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Biallos Ratgeber: Partner betreuen nicht automatisch

Von: Annette Jäger
Letzte Aktualisierung:

Aachen. „Wenn ich meine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann, übernimmt das mein Ehegatte oder mein Kind“ – mit dieser Meinung liegt man leider falsch. „Weder Eheleute noch Kinder haben ein automatisches Vertretungsrecht“, sagt Notar Herbert Grziwotz.

 Ist man nicht mehr in vollem Besitz seiner geistigen Kräfte, setzt das Gericht einen gesetzlichen Betreuer ein – das ist in jedem dritten Fall ein fremder Berufsbetreuer. Wer hier mit entscheiden möchte, sollte vorsorgen. Betreuungsverfügung heißt das Stichwort. Das Thema ist brisant: Weil es zunehmend alleinstehende Menschen gibt und Demenzerkrankungen auf dem Vormarsch sind, nimmt die gesetzliche Betreuung immer mehr zu.

Was ist eine Betreuung? Ein Betreuer fungiert als gesetzlicher Vertreter für den Betreuten und handelt dort, wo der Betreute seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann. Das kann bei Gesundheitsfragen sein (etwa die Einwilligung in eine notwendige Operation), bei der Aufenthaltsbestimmung (die Einweisung in ein Pflegeheim) oder bei Vermögensfragen. „Der Betreuer ist an die Interessen und Wünsche des Betreuten gebunden“, sagt Heike Nordmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das Gericht ist Kontrollinstanz: Einmal im Jahr muss der Betreuer eine Vermögensaufstellung einreichen. Aber während des Jahres kann er über das Geld des Betreuten ohne Kon-trolle verfügen.

Wer kann Betreuer werden? „In der Regel wird ein naher Angehöriger der Betreuer“, sagt Nordmann. Findet sich niemand, kommt ein fremder, ehrenamtlicher Betreuer in Frage. Viele Wohlfahrtsverbände betreiben Betreuungsvereine, die beraten, aber auch Betreuer stellen. Daneben gibt es professionelle Betreuer. Das sind häufig Rechtsanwälte, die eingesetzt werden, wenn die Betreuung komplex ist, beispielsweise ein großes Vermögen zu verwalten ist. Eine Betreuung kostet Geld. Ehrenamtliche erhalten meist eine Pauschale von 323 Euro im Jahr. Bei einer professionellen Betreuung fallen Stundenlöhne zwischen 27 und 44 Euro an. Die Stundenzahl, die ein Betreuer im Monat tätig werden darf, ist genau festgelegt. Maximal sind es 374 Euro im Monat in den ersten drei Monaten einer Betreuung, wenn der Betreute zuhause lebt. Je länger eine Betreuung dauert, desto günstiger wird es. Hinzu kommen die Gerichtskosten. Bei mittellosen Betreuten übernimmt die Staatskasse die Kosten.

Wie kann man vorsorgen? „In einer Betreuungsverfügung kann man formlos festlegen, wer im Ernstfall die Betreuung übernehmen soll – oder, wer keinesfalls Betreuer werden soll“, sagt Nordmann. Man kann auch festlegen, in welches Heim man ziehen möchte, welcher Arzt zu konsultieren ist oder wie das Vermögen zu verwalten ist. Die Verfügung ist vor allem dann wichtig, wenn man eine Person als Betreuer wünscht, die nicht zu den nahen Angehörigen zählt, wie einen Freund oder einen Neffen. Auch für nichtverheiratete Paare ist eine Verfügung wichtig. „Denn hier setzt das Gericht oft nicht den Partner als Betreuer ein“, sagt Notar Grziwotz.

Was ist der Unterscheid zur Vorsorgevollmacht? „Das Betreuungsverfahren kostet Geld und wird oft als starke Einschränkung der Familie empfunden“, sagt Grziwotz. Der Betreuer spricht bei allen Entscheidungen mit. Umgekehrt kann das Sicherheitsnetz der gerichtlichen Kontrolle wünschenswert sein. Mit einer Vorsorgevollmacht kann man eine Betreuung und die anfallenden Kosten umgehen. Wer eine Person des Vertrauens zum Bevollmächtigten macht, legt dieser Person auch die Sorge für Gesundheit, Vermögen und Aufenthalt in die Hände. Eine solche Person kann frei schalten und walten. Wer niemanden hat, dem er voll vertrauen kann, der sollte lieber auf eine Betreuungsverfügung setzen.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers

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