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Bio oder nicht Bio beim Tannenbaum?

Von: Anna Martinsohn, dpa
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Weihnachtseinkäufe in Hamburg
Zahlreiche Menschen nutzten das letzte Wochenende vor den Feiertagen für ihre Weihnachtseinkäufe. Foto: dpa

Berlin. Der Weihnachtsbaum als Gefahrenquelle: Doch wer hier an brennende Kerzen oder einen kaputten Christbaumständer denkt, hat weit gefehlt. Giftige Chemikalien werden im konventionellen Weihnachtsbaumanbau verwendet, um das treue Nadelkleid noch grüner und noch glänzender erstrahlen zu lassen. Bio-Baumzüchter verweisen auf ihre unbedenkliche Ware, die sich preislich kaum von anderen Bäumen unterscheide.

Das WDR-Magazin „markt” hatte in der vergangenen Woche über das Weihnachtsbaum-Doping berichtet. Die Reporter hatten die Spur von 20 Tonnen illegalen Pflanzenschutzmitteln verfolgt, die im vergangenen Jahr im Hamburger Hafen beschlagnahmt wurden. Auf den Lieferlisten fanden sich auch Baumzüchter aus dem Sauerland. Jeder vierte deutsche Weihnachtsbaum kommt von dort.

In einer Christbaumkultur wiesen die WDR-Reporter die synthetische Verbindung PFT (Perfluorierte Tenside) nach - allerdings in geringen und ungefährlichen Mengen. Die Chemikalie war als Dünger auf die Fläche gebracht worden. PFT steht unter dem Verdacht, krebserregend zu sein.

„Natürlich wird im konventionellen Weihnachtsbaumbetrieb gedüngt und gespritzt”, sagt der Sauerländer Baumzüchter Georg Schmitt- Degenhardt, „aber nicht mehr, als in der konventionellen Landwirtschaft auch”. Die eingesetzten Mittel seien alle von der Bundeskontrollstelle für Land- und Forstwirtschaft zugelassen. Zudem spritze er höchstens zwei bis drei Mal pro Jahr. In der Landwirtschaft werde eine Fläche viel häufiger behandelt. „Weinreben werden sechs, sieben, acht Mal gespritzt und das Endprodukt wird getrunken”, sagt Schmitt-Degenhardt. „Den Baum isst man ja nicht.”

Die Spritzmittel tragen Namen wie „Metasystox” oder „Karate”. Dabei ist Weihnachten doch so ein friedliches Fest. Eine Baumproduktion ohne chemische Mittel hält Schmitt-Degenhardt jedoch für unmöglich. „Ohne Dünger sind die Nadeln viel heller”, erklärt er. „Das will kein Kunde.”

Ein zweiter konventioneller Weihnachtsbaumzüchter aus dem Sauerland, der seinen Namen nicht nennen will, bestätigt dies. Der PFT-Düngevorfall beruhe allerdings auf Unwissenheit. Die betroffenen Baumzüchter hätten für den verseuchten Dünger nichts zahlen müssen, manche hätten für das Ausbringen der Menge sogar Geld bekommen. „Da hätte man eigentlich stutzig werden müssen”, sagt er.

Wer kein Risiko eingehen will, sollte zur Bio-Tanne greifen, raten Umweltverbände. So argumentiert etwa der Waldreferent Rudolf Fenner von der Waldschutzorganisation Robin Wood. „In zertifizierten Bio-Betrieben wird kein Mineraldünger eingesetzt und kein Gift”, sagt er. Er empfiehlt, sich an den gängigen Zertifikaten wie etwa Naturland, Bioland oder FSC zu orientieren und vor allem Bäume aus der Region zu kaufen.

Die strengsten Richtlinien habe Naturland. Hier verzichten die Betriebe nicht nur auf Chemikalien, sie verpflichten sich vor allem einem möglichst naturnahen Waldbild. Richtlinien, die eigentlich jeder Weihnachtsbaumplantage mit eng gepflanzten Reihen immer gleicher Baumarten widersprechen. „Für die Bäume aus dem Wald gilt die Waldrichtlinie. Für die Bäume aus der Kultur gilt die landwirtschaftliche EU-Bioverordnung”, erklärt Naturland-Forstexperte Martin Reinhold.

Er erklärt, dass der Bio-Züchter seine Bäume nicht spritzen müsse, weil er sie einfach weiter auseinandersetze und der Wind so die Nadeln besser trockne. So seien sie weniger anfällig für Pilze, die die Nadeln gelb werden lassen. Gegen das wachsende Gras habe man nicht Pflanzengift, sondern Schafe parat. „Der Schafdung bleibt dann dort liegen und ist im nächsten Jahr Dünger”, sagt Konrad Schulte- Goebel, einer der wenigen Biobaumzüchter aus Schmallenberg im Sauerland. Statt der Chemiekeule schwört er auf Homöopathie für Pflanzen. „Einmal pro Jahr spritzen wir mit „Biplantol”, ein im Biolandbau zugelassenes Pflanzenstärkungsmittel.”

Schmitt-Degenhardt hält den Bio-Baum hingegen für „den größten Schwachsinn auf Gottes Erden”, weil die Kunden solche hellen Bäume nicht wollten. Doch die Bio-Tanne scheint sich zu rentieren: „Der Trend zum Bio-Weihnachtsbaum wird jedes Jahr größer”, sagt Schulte- Goebel. Er verkauft die Bäume von seinen 25 Hektar an Bioläden und ein großes bundesweites Pflanzencenter. „Wenn sie alle sind, ist Schluss.”
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