Aachen - Biallos Ratgeber: Worauf Angehörige achten müssen

Biallos Ratgeber: Worauf Angehörige achten müssen

Von: Rolf Winkel
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Stirbt ein Angehöriger, dann muss vieles geregelt werden. Dabei geht es auch um Sozialleistungen. Wie lange werden sie gezahlt und was können Ämter und Sozialkassen zurückverlangen?

Pflegeversicherung: Etliche Verstorbene erhielten zuletzt Leistungen der Pflegeversicherung. Die gesetzlichen Pflegekassen zahlen Pflegegeld jeweils im Voraus am Monatsbeginn. Das bereits überwiesene Geld muss nicht zurückgezahlt werden. Denn Pflegegeld steht im Todesmonat voll zu – unabhängig vom Todesdatum. Oft winkt auch noch eine Nachzahlung. Denn häufig wurden Pflegebedürftige in den letzten Monaten vor ihrem Tod zwar in einer höheren Pflegestufe eingruppiert – die Pflegekasse hat die höheren Ansprüche aber noch nicht berücksichtigt. Tipp: Fragen Sie bei der Pflegekasse nach, ob zuletzt eine neue Begutachtung stattgefunden hat.

Heimentgelt: Die Zahlungspflicht der Pflegekasse ans Pflegeheim endet mit dem Todestag des Versicherten. Danach darf auch den Angehörigen kein Entgelt für das Heim mehr berechnet werden. Klauseln, nach denen der Heimvertrag eines Pflegebedürftigen erst zwei Wochen nach seinem Tod endet, sind rechtswidrig. Das erklärte das Bundesverwaltungsgericht am 2. Juni 2010 (Az.: 8 C 24/09). Denn die Kosten eines kurzen Leerstandes eines Zimmers im Pflegeheim in der Zeit bis zur Wiederbelegung sind im normalen Heimentgelt „eingepreist“.

Rente: Gesetzliche Renten, die der Verstorbene erhalten hat, werden bis zum Ende des Todesmonats gezahlt. Das auf dem Konto des Verstorbenen eingehende Geld geht in die Erbmasse ein bzw. kann zur Deckung entstehender Kosten genutzt werden.

Sterbevierteljahr: In den ersten drei Monaten nach dem Todesfall erhalten selbst sehr gut situierte Witwen oder Witwer – ohne Anrechnung ihres Einkommens – die volle gesetzliche Rente des verstorbenen Partners weiter. Hat der oder die Verstorbene keine Altersrente erhalten, wird ab dem Todestag bis zum Ende des dritten Monats nach dem Tod eine Rente in der Höhe seiner oder ihrer (potenziellen) Erwerbsminderungsrente gezahlt.

Vorschusszahlung: War der Verstorbene bereits Rentenbezieher, dann zahlt die gesetzliche Rentenversicherung die komplette Rente des Sterbevierteljahrs auf Antrag als Vorschuss aus. Dieser „Vorschuss“ kann bei jeder Postfiliale beantragt werden – und zwar innerhalb von 30 Tagen nach dem Todesfall. Falls diese Frist nicht eingehalten wird, ist nichts verloren: Die zustehenden Leistungen werden dann jedoch nicht als Vorschuss, sondern Monat für Monat gezahlt.

Kontenklärung: Hat der Verstorbene noch keine Altersrente bezogen, sollten Hinterbliebene dessen Rentenansprüche genauestens prüfen, denn davon hängt die Höhe möglicher Witwen- und Waisenrenten ab. Zur Kontoklärung sollten sie einen Termin bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der gesetzlichen Rentenversicherung vereinbaren.

Beitragserstattung: Gerade Beamte oder Selbstständige haben mitunter einige Jahre lang Rentenbeiträge gezahlt, kommen jedoch nicht auf die für die gesetzliche Rente erforderlichen fünf Beitragsjahre. Hinterbliebene können dann bei der Deutschen Rentenversicherung eine Erstattung der vom Verstorbenen gezahlten Rentenversicherungsbeiträge beantragen. Dies ist nach Paragraf 210 Absatz 1 Nr. 3 Sozialgesetzbuch VI zumeist möglich.

Arbeitslosengeld (ALG) II / Grundsicherung im Alter: Beim ALG II gibt es eine Erbenhaftung. Erben können grundsätzlich zum Ersatz der Leistungen, die an den Verstorbenen gezahlt wurden, herangezogen werden. Die Haftung bezieht sich allerdings nur auf den Nachlass – und nicht auf das eigene Vermögen der Erben. Bei der Grundsicherung im Alter ist die Erbenhaftung ausdrücklich ausgeschlossen.

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