Aachen - Biallos Ratgeber: Was zu tun ist, wenn ein Angehöriger stirbt

Biallos Ratgeber: Was zu tun ist, wenn ein Angehöriger stirbt

Von: Annette Jäger
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Wenn ein Angehöriger stirbt, kommt eine Welle der Bürokratie auf die Hinterbliebenen zu: Verträge sind zu kündigen, Ansprüche zu sichern – und das alles in vorgegebenen Zeiträumen.

Denn mit dem Tod beginnen Fristen zu laufen. Versäumt man etwas, kann man Geld verlieren oder auch zu viel zahlen. Was ist alles zu beachten?

Sterbeurkunde: Ohne Sterbeurkunde geht gar nichts – sie ist das erste Dokument, das man nach dem Tod benötigt, um das Leben des Verstorbenen abzuwickeln. Die Urkunde beantragt man beim Standesamt gegen Vorlage des Totenscheins, den der Arzt ausstellt, des Personalausweises des Verstorbenen und dessen Geburtsurkunde.

Erbschein: Im zweiten Schritt muss man sich als Erbe legitimieren. Vorher kann man keinen Vertrag kündigen und keine Gelder von der Bank abheben. Dazu kann man einen Erbschein beim Nachlassgericht, das zum Amtsgericht gehört, beantragen. Der Schein kostet je nach Umfang des Erbes Gebühren. Bei 200 000 Euro Erbsumme fallen 453 Euro an. Ein Erbschein ist kein Muss.

Liegt jedoch als Ersatz weder ein notarielles Testament oder eine Vorsorgevollmacht vor, und ist beispielsweise eine Immobilie im Grundbuch auf den Erben umzuschreiben, „kommt man nicht um den Erbschein herum“, sagt Notar Herbert Grziwotz.

Testament: Gibt es ein Testament, muss man es umgehend nach dem Tod des Angehörigen dem Gericht zustellen. Ein notarielles Testament reicht bei Grundbuchamt oder Banken indes als Nachweis aus. Am besten, man legt es in Verbindung mit der Eröffnungsniederschrift des Nachlassgerichts vor. Auch eine Vorsorgevollmacht, die der Verstorbene zu Lebzeiten verfasst hat und die am besten noch den Zusatz trägt „über den Tod hinaus“ reicht in der Regel aus, um die Rechtsgeschäfte zu regeln. „Ein handschriftliches, privates Testament genügt jedoch nicht“, sagt der Notar.

Versicherungspolicen: Bei Policen beginnen mit dem Todeszeitpunkt Fristen zu laufen. Bis 48 Stunden haben Angehörige Zeit, Versicherer zu benachrichtigen, wenn finanzielle Leistungen zu erwarten sind. „Das ist bei Kapital- und Risikolebensversicherungen der Fall, eventuell auch bei einer Unfallpolice“, sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale.

Auch mit anderen Versicherern lohnt es sich, schnell Kontakt aufzunehmen. „Wurden die Beiträge im Voraus für ein ganzes Jahr bezahlt, erstattet der Versicherer zu viel geleistete Beiträge ab Zeitpunkt der Meldung des Todes zurück“, sagt Grieble.

Rente, Verträge und Mitgliedschaften: Mit dem Tod des Angehörigen können für Hinterbliebene Rentenansprüche entstehen. Man hat einen Monat nach dem Tod des Angehörigen Zeit, diese anzumelden. Witwen-, Witwer-, Waisen- oder Erziehungsrenten können in Frage kommen.

Schließlich bleibt noch, einen eventuellen Mietvertrag zu kündigen wie auch Abonnements, Mitgliedschaften in Vereinen, Handyvertrag und die Stromversorgung.

Vorsorge und Finanzen: Wer vorsorgt, kann seinen Angehörigen die bürokratischen Akte nach seinem Tod enorm erleichtern. „Am besten stellt man seine Vermögensverhältnisse klar und richtet einen Ordner ein mit allen wichtigen Unterlagen von Bankpapieren über Versicherungspolicen bis zum Testament“, rät Josephine Holzhäuser, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale. Um zu vermeiden, dass die Hinterbliebenen in finanzielle Engpässe geraten, etwa weil sie nicht so schnell Zugriff auf Bankkonten haben, ist eine Bankvollmacht mit dem Zusatz „über den Tod hinaus“ sinnvoll, rät die Juristin.

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