Frankfurt/Main/Rödermark - Berufsstart: Anfänger sollten sich in Zurückhaltung üben

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Berufsstart: Anfänger sollten sich in Zurückhaltung üben

Von: Maria Hilt, ddp
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Frankfurt/Main/Rödermark. Eine gute Ausbildung ist längst kein Jobgarant mehr. Umso begeisterter sind Berufsanfänger, wenn sie nach Jahren des Büffelns schließlich eine gute Einstiegsposition ergattern.

Hochmotiviert stürzen sich die Neulinge auf ihre Aufgaben, schieben Überstunden und präsentieren bei jeder Gelegenheit ihr frisch erworbenes Fachwissen. „Viele Berufsanfänger versuchen im ersten Job vor allem, sich zu profilieren - und zerschlagen dabei eine Menge Porzellan”, sagt Doris Brenner, Karriereberaterin aus Rödermark im Rhein-Main-Gebiet.

Jobeinsteiger konzentrierten sich viel zu sehr auf die fachlichen Aspekte ihres Berufs, ist Brenners Erfahrung. „Dabei berücksichtigen sie oft die Kultur des Unternehmens nicht, stimmen sich nicht mit ihrem Team ab oder stoßen ihre neuen Kollegen mit vorschnellen Verbesserungsvorschlägen vor den Kopf”, berichtet die Expertin.

Doch gute Noten und Expertenwissen alleine reichen nicht, um in der Arbeitswelt gut anzukommen: „Die persönliche Einschätzung durch Chef und Kollegen ist für das Bestehen der Probezeit enorm wichtig”, betont Brenner.

Um sich vor lauter Eifer nicht gleich ins Aus zu katapultieren, empfiehlt die Karriereberaterin Anfängern, sich erst einmal vorsichtig vorzutasten. „Natürlich sollte man auf die Leute zugehen, seine Mithilfe anbieten, Fragen stellen und sein Engagement beweisen”, sagt Brenner. Aber beispielsweise eigene Einschätzungen sollte man vorerst für sich behalten. „Erst wenn man die Arbeitsabläufe kennengelernt hat, kann man beurteilen, ob die Verbesserungsideen tatsächlich passend sind.”

Auch Sabine Engelhardt, Business-Coach aus Frankfurt am Main, empfiehlt Berufsanfängern für die erste Zeit eine eher zurückhaltende Herangehensweise und eine gute Beobachtungsgabe. „Nach und nach findet man heraus, welche ungeschriebenen Regeln im Unternehmen herrschen, welche Netzwerke bestehen, wie Entscheidungswege verlaufen”, sagt die Expertin.

Hat man diese Strukturen durchschaut, sollte man sich außerdem auf ein durchdachtes Selbstmarketing im Hinblick auf die eigenen Karriereziele im Unternehmen konzentrieren. „Es ist wichtig, dass man sich Gedanken darüber macht, wie man sich gut verkauft”, sagt die Expertin. Dazu gehöre, sich bei den richtigen Personen gut zu positionieren. Engelhardt empfiehlt, einen Mentor im Unternehmen zu suchen - das erleichtere das Einleben wesentlich.

Absolute Perfektion in allen Belangen erwartet jedoch keiner von einem Jobneuling. „Den Vorgesetzten ist durchaus klar, dass ein Berufsanfänger noch nicht alles kann und weiß”, sagt Doris Brenner. Wichtig sei, dass der Einsteiger sich bewusst sei, dass er noch viel lernen muss, und dass er dazu auch bereit sei.

„Man sollte sich in den ersten Monaten auch immer wieder ein Feedback von seinem Chef holen und nachfragen, ob die Firma mit der eigenen Leistung bislang zufrieden ist und ob es Bereiche gibt, in denen man sich noch mehr einbringen sollte”, sagt die Expertin.

Im Umgang mit den Kollegen gilt es, einen Mittelweg zu finden. „Es ist wichtig, dass man den anderen gegenüber offen ist, sich aber nicht gleich von Einzelnen vereinnahmen lässt”, sagt Doris Brenner.

Um den Kollegen zu zeigen, wie viel einem an einer guten Zusammenarbeit liegt, lädt man sie üblicherweise innerhalb der ersten sechs bis zehn Wochen zu einem Einstand ein. „Das Wort klingt zwar abgedroschen, aber dieser Akt hat immer noch eine hohe symbolische Bedeutung. Durch die gemeinsame Feier wird der Neue in die Gemeinschaft aufgenommen”, erklärt die Karriereberaterin.

Der erste richtige Job ist für Berufsanfänger in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. „Man muss sich an stressige Routinearbeit gewöhnen, lernen, seine Arbeit und das Privatleben in Balance zu bringen, sich mit unüberschaubaren Entscheidungsprozessen abmühen - viele fühlen sich da erstmal überfordert und frustriert”, sagt Sabine Engelhardt.

Doris Brenner empfiehlt, in der ersten Zeit eine Art Logbuch zu führen, um die vielen Eindrücke zu sammeln und zu verarbeiten. „Darin kann man alles notieren, was einem auffällt oder was man dazugelernt hat, und immer wieder zurückblicken.”

Nach einem aufregenden Arbeitstag sind Einsteiger abends oft geschafft und zu keiner Unternehmung mehr bereit. Vom privaten Umfeld werde das allerdings schnell als Interesselosigkeit interpretiert, gibt Doris Brenner zu bedenken. „Es ist ratsam, Familie und Freunde schon vorab darauf anzusprechen, dass man nun erst einmal viel Zeit und Energie in die Arbeit stecken muss”, sagt Brenner. Wichtig sei aber auch, für Ausgleich zu sorgen. „Sport treiben oder mit Freunden entspannen ist sehr wichtig, um die Batterien wieder aufzuladen.”

Um neben der Arbeit möglichst wenig Stress zu haben, empfiehlt die Expertin außerdem, vor dem ersten Arbeitstag möglichst viele Vorbereitungen zu treffen. „Die Businesskleidung sollte man beispielsweise unbedingt in den Wochen vor Arbeitsbeginn einkaufen. Sonst muss man neben dem Jobstress auch noch nach Feierabend durch die Innenstadt hetzen”, sagt Brenner.

Auch anstehende Arztbesuche sollte man besser vorher abhaken. „Zudem kann man sich überlegen, für die erste Zeit Tiefkühlgerichte anzuschaffen, seine Hemden in die Reinigung zu geben oder sich sogar einmal die Woche den Luxus zu gönnen, einer Putzfrau die Wohnungsreinigung zu überlassen”, sagt Brenner. Diese Entlastungen seien wichtig, damit man in der stressigen Anfangsphase seine wenige Freizeit auch wirklich für sich nutzen könne.
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