Berlin/München - Beziehungen schaden nie: Netzwerken hilft gerade in Krisenzeiten

Beziehungen schaden nie: Netzwerken hilft gerade in Krisenzeiten

Von: Verena Wolff, dpa
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Kontakt halten und sich austauschen hilft - gerade wenn der Wind am Arbeitsplatz von vorn bläst, können Arbeitnehmer von Netzwerken profitieren. Foto: dpa

Berlin/München. In Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs ist die Jobsuche kein Kinderspiel - auch für Bewerber mit guten Referenzen. Doch es gibt einen Weg, der die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert: das Netzwerken, in Deutschland oft noch etwas herablassend „Vitamin B” genannt.

Denn besonders in Krisenzeiten bewahrheitet sich eine alte Weisheit: Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat. „Gerade in schwierigen Zeiten, wenn Unternehmen sich mit Neueinstellungen zurückhalten, sind Beziehungen besonders wichtig”, sagt Doris Brenner, Personalberaterin in Rödermark (Hessen).

„Unternehmen wollen kein Risiko eingehen und greifen daher am liebsten auf Bewerber zurück, die sie selbst kennen oder die ihnen empfohlen werden”, sagt Brenner. Das bestätigt auch Katharina Krebs, Human Ressources Managerin bei der Accor-Hotelgruppe in München: „Kontakte helfen, von Vakanzen zu erfahren, bevor sie bekannt werden.” Einige Unternehmen rekrutierten nur noch über Netzwerke. „Zudem kann man sich über Netzwerke erkundigen, wie gut oder schlecht es in einer Firma aussieht, bevor man sich entschließt, dort zu unterschreiben.”

Auch Mentoring-Netzwerke sind ein gutes Instrument, Kontakte zu knüpfen und sich ins Gespräch zu bringen: „Die Menschen, die sich im Rahmen eines Mentoring-Programms kennenlernen, schätzen sich wechselseitig als karriereorientiert und engagiert ein”, sagt Christine Kurmeyer. Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Berliner Charité ist Vorsitzende des Vereins Forum Mentoring. Daher sei die Bereitschaft, sich gegenseitig aktiv zu fördern, sehr hoch. Mentees, aber auch Mentorinnen und Mentoren werden dann, wenn sie jobsuchend sind, auf Stellenangebote aufmerksam gemacht. „Oder ihr Name wird anderweitig ins Spiel gebracht.”

Beim Netzwerken gehe es immer ums Thema Vertrauen, betont Brenner: „Eine Empfehlung ist ein Vertrauensvorschuss, den der Empfehlende für eine Person gibt.” Diese informellen Wege seien ein großer Vorteil im Vergleich zu einer reinen Arbeitsvermittlung über die Arbeitsagenturen oder die Medien, erläutert Kurmeyer. „Qualifikationen der Beteiligten sind dann schon in einem weiteren Kreis von potenziellen Arbeitgebern bekannt - diese Form von Empfehlung hilft sehr direkt schon über die erste Hürde zur Einladung zu einem Vorstellungsgespräch.”

Die Netzwerke können dabei gar nicht groß genug sein: „Je mehr Leute man kennt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aus dem Netzwerk von einer offenen Position weiß und man davon profitieren kann”, sagt Brenner. Das bestätigt auch Katharina Krebs: „Man landet eher bei Headhuntern in der Kartei, wird für Vakanzen schneller angesprochen”. Davon abgesehen helfe das Netzwerk aber nicht immer, „zumal es in manchen Netzwerken nicht erwünscht ist, dass Stellengesuche veröffentlicht werden”.

Berufseinsteiger haben einen schwereren Stand - denn sie haben noch kein allzu großes professionelles Netzwerk. „Einsteiger haben wenig Chancen, wenn sie nicht sofort anfangen, ein Netzwerk aufzubauen”, sagt Kurmeyer. Am besten sei dies schon in Ausbildung oder Studium, spätestens sollte es aber beim Start in die Karriere passieren. „Das geht auch über Berufsverbände oder andere Organisationen wie Gewerkschaften, Parteien oder andere Institutionen.”

Komplett allein stehen Anfänger aber nicht da: „Berufseinsteiger haben in der Regel auch ein Netzwerk, es ist ihnen meistens nur nicht bewusst”, erklärt Doris Brenner. „Familie, Freunde, Nachbarn, Studienkollegen, deren Eltern, Kontakte aus dem Freizeitbereich können auch im Hinblick auf die Jobsuche wichtige Kontakte sein.” Vielleicht sei der Vater eines Freundes genau in der Branche, in die man möchte. „Auch über Praktika haben viele schon eigene Kontakte in die Berufswelt geknüpft.” Wichtig sei, diese Kontakte nicht einschlafen zu lassen, sondern zu pflegen.

Hilfreich sei außerdem, die Suche zu kommunizieren. „Man sollte möglichst breit streuen, dass man sich beruflich orientiert.” Das könne auf Fachmessen, Vorträgen, in Berufsverbänden, bei Tagungen passieren. „Es ist immer besser über einen fachlichen Aufhänger, ein inhaltliches Thema, ins Gespräch zu kommen, als nur zu sagen, dass man einen Job sucht”, empfiehlt Brenner. Wichtige Informationen seien zum Beispiel örtliche Flexibilität, gesuchte Jobinhalte und ein aussagekräftiger Lebenslauf, den man bei Bedarf schnell schicken kann, sagt Krebs. „Dann sollte man ganz gezielt über die Netzwerke Personen im Dunstkreis des gewünschten Arbeitgebers ansprechen.”

Männer haben beim Netzwerken erfahrungsgemäß mehr Aktien im Spiel als Frauen, sagt Doris Brenner. Frauen sollten sich darum stärker bewusst werden, wie wichtig Netzwerke und Kontakte sind. Mentoring-Programme sind nach Kurmeyers Worten mehr die individuelle Rückenstärkung und die Kleingruppe, in der gelernt und ausprobiert wird, wie effektives Netzwerken funktioniert.
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