Berlin/Frankfurt/Main - Beton-Gold eingefroren: Anleger sollten aktuelle Debatte abwarten

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Beton-Gold eingefroren: Anleger sollten aktuelle Debatte abwarten

Von: Sebastian Knoppik, dpa
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Beton-Gold eingefroren - Anleger sollten aktuelle Debatte abwarte
Immobilien als Investment - bei Offenen Immobilienfonds soll es nun einschneidende Änderungen geben. Foto: dpa

Berlin/Frankfurt/Main. Sie galten lange Jahre als sichere Sache für Kleinanleger: Offene Immobilienfonds haben Investoren in den vergangenen Jahrzehnten stabile Renditen bei geringem Risiko beschert. Doch vor einiger Zeit hat das Image einen Kratzer bekommen. In den vergangenen Monaten mussten Fonds immer wieder wieder die Rücknahme von Anteilen aussetzen.

Fondsbesitzer bekamen ihr Geld nicht. Das Bundesfinanzministerium will die Rahmenbedingungen für Offene Immobilienfonds nun ändern. Kritiker sagen: Dadurch würde ein Fonds einen ganz anderen Charakter bekommen.

Besonders umstritten ist der Vorstoß, die Bewertung der in den Offenen Immobilienfonds enthaltenen Immobilien künftig pauschal um zehn Prozent kürzen zu wollen. „Der Abschlag bei der Immobilienbewertung würde dazu führen, dass jeder Investor letztlich zehn Prozent seines Vermögens verliert. Dass das jeden Anleger nervös macht, ist nachvollziehbar”, sagt Barbara Knoflach, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) in Frankfurt.

Tatsächlich sind seit Bekanntwerden der Vorschläge laut BVI mehr als 500 Millionen Euro aus den Fonds abgezogen wurden. Und nicht nur das Vorhaben eines gesetzlich verordneten Bewertungsabschlags sorgt für Kritik. Auch gegen die geplante Einführung von Mindesthaltefristen und Kündigungsfristen für Anleger sowie die Abkehr von der täglichen Verfügbarkeit wendet sich die Branche: „Damit würde das Produkt auf den Kopf gestellt werden. Denn schließlich ist die tägliche Verfügbarkeit des Kapitals bislang ein bei den Anlegern beliebtes und für Sparpläne nötiges Charakteristikum von Offenen Immobilienfonds.”

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble plant unter anderem, eine zweijährige Mindesthaltefrist sowie eine Kündigungsfrist, die von der Fondsgesellschaft zwischen 6 und 24 Monaten angesetzt werden kann. Damit soll betont werden, dass Offene Immobilienfonds ein Produkt zur langfristigen Anlage sind. Die Branche hat ein Jahr Mindesthaltefrist vorgeschlagen. Und sie kritisiert noch weitere Punkte des Ministeriumsplans - ebenso wie Anlegerschützer.

Der Abschlag sei eine Reaktion auf die tatsächlich oft zu optimistischen Bewertungen der in den Fonds enthaltenen Immobilien, sagt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. „Der pauschale Abschlag wird der Situation der Fonds aber nicht gerecht.” Und die Anleger würden davon keinesfalls profitieren: „Das führt die Rendite gegen null.”

Offene Immobilienfonds wurden Privatanlegern in der Vergangenheit vor allem zur sicheren Anlage ihres Kapitals empfohlen. Weil die Wertentwicklung recht wenig schwankt, schichten viele Investoren ihr in Aktienfonds angelegtes Geld vor Ende der Sparphase in offene Immobilienfonds um - etwa einige Jahre vor dem Eintritt in den Ruhestand. Auch als Sparplan mit meist monatlicher Rate sind die Fonds beliebt. Dabei konnten sich die Anleger in der Vergangenheit langfristig trotz der Sicherheit über ansehnliche Renditen freuen: In den vergangenen 20 Jahren lag sie laut BVI bei durchschnittlich 5,1 Prozent.

In den vergangenen Monaten konnten Offene Immobilienfonds die Erwartungen der Anleger allerdings nicht erfüllen. Zum 30. April 2010 lagen die Zuwächse auf Jahressicht bei mageren 1,8 Prozent. Einzelne Fonds rutschten sogar ins Minus, teilweise zweistellig. Mehrere Anbieter mussten die Anteilsrücknahme aussetzen - Anleger können also zeitweise ihre Anteile nicht zurückgeben. Trotzdem sollten Investoren jetzt nicht in Panik verfallen.

So lautet das Fazit von Sonja Knorr, Expertin des Analysehauses Scope in Berlin. „Anleger, die derzeit schon investiert sind, sollten nicht allein wegen der derzeit geplanten Gesetzesänderungen aussteigen.” Grundsätzlich ist es zwar möglich, auch bei geschlossenen Fonds seine Anteile über die Börse loszuwerden.

„Wenn man das Geld nicht unbedingt braucht, sollte man abwarten”, sagt aber auch Gottschalk. Ob die Vorschläge aus dem Finanzministerium tatsächlich Gesetz werden, ist offen - bislang handelt es sich nur um einen Entwurf. Experten empfehlen Anlegern, zunächst die weitere Entwicklung abzuwarten. Aber auch nicht zusätzlich investieren, empfiehlt Gottschalk.

Denn trotz der derzeitigen Schwäche und der unklaren Gesetzeslage sind sich Experten einig, dass Offene Immobilienfonds grundsätzlich eine gute Form der Anlage sind. „Es gibt kein Produkt, das den Anlegern über einen so langen Zeitraum so ruhige Nächte gebracht hat”, wirbt Knoflach. Und auch Analystin Knorr ist überzeugt davon, dass die Immobilienfonds nach wie vor ihre Berechtigung haben. Sie mahnt aber eine Anpassung an die geänderten Marktbedingungen an.
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