Biallos Ratgeber Pflege: Im Ernstfall muss man schnell handeln können

Von: Annette Jäger
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Aachen. Manchmal geht es ganz schnell: Ein Beinbruch, ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt und ein älterer Mensch kann sich von heute auf morgen nicht mehr alleine versorgen. Dann muss man schnell praktische Hilfe organisieren und finanzieren.

Die wichtigsten Möglichkeiten im Überblick:

Pflegeberater: „Seit diesem Jahr haben Versicherte einen Rechtsanspruch, sich über ihre Pflegekasse von einem Pflegeberater kostenlos beraten und betreuen zu lassen”, sagt Heike Nordmann, Expertin für Wohnformen im Alter bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dieser soll bei der Organisation, Finanzierung und Abwicklung von Hilfsleistungen beraten. Neben Leistungen aus der Pflegekasse geht es auch um professionelle und ehrenamtliche Hilfsmöglichkeiten vor Ort.

Pflegehilfe: Die meisten Pflegebedürftigen möchten so lange wie möglich zuhause leben. Praktische Unterstützung erhält man von ambulanten Pflegediensten. Zuschüsse gibt es von der Pflegekasse je nach Pflegestufe I, II oder III in Höhe von 420 Euro, 980 Euro bzw. 1470 Euro im Monat. Übernehmen Angehörige die Pflege, erhalten sie ein monatliches Pflegegeld von 215 Euro, 420 Euro beziehungsweise 675 Euro. Zunehmend werden auch Haushaltshilfen aus Osteuropa engagiert.

Um ein solches Beschäftigungsverhältnis legal zu gestalten, muss der Weg über die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit führen. Dann kann man ebenso Pflegegeld erhalten. Ist man noch kein Pflegefall und benötigt Unterstützung, muss man dafür selbst aufkommen. Haushaltshilfen kann man über Wohlfahrtsverbände oder Nachbarschaftshilfen finden. 20 Prozent der Kosten kann man von der Steuer absetzen, maximal 4000 Euro pro Jahr.

WG für Pflegebedürftige: Wohngemeinschaften als Alternativen zum Leben im Heim boomen, vor allem für Demenzkranke. Auch hierfür gibt es Mittel aus der Pflegekasse. Menschen mit Demenz können zusätzlich ein Betreuungsgeld von 1200 Euro bis maximal 2400 Euro im Jahr erhalten, unabhängig von einer Pflegestufe und der Art der Unterbringung.

Senioren-WG: Seit neuestem bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über einen Wettbewerb Anreize zur Gründungen von Senioren-WGs. Beim Kauf oder Bau eines Gebäudes zur Gründung einer WG, in der man selbst lebt, kann man grundsätzlich immer von einem zinsgünstigen KfW-Wohnungseigentumskredit (zwischen 3,90 Prozent und 4,95 Prozent Effektivzins) profitieren. Zusätzlich gibt es einen Tilgungszuschuss von 30000 Euro zu gewinnen. Anträge können bis 31.Mai über die jeweilige Hausbank gestellt werden.

Umbau: „Viele Ältere denken daran, wie sie ihre Immobilie energetisch sinnvoll umrüsten können. An die Barrierefreiheit der eigenen Wohnung denken sie aber nicht”, so Heike Nordmann. Einige Kommunen vergeben Fördergelder für solche Maßnahmen. Nachfragen lohnt sich bei den örtlichen Wohnungsämtern, rät die Expertin. Ist man erst mal ein Pflegefall, gewährt die Pflegekasse maximal 2.557 Euro Zuschuss pro Umbaumaßnahme.

Finanzielle Vorsorge: Als ein Standpfeiler bei der finanziellen Vorsorge für den Ernstfall werden oft Seniorenunfallversicherungen angepriesen. Sie sind meist verknüpft mit Assistanceleistungen, bei denen der Versicherer im Ernstfall Hilfeleistungen im Haushalt organisiert und bestenfalls auch bezahlt. „Das kann sinnvoll sein, wenn man alleine lebt”, sagt Stefan Albers, Präsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater. Er sieht solche Policen ansonsten kritisch: „Sie sind teuer und wenn man wegen Krankheit Hilfe benötigt, leistet die Police nicht.” Eine Pflegetagegeldversicherung sei sinnvoller. Aber nur, wenn man sie spätestens bis zum 40. Lebensjahr abschließt. Dann kosten Policen ab 18 Euro für einen Mann beziehungsweise 25 Euro für eine Frau im Monat.
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