Aachen - Biallos Ratgeber Ratenkredite: Noch gibt es Fallstricke

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Biallos Ratgeber Ratenkredite: Noch gibt es Fallstricke

Von: Max Geissler
Letzte Aktualisierung:
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Wer nicht von den Zinsen erschlagen werden will, sollte zwischen den einzelnen Banken vergleichen.
Foto: Stock/Blickwinkel

Aachen. Seit Juni gilt die neue Kreditrichtlinie. Seither dürfen Banken nicht mehr mit Phantasiezinsen auf Kundenfang gehen und Kreditnehmer können ihr Darlehen jederzeit zurückzahlen. Der Effektivzins soll alle Kosten eines Ratenkredits beinhalten. Doch das gilt nicht in jedem Fall.

So müssen die Prämien für die Restschuldpolice nicht zwingend im Effektivzins auftauchen und die Gebühren bei vorzeitiger Kündigung finden sich zumeist im Kleingedruckten. Auf welche Fallstricke sollten Kreditnehmer bei der Wahl eines Ratenkredits achten?

Zinsspanne: Die Zinsen für Ratenkredite gehen weit auseinander: Günstige Banken wie Noris- oder Ikano Bank berechnen für einen 5000-Euro-Kredit mit 36 Monaten Laufzeit 4,9 beziehungsweise 4,99 Prozent Effektivzins. Die Sparkassen Berlin und Leipzig verlangen dagegen 11,6 beziehungsweise 11,9 Prozent. Der mehr als doppelt so hohe Zins verursacht Mehrkosten von über 500 Euro. Ein gründlicher Zinsvergleich ist also dringend geboten.

Bearbeitungsgebühren: Zweiter Kostentreiber sind Bearbeitungsgebühren, die auch die neue Kreditrichtlinie nicht ausschließt. Banken berechnen häufig ein bis drei Prozent für die Krediteinrichtung. Das gilt nicht nur für Filialbanken, auch mancher Onlinekredit kostet: So stellen Audi Bank direct 3,0 Prozent, Santander Consumer Bank und Credit-Discount sogar je 3,50 Prozent in Rechnung. Bei 60 Monaten Laufzeit und 7,49 Prozent Effektivzins verteuert dies die Monatsrate um sieben Euro. Über die Jahre entstehen Mehrkosten von 420 Euro, sofern die Kreditgebühr nicht separat bezahlt, sondern mitfinanziert wird. Nachteil: Bei vorzeitiger Kredittilgung behalten fast alle Banken die Bearbeitungsgebühr ein. Gebührenfreie Kredite bieten Norisbank, BB Bank, Comdirect, ING-Diba, Ikano-Bank und viele PSD Banken.

Vorfälligkeitsentschädigung: Nach der neuen Kreditrichtlinie sind Ratendarlehen jederzeit ganz oder teilweise rückzahlbar. Verbraucherschützer sind dennoch nicht begeistert: „Die Neuregelung verschlechtert die Position des Verbrauchers”, kritisiert Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV). Denn Banken dürfen bei vorzeitiger Rückzahlung jetzt eine Entschädigung verlangen. Die Strafgebühr ist auf ein Prozent des vorzeitig zurückgezahlten Betrages begrenzt.

Bei einer Restlaufzeit des Darlehens von weniger als einem Jahr fallen 0,5 Prozent an. „Der Mehrwert durch die frühe Kündigungsmöglichkeit ist zu gering, um die Vorfälligkeitsentschädigung generell zu rechtfertigen”, kritisiert Billen. Berechnet eine Bank ein Prozent Ausfallentschädigung, fallen bei einem Restdarlehen von 6500 Euro 65 Euro Gebühr an. Nach altem Recht konnte man nach Ablauf von sechs Monaten den Kredit mit einer Frist von drei Monaten ohne Kosten kündigen. Positiv: Einige Banken verzichten weiterhin auf die Vorfälligkeitsentschädigung, zum Beispiel Deutsche Bank, DKB Bank oder Sparda Bank München.

Restschuldversicherung: Fast alle Banken weisen ihre Kunden auf Absicherungsmöglichkeiten gegen Zahlungsausfall hin. Die Restschuldversicherung übernimmt ausstehende Kreditraten bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Tod. Die Kosten dafür sind happig, weswegen Banken diese gern verschweigen. Rechtlich ist das nicht zu beanstanden, denn nach der neuen Kreditrichtlinie sind die Prämien nicht im Effektivzins anzugeben, wenn das Darlehen ohne Versicherungsschutz zu gleichen Konditionen zu haben ist. Thomas Bieler von der ING-Diba kritisiert: „Restschuldpolicen können die Kreditkosten verdoppeln.”

So verteuern sich beispielsweise fünfjährige Ratenkredite mit Versicherungsschutz von 6,7 auf 13,17 Prozent Effektivzins. Dabei ist der Nutzen durchaus fragwürdig, denn bei Arbeitslosigkeit zahlt die Police häufig erst nach mehrwöchiger Karenzzeit und auch nur zwölf oder 18 Monate lang. Bei Kleinkrediten lohnt die Versicherung kaum. Die ING-Diba bietet diese Police daher gar nicht mehr an.
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