Biallos Ratgeber: Gemeinsam selbst anpacken

Von: Sabine Fischer
Letzte Aktualisierung:
Selber anpacken: Selbsthilfegr
Selber anpacken: Selbsthilfegruppen tun das. Foto: Blickwinkel

Aachen. Wer die Diagnose einer schweren Erkrankung erhält, fühlt sich Krankheit und Ärzten oft hilflos ausgeliefert. Eine Selbsthilfegruppe kann einem das Gefühl geben, mit seinem Schicksal nicht allein zu sein und es ein Stück weit selbst in die Hand zu nehmen.

Aber nicht nur bei Krankheiten bietet sich die Selbsthilfe an. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland zwischen 70.000 und 100.000 Gruppen zu fast jedem gesundheitlichen und sozialen Themenbereich. Diese Zahlen hat die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (Nakos) ermittelt.

Was leistet eine Selbsthilfegruppe?

In einer Selbsthilfegruppe finden sich Menschen wohnortnah zusammen, um gemeinsam Krankheit, Behinderung, psychische oder soziale Probleme zu bewältigen. „Aber nicht nur aus Problemlagen heraus entstehen Gruppen, sondern auch um ein gemeinsames Ziel zu erreichen”, sagt Wolfgang Thiel, stellvertretender Geschäftsführer der Nakos. So nennt er eine Gruppe von Über-40-Jährigen, die sich zusammengetan hat, um gemeinsam durch die Führerscheinprüfung zu kommen.

Oft wirken Selbsthilfegruppen auch vorbeugend. Eine Alternative zu einer medizinischen Behandlung kann die Gruppe aber nicht sein, sagt Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung - „aber sie kann eine medizinische Behandlung sinnvoll ergänzen”. Besonders bei seelisch belastenden chronischen und unheilbaren Erkrankungen kann dies der Fall sein. Gruppen kommen ohne professionelle Leitung aus, alle Teilnehmer sind gleichberechtigt. „Die Aktivitäten umfassen das regelmäßige offene Gespräch, die wechselseitige Hilfe und die Weitergabe von Erfahrungen”, sagt Professor Norbert Wohlfahrt von der Evangelischen Fachhochschule Bochum. Dort gibt es einen Forschungsschwerpunkt. Die Treffen finden zumeist wöchentlich statt, manche Gruppen laden dazu auch Experten und machen Öffentlichkeitsarbeit.

Welche Gruppen gibt es?

Es gibt Gruppen für Betroffene und Angehörige. Das Themenspek-trum ist breit gefächert wie die Gesellschaft. Trauerbewältigung, Krebs, der Alltag von Alleinerziehenden, Fragen zur Hochbegabung, Stottern, Essstörungen und vieles mehr, führt Menschen in Selbsthilfegruppen zusammen. „Besonders nachgefragt sind gegenwärtig die Themen seltener und psychischer Erkrankungen. Auch Themen der sozialen Selbsthilfe wie Mobbing und seine Folgen haben auf Grund der verschärften Konkurrenz in der Wirtschaft Konjunktur”, sagt Professor Norbert Wohlfahrt.

Wie finde ich eine Gruppe?

Wer eine Selbsthilfegruppe vor Ort sucht, wendet sich am besten an eine lokale Selbsthilfekontaktstelle. Die professionellen themenübergreifenden Beratungseinrichtungen informieren und stellen Kontakt zur Gruppe her. Die Nakos bietet auf ihrer Internetseite www.nakos.de eine bundesweite Datenbank über die Anlaufstellen in der Nähe. Wer über keinen Internetanschluss verfügt, kann sich telefonisch an die Nakos wenden
Tel. 030-31018960, Sprechzeiten: Di. 9 - 13 Uhr, Mi. 9 - 12 Uhr, Do. 14 - 17 Uhr, Fr. 10 - 13 Uhr)

Wie gründe ich eine Gruppe?

Gibt es zum eigenen Thema keine Gruppe vor Ort, kann man selbst eine gründen. Mitstreiter findet man über eine Zeitungsannonce, durch Aushänge in Arztpraxen und Apotheken, über Sozialarbeiter oder den Bekanntenkreis. Über geeignete Gruppenräume verfügen Volkshochschulen, Wohlfahrtsverbände, Gemeinden oder Krankenkassen. Sofern dafür Kosten anfallen, können sie durch eine regelmäßige Umlage der Mitglieder bezahlt werden. Gruppen, die höhere Geldsummen benötigen - etwa um Referenten einzuladen, für Fortbildungen oder zur Öffentlichkeitsarbeit -, können Spenden sammeln oder Fördermittel beantragen. Die Krankenkassen sind seit 2008 zur finanziellen Förderung der Selbsthilfe verpflichtet. Anlaufstellen sind auch Sozial-, Gesundheits-, Bürgermeisteramt oder Wohlfahrtsverbände. Damit Spenden steuerlich absetzbar sind, muss die Gruppe ein gemeinnütziger Verein sein.
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