Formate lange Zeit nebeneinander existieren. „Einen radikalen Wechsel wie von VHS zu DVD wird es nicht geben”, glaubt auch Trettin. In den vergangenen fünf Jahren seien jeweils mehr als 100 Millionen DVD-Exemplare verkauft worden. „Der Verkauf ist stabil.”

Trotz aller Vorteile von Blu-ray sei deshalb die Anschaffung eines standardmäßigen DVD-Players immer noch lohnenswert, rät Weinrich. Die Vorteile der neuen Technologie seien ohnehin nur mit einem kompatiblen Full-HD-Fernseher ausschöpfbar.

Zudem sei die wertvolle Sammlung vieler Verbraucher ein Grund, der DVD treu zu bleiben - und auch nicht jeder sei mit den technischen Voraussetzungen des neuen Formats vertraut. „Viele Kunden sind zufrieden mit der DVD. Blu-ray ist hingegen noch erklärungsbedürftig”, erläutert Stumptner.

Trettin empfiehlt dagegen, bei Neuanschaffungen auf Blu-ray zu setzen. „Neben der bestechenden Qualität des Filmerlebnisses sind die Player auch rückwärtskompatibel und können problemlos DVD und CD abspielen”.

So könnten auch Filme angesehen werden, die es noch nicht im neuen Format auszuleihen gibt. Zudem werde eine ausgeliehene DVD beim Abspielen über ein Blu-ray Gerät durch sogenanntes „Upscaling” sogar qualitativ aufgewertet. Gute Geräte seien ab 150 Euro erhältlich. Auch anschlussfähige TV-Geräte würden billiger.

Auch Tobias Kniebe glaubt, dass sich der Siegeszug von Blu-ray fortsetzen wird: „Ganz einfach, weil es näher am Kinoerlebnis ist.”
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