Berlin - Beim Umzug hilft auch das Finanzamt: Steuerersparnis von mehreren Hundert Euro möglich

Beim Umzug hilft auch das Finanzamt: Steuerersparnis von mehreren Hundert Euro möglich

Von: Michael Degethof, dapd
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Berlin. Mit Kind und Kegel umziehen ist nicht nur Stress pur - der Tapetenwechsel geht auch richtig ins Geld. Ist der Umzug beruflich notwendig, kann die Firma sämtliche Kosten steuerfrei erstatten - doch nicht alle Chefs sind so großzügig.

Gut zu wissen, dass sich auch das Finanzamt an den Kosten beteiligt. Wer die Spielregeln kennt, sichert sich in der Steuererklärung leicht ein paar Hundert Euro Steuerersparnis. Wer aus beruflichen Gründen seinen Wohnsitz wechselt, stellt dem Finanzamt die selbst getragenen Umzugskosten als Werbungskosten in Rechnung.

Einen beruflichen Anlass akzeptieren die Finanzbeamten, wenn der Wohnort wegen eines neuen Arbeitgebers oder einer Versetzung gewechselt wird. Keine Probleme haben auch Neueinsteiger, die in einer fremden Stadt ins Berufsleben starten.

Auch wer seinen alten Job behält, kann das Finanzamt zur Kasse bitten, sofern sich die tägliche Fahrzeit um mehr als eine Stunde vermindert. Bei Ehegatten genügt es, wenn einer so viel Zeit spart. Steht die berufliche Veranlassung fest, beteiligt sich das Finanzamt an den Kosten der Wohnungssuche (Inserate, Telefonate, Besichtigungen), Maklergebühren und Spediteurkosten.

Eigene Fahrtkosten können mit 0,30 Euro je Kilometer geltend gemacht werden. Sonstige Umzugskosten wie die Anschaffung neuer Gardinen und Vorhänge, Anschlusskosten für Elektrogeräte oder Gebühren für die Umschreibung des Führerscheins sind zusätzlich abzugsfähig. Zwtl.: Doppelte Mietzahlungen werden anerkannt

Freunde, die beim Umzug eine tragende Rolle gespielt haben, können mit einem Trinkgeld bis zu 256 Euro entlohnt werden, ohne das sie für die Gefälligkeit vom Finanzamt zur Kasse gebeten werden. Die Empfänger können daher bis zu diesem Betrag gefahrlos eine Quittung als Kostenbeleg unterschreiben. Berufstätige, die vorübergehend doppelt Miete zahlen müssen, profitieren von einem neuen Urteil des Bundesfinanzhofs vom 13. Juli 2011 (Az. VI R 2/11).

Während der Umzugsphase muss das Finanzamt doppelte Mietzahlungen anerkennen - bis zum tatsächlichen Umzug ist die Miete der neuen Wohnung steuerlich abzugsfähig, danach die Miete der alten Familienwohnung bis zum Ablauf der Kündigungsfrist.

Papiermuffel kommen auch ohne lästigen Papierkrieg an ihr Geld. Neben den Speditionskosten und den eigenen Fahrtkosten am Umzugstag gewährt das Finanzamt ohne weitere Belege bestimmte Pauschalen. Verheiratete Steuerzahler können bei Beendigung des Umzugs ab 1. Januar 2011 insgesamt 1.279 Euro in der Steuererklärung pauschal abrechnen, ledige Arbeitnehmer immerhin noch 640 Euro.

Für mitziehende Kinder und andere nahe Verwandte erhöhen sich die Pauschalen um je 282 Euro. Für Umzüge seit dem 1. August 2011 können Pauschbeträge von 1 283 Euro (Verheiratete), 641 Euro (Ledige) und 283 Euro (Zuschlag für Haushaltsangehörige) angesetzt werden.

Damit der Nachwuchs nach dem Ortswechsel in der Schule nicht den Anschluss verliert, sponsert der Fiskus sogar den Nachhilfeunterricht bis zu einem Höchstbetrag von 1.617 Euro je Kind. Auch an privaten Umzugskosten beteiligt sich Vater Staat mit bis zu 1.200 Euro Steuerermäßigung. Wer eine Spedition mit dem Transport seiner privaten Habe beauftragt, reicht die Rechnung bei der nächsten Steuererklärung ein.

Der Fiskus wertet die Dienste von Spediteuren als „haushaltsnahe Dienstleistung” und beteiligt sich bis zu einem Rechnungsbetrag von 6.000 Euro mit einem Steuerrabatt von maximal 20 Prozent. Allerdings muss die Rechnung überwiesen werden - bei Barzahlung geht der Steuerbonus verloren.
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