Behandlungskosten an der Wurzel packen

Von: Annette Jäger und Horst Biallo
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Für die Zahnbehandlung ins Ausland reisen: Der Medizintourismus ist eine stetig wachsende Sparte. Foto: Stock/Volkmar Schulz

Aachen. Vom kostspieligen deutschen Gesundheitssystem profitiert das Ausland: Zahnersatz in Ungarn, Augenlasern in der Türkei, Nasenkorrektur in Tschechien werden bei deutschen Patienten mit wachsender Begeisterung zu beliebten Reisegründen.

„Die Nachfrage wächst”, sagt Wolfgang Schuldzinski, Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale NRW. „Im Ausland lassen sich zwischen 30 und 50 Prozent der Kosten sparen.” Das Thema Medizintourismus sei interessant, sobald der Patient hohe Zuzahlungen für eine Behandlung leisten muss. „Es liegt auf der Hand, dass der Zahnersatz der Reisegrund Nummer 1 ist”, sagt Schuldzinski. Es gebe im Ausland „viele preiswerte und seriöse Anbieter, aber auch schwarze Schafe”. Auf dem Weg zur preisgünstigen medizinischen Behandlung lauern Fallstricke.

Arztwahl: Einen guten Arzt zu finden ist ein Knackpunkt. „Man sollte bei seiner Krankenkasse fragen, ob es Erfahrungsberichte anderer Patienten gibt”, rät der Verbraucherschützer. Mundpropaganda ist die beste Werbung. Hilfreich sind auch die medizinischen Dienste der Automobilclubs, die deutschsprachige Ärzte kennen. Auf tolle Websites von Praxen und Kliniken mit großen Versprechungen sollte man sich nicht verlassen. Am besten ist, man nimmt Praxis und Arzt vorher selbst in Augenschein. Es sollte in der Praxis deutsch gesprochen werden.

Krankenkasse: Vor Reiseantritt klärt man mit der Krankenkasse das Prozedere. Bei Zahnbehandlungen ist ein Heil- und Kostenplan einzureichen. Den gibt es beim Zahnarzt. Den Plan schickt man dem ausländischen Arzt, der für jede einzelne Position sein Angebot macht. „Verwendete Materialien sollten genau genannt sein wie der Gesamtpreis inklusive Anästhesie und Röntgenaufnahmen”, rät Dörte Elß von der Verbraucherzentrale Berlin. Diese Aufstellung reicht man seiner Krankenkasse für die notwendige Kostenzusage ein.

Kosten: Die Behandlung im Ausland zahlt man zunächst selbst. Die Rechnung - auf Deutsch verfasst - geht an die Krankenkasse zur Erstattung. Diese leistet dieselben Zuschüsse wie bei einer Inlands-Behandlung. Beim Zahnersatz sind das die Festzuschüsse. Der Patient zahlt die Praxisgebühr von zehn Euro sowie einen Verwaltungskostenaufschlag von rund sieben bis zehn Prozent des Rechnungsbetrags, maximal 45 Euro. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt von den Gesamtkosten ab. Reise- und Unterkunftskosten sind dabei nicht zu vergessen.

Rechtliche Absicherung: Innerhalb der EU gelten die selben Gewährleistungsansprüche. Auch hier gibt es also Garantien auf die Haltbarkeit von Zahnersatz beispielsweise. „Günstig ist, wenn man deutsches Verfahrensrecht in einem privaten Behandlungsvertrag mit dem Arzt vereinbaren kann”, empfiehlt Elß. Allerdings muss man bedenken, dass man eventuelle Schadensersatzansprüche trotzdem im Ausland durchsetzen muss.

Nachbesserung: Günstig ist, wenn der ausländische Arzt einen Kooperationsvertrag mit einem deutschen Arzt abgeschlossen hat. Gibt es gesundheitliche Probleme, wenn man wieder in der Heimat ist, kann man sich dort komplikationslos behandeln lassen. Soll ein anderer deutscher Arzt die Korrektur ausführen, wird das die Krankenkasse nicht bezahlen.

Alternativen: Man kann den Kostenvoranschlag des ausländischen Arztes auch nutzen, um mit dem deutschen Arzt zu verhandeln. „Das ist durchaus legitim und nicht selten erfolgreich”, sagt Schuldzinski.
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