Biallos Ratgeber: Risiken versichern, aber welche?

Von: Annette Jäger
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Aachen. Die Nettoeinkommen stagnieren und die monatlichen finanziellen Belastungen deutscher Privathaushalte steigen. Dabei gibt es Einsparpotenzial gerade bei Versicherungspolicen. „Die Deutschen sind mit über 450 Millionen bestehenden Versicherungsverträgen Weltmeister im Versichern”, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten.

90 Prozent davon seien die falschen Policen - und die werden auch noch teuer bezahlt. Deshalb ist Frühjahrsputz im Aktenordner angesagt. Aber: Drei wichtige Policen gehören auf jeden Fall hinein.

Häufigste Fehler: Viele setzen auf die falschen Policen wie Glas-, Handy- oder Rechtsschutzversicherungen. Existenzielle Risiken, wie der Verlust der eigenen Arbeitskraft oder der Tod sind dagegen nicht finanziell abgesichert. „Viele haben 20 Jahre alte Verträge mit völlig veralteten Bedingungen”, sagt Rudnik. Daraus ergeben sich oft gefährliche Deckungslücken. Und: Die vorhandenen Policen sind oft mit viel zu geringen Versicherungssummen ausgestattet, die im Ernstfall nicht die Finanzierungslücke decken können. „Bei knapper Geldbörse nur auf die wichtigsten Policen setzen, diese aber zu Top-Bedingungen”, rät Rudnik.

Dazu zählen: Private Haftpflicht: Fast ein Drittel aller Haushalte hat keine private Haftpflichtversicherung. „Dies ist die einzige Police, bei der die Dichte bei 100 Prozent liegen sollte”, sagt der Versicherungsexperte. Die Police sichert Sach- und Personenschäden ab. Nur den Wenigsten ist das tägliche Risiko bewusst. Die meisten argumentieren, sie würden gut aufpassen. Doch längst nicht alles hat man im Griff. Schäden aus Unachtsamkeit können erhebliche Kosten verursachen - von Schmerzensgeldern bis zu Rentenzahlungen. Der Verursacher haftet mit seinem gesamten Vermögen. Policen gibt es ab rund 60 Euro im Jahr.

Berufsunfähigkeit: Nur jeder vierte Berufstätige hat eine solche Police. Verwunderlich, denn der Verlust der Arbeitskraft und damit des Einkommens bedeutet für die meisten den finanziellen Ruin. „Die Rente bei Berufsunfähigkeit sollte so hoch gewählt sein, dass man seinen Lebensstandard halten kann, also 80 bis 90 Prozent des Nettoeinkommens sollte man absichern”, sagt Sascha Straub, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Bayern. Der optimale Einstieg ist gegen Ende der Schulzeit. Dann sind die Policen noch günstig. Macht der Schüler drei Monate später eine Ausbildung zum Handwerker, kommen 80 bis 100 Prozent Risikozuschlag hinzu.

Risikoleben: Alle, die im Falle des Todes Hinterbliebene versorgen müssen, benötigen diese Police. An erster Stelle stehen Familien. Knackpunkt bei der Police ist eine ausreichend hohe Versicherungssumme. „Das Vierfache des Nettojahreseinkommens ist für eine Familie mit kleinen Kindern ratsam”, sagt Straub. Kostenpunkt: Ab 270 Euro im Jahr für einen 30 Jahre alten Mann.

Beiträge vergleichen: Wer meint, er kann sich eine teure Berufsunfähigkeits-Police nicht leisten, sollte mal rechnen: „Um den Faktor drei unterscheidet sich im Durchschnitt der günstigste vom teuersten Anbieter über die meisten Versicherungssparten hinweg”, sagt Versicherungsberater Rudnik. Man kann eine private Haftpflicht für 60 Euro im Jahr abschließen, aber auch eine für 180 Euro - ohne Mehrwert. Wer Sparpotenziale nutzt, kann sich dann oft auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung leisten.

Richtig vorsorgen: Alle zwei bis drei Jahre gehören die Versicherungspolicen auf den Prüfstand. „Verändern sich die Lebensverhältnisse, muss man früher aktualisieren”, rät Verbraucherschützer Straub. Nur so kann man garantieren, dass man im Ernstfall auch den Schutz hat, den man benötigt.
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