Aachen - Biallos Ratgeber Erben: Das Haus kann schnell zur Steuerfalle werden

AN App

Biallos Ratgeber Erben: Das Haus kann schnell zur Steuerfalle werden

Von: Horst Biallo und Fritz Himmel
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Künftige Erblasser und Erben von Immobilien müssen sich an ein neues Steuer-Einmaleins gewöhnen. Seit 2009 werden Immobilien vom Finanzamt mit ihrem tatsächlichen Wert zur Erbschaft- und Schenkungsteuer herangezogen und somit deutlich stärker besteuert.

Im Gegenzug gibt es Entlastungen durch höhere Freibeträge vor allem für die „Kernfamilie”: Ehegatten und eingetragene Lebenspartner haben nun einen Freibetrag von 500.000 Euro, Kinder von 400.000 Euro und Enkel von 200.000 Euro. Geschwister erhalten dagegen nur 20.000 Euro.

Familienheim: Liegt der Wert einer geschenkten oder vererbten Immobilie über dem jeweiligen Freibetrag, so ist die darüber liegende Summe entsprechend zu versteuern. Für enge Familienangehörige gibt es hier jedoch wichtige Sonderregelungen.

War bisher die Übertragung des Eigenheims (neuer Begriff: „Familienheim”) zu Lebzeiten nur unter Ehegatten steuerfrei möglich, so gilt dies nun auch für eingetragene Lebenspartner. Das Eigenheim muss zum Zeitpunkt der Schenkung vom Schenker jedoch selbst bewohnt sein. Der Beschenkte darf die Immobilie dann allerdings für ihn steuerunschädlich sofort weitergeben.

Steuerfreiheit: Ganz neu ist, dass jetzt ebenfalls das vererbte Eigenheim steuerfrei bleibt, wenn es an Ehe-, gleichgeschlechtliche Lebenspartner, Kinder oder Enkel verstorbener Eltern geht. Bedingung: Der Neubesitzer muss anschließend mindestens zehn Jahre darin wohnen. „Die Immobilie darf in dieser Zeit weder verpachtet, noch vermietet oder allein als Zweitwohnsitz genutzt werden, falls das Erbe steuerfrei bleiben soll”, sagt Agnes Fischl, Fachanwältin für Erbrecht und Steuerberaterin aus München.

Ausnahme: Der Erbe wird zum Pflegefall, muss in ein Heim oder stirbt. Auf den Wert der Immobilie kommt es dabei nicht an, selbst Villen in Bestlage bleiben somit vom Finanzamt unangetastet. Für Kinder und Enkel gilt jedoch zusätzlich die Einschränkung, dass eine Wohnfläche von 200 Quadratmetern nicht überschritten werden darf. Der darüber liegende Flächenteil ist - unter Berücksichtung der Freibeträge - zu versteuern.

Größenberechnung: Krach mit dem Finanzamt wegen der „Größenberechnung” ist bereits vorhersehbar. Balkon, Terrasse, Treppenhaus - was zählt wie viel? „Kommen dann die Finanzbeamten in jedes Haus mit dem Zollstock?”, rätselt Klaus Michael Groll, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht. Die Situation ist insoweit noch unklar.

Zehn-Jahres-Regel: Vor allem bei Kindern wirkt diese neue Zehn-Jahres-Regelung realitätsfremd, da sie nicht zur heute im Berufsleben geforderten Flexibilität und Mobilität passt. Beispiel: Der Sohn erbt steuerfrei das Haus der Mutter und zieht dort ein. Nach fünf Jahren muss er berufsbedingt umziehen, weil sein Arbeitgeber den Unternehmenssitz verlagert. Hier heißt es dann „Pech gehabt”, denn nun fordert der Fiskus die volle Erbschaftsteuer nach.

Die einzige Erleichterung, die noch bleibt: Der Gesetzgeber will nicht, dass die Nachkommen das gerade geerbte Domizil verkaufen müssen, nur um die Forderungen des Finanzamts bezahlen zu können. „Deshalb gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf eine zinslose Stundung der angefallenen Erbschaftsteuer”, sagt Anwältin Fischl.

Voller Verkehrswert: Dramatische Folgen könnte oft auch die Ansetzung des vollen Verkehrswerts der Immobilien haben. Dieser wird vom Finanzamt nach einem pauschalen Berechnungsverfahren ermittelt. „Aufgrund der pauschalen Regelungen dürfte es jedoch häufig vorkommen, dass vielerorts wertmindernde Faktoren nicht berücksichtigt werden”, sagt Erbrechtsexpertin Fischl.

Der von der Finanzbehörde angesetzte Verkehrswert ist dann zu hoch. Folge: Der Betroffene zahlt eine zu hohe Steuer. Steuerpflichtige sollten sich deshalb nicht zwangsläufig mit den Bewertungen des Finanzamtes zufrieden geben und den Verkehrswert von einem Sachverständigen für Immobilienbewertung überprüfen lassen. Kann somit ein niedrigerer Wert nachgewiesen werden, lassen sich völlig legal Steuern sparen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert