alemannia logo frei Teaser Freisteller

Biallos Ratgeber: Was tun, wenn der Pflegefall eintritt?

Von: Rolf Winkel
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Pflege von Angehörigen ist anstrengend und wird kaum bezahlt. Umso wichtiger ist es, wenigstens die Leistungen zu nutzen, die die Pflegeversicherung zur Entlastung der Pflegenden bietet.

Wird ein Angehöriger pflegebedürftig, sollte man umgehend mit dessen Pflegeversicherung Kontakt aufnehmen und einen Pflegeantrag stellen. Dann muss innerhalb von zwei Wochen eine Begutachtung und spätestens nach fünf Wochen eine Entscheidung über die Einstufung erfolgen.

Pflegegeld oder Dienstleistung: Die Leistungen der Kasse unterscheiden sich je nach Pflegestufe. Bei Pflegestufe II gibt es beispielsweise pro Monat 440 Euro Pflegegeld zur freien Verfügung. Alternativ dazu können Leistungen eines professionellen Pflegedienstes im Wert von 1100 Euro in Anspruch genommen werden. Wer den „Etat“ für die professionellen Pflegedienstleistungen nicht ausschöpft, kann ergänzend noch anteiliges Pflegegeld erhalten. Beispiel: Bei Pflegestufe II wird nur die Hälfte der möglichen Pflegedienstleistungen beansprucht. Dann muss zusätzlich das halbe Pflegegeld (also 220 Euro) gezahlt werden. Das Pflegegeld darf der Angehörige steuer- und sozialversicherungsfrei erhalten.

Kräfte nicht überschätzen: „Pflege ist hart und äußerst belastend – körperlich und psychisch“, sagt Pflegeberater Markus Siegmann. Er rät: „Von Anfang an sollten pflegende Angehörige der Überlastung vorbeugen“. Sein Tipp: „Man kann zunächst einmal die Dienstleistungen eines Pflegedienstes nutzen und sich von den Profis abschauen, wie man zum Beispiel jemanden im Bett aufrichtet.“ Wenn ein Angehöriger sich später zutraut, die Pflege allein zu bewältigen, kann der Vertrag mit dem Pflegedienst gekündigt werden. Stattdessen kann man dann Pflegegeld in Anspruch nehmen.

Auswahl möglich: Der Pflegedienst bietet mit einem Kostenvoranschlag Dienstleistungen wie Waschen, Zahnpflege oder Hilfen beim An- und Ausziehen an. Was davon in Anspruch genommen wird, kann man sich aussuchen. Tätigkeiten, die Angehörige nicht übernehmen können oder wollen, sollten sie dem Pflegedienst überlassen. Siegmann: „Ein pflegebedürftiger Vater will sich vielleicht nicht von seiner Tochter waschen lassen und der Tochter ist das auch peinlich. Das sollte man dann an einen Pflegedienst abgeben.“

Auszeiten nehmen: „Wer sich als Angehöriger nicht zwischendurch Luft verschafft, hält die Belastung kaum aus“, sagt der Berater. Sinnvoll ist es deshalb, Auszeiten von der Pflege zu nehmen und in dieser Zeit die Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen. Dann kann – bezahlt durch die Pflegekasse – ein Pflegedienst, ein Bekannter oder Verwandter als Ersatz für den pflegenden Angehörigen einspringen. Dafür gibt es bis zu 1550 Euro im Jahr. Die Leistung kann stundenweise (etwa für einen Kinobesuch oder für die wöchentliche Doppelkopfrunde), aber auch für einen bis zu vierwöchigen Urlaub genutzt werden. Zusätzlich kann auch die Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden. Der Pflegebedürftige wird hier allerdings nicht zu Hause, sondern in einer stationären Einrichtung betreut. Diese Leistung kann deshalb auch genutzt werden, um ein Pflegeheim „auszuprobieren“.

Schlaf sichern: Die Betreuung von Pflegebedürftigen raubt dem Betreuenden vielfach den Schlaf. Hier kann eine Nachtpflege helfen. Dabei wird der/die Pflegebedürftige über Nacht in einer teilstationären Einrichtung versorgt. Für die Versorgung nur über den Vor- und Nachmittag gibt es die teilstationäre Tagespflege. Wichtig: Auch wenn der volle Zuschuss der Pflegekasse für die Tages- oder Nachtpflege genutzt wird (in Pflegestufe II sind es 1100 Euro), besteht dazu noch Anspruch auf das halbe Pflegegeld der Pflegeversicherung.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert