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Bares für Omas Schmuck: Pfandleiher boomen in der Krise

Von: Monika Hillemacher, dpa
Letzte Aktualisierung:
Pfandleiher
Geld auf den Tisch: Im Pfandhaus können Kunden gegen Wertgegenstände schnell einen Kredit aufnehmen. Foto: dpa

Stuttgart/Düsseldorf. Wer in Zeiten knapper Kassen und knauseriger Banken schnell Bargeld benötigt, geht immer häufiger zum Pfandleiher. Die Branche gehört zu den Gewinnern der Wirtschaftskrise:

Mehr als zwei Millionen Kreditverträge mit einem Gesamtvolumen von gut einer halben Milliarde Euro schlossen die Leihhäuser 2008 ab - ein Rekord, so der in Stuttgart ansässige Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZDP). Vor allem Geschäftsleute, die kurzfristig einen Liquiditätsengpass überbrücken wollen, versetzen zunehmend Autos, Schmuck oder Werkzeuge.

Für Verbraucher sei der Pfandkredit eine Alternative zum normalen Bankkredit. „Schnell, unbürokratisch, ohne Schufa oder Verdienstnachweis” bekämen die Kunden Geld, wirbt ZDP-Geschäftsführer Wolfgang Schedl. Auf eine Bonitätsprüfung verzichten die Firmen, weil „der Kunde ausschließlich mit seinem Pfand haftet, nicht mit seinem persönlichen Vermögen.” Bleibt jemand das Darlehen schuldig, hält der Verleiher sich am Faustpfand schadlos. Neben dem Wertgegenstand muss der Kreditnehmer seinen Personalausweis und eventuell einen Eigentumsnachweis vorlegen. Im Gegenzug gibt es Bares: Der Betrag richtet sich nach dem Schätzwert des Pfands, meist sind es zwischen 70 und 80 Prozent des möglichen Wiederverkaufswerts.

Doch das schnelle Geld hat seinen Preis. Monatlich fällt ein Prozent Zinsen an, hinzu kommen Gebühren. Was auf den ersten Blick tragbar erscheint, „kann aufs Jahr gesehen sehr, sehr teuer werden”, warnt Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Die Beraterin rechnet vor: Aus 100 Euro Pfandkredit werden innerhalb von zwölf Monaten Schulden von 112 Euro plus 2,50 Euro Gebühren je Monat. Unter dem Strich kommen so Verbindlichkeiten über 142 Euro zusammen. Für ein gegen 10.000 Euro versetztes Auto können so in einem Jahr 16.300 Euro oder mehr auflaufen. Um die Kosten des Kredits zu begrenzen, empfiehlt Laag, dessen Laufzeit kurz zu halten. Ansonsten könnten sich Zinssätze von bis zu 40 Prozent ergeben.

Die finanziellen Konditionen regelt die staatliche Pfandleihverordnung. Aber es gebe Spielraum, sagt Laag: „Die Gebühren sind nur bis zu 300-Euro-Pfandkrediten vorgeschrieben. Was darüber hinaus geht, ist verhandelbar.” Die Verbraucherschützerin rät, mehrere Angebote einzuholen. Auch bei der Bewertung der Wertgegenstände gebe es erfahrungsgemäß Unterschiede.

Leihhäuser nehmen üblicherweise vom Auto über die Briefmarkensammlung bis zu Schmuck und Solaranlagen fast alles in Zahlung. Heute beleihen Kunden laut Schedl meist hochwertige Pfandgegenstände im Wert von 8.000, 10.000 oder 12.000 Euro. Vor allem Autos werden seit Beginn der Wirtschaftskrise zu spezialisierten Pfandleihern gebracht. Ihre Besitzer sind häufig Geschäftsleute und Handwerker, die weder Geld von der Bank bekommen, noch ihre Bonität gefährden oder tiefer in die Schulden rutschen wollen.

Für CD-Spieler, Handys und Computer gibt es in den Pfandleihen dagegen kaum noch Geld. „Der Wertverfall geht einfach zu schnell. Sie sind praktisch schon beim Neukauf alt, und für uns ist der Wiederverkaufswert viel zu gering”, erklärt Manuela Zeis, Leiterin der Pfandkreditabteilung im Leihhaus Nürnberg. Ihr Haus betreibt ausschließlich das klassische „Schmuck gegen Geld”-Geschäft. „Hier zählen die realen Werte Legierung und Gewicht”, sagt Zeis. Gold komme auf die Waage, der Preis werde nach dem aktuellen Kurs bestimmt. Bei Luxusuhren zählen neben Neu- und Sammlerwert auch Alter und Zustand.

Üblicherweise läuft ein Pfandkreditvertrag über drei Monate. Anschließend holt der Kunde den Wertgegenstand gegen Rückzahlung des Darlehens plus Zinsen ab oder verlängert den Vertrag. Kann ein Pfand nicht ausgelöst werden, wird es öffentlich versteigert. Verbraucher können die Auktionen als günstige Einkaufsquelle nutzen. Die Pfandleiher kündigen die Termine in Tageszeitungen und im Internet an. Wird ein Wertgegenstand zu einem höheren Preis verkauft, als vom Auktionator veranschlagt wurde, profitiert der Kunde. „Der Mehrerlös steht dem Kunden zu, Verluste tragen wir”, erläutert Zeis.

Der Überschuss muss aber innerhalb von zwei Jahren abgeholt werden, ansonsten landet er beim Fiskus. Verbraucherschützer raten deshalb ebenso wie Leihhäuser, Fristen präzise einzuhalten. Wenn der Auslösetermin verpasst wird, kommt Omas Schmuck in die Auktion und ist für die Familie verloren. Über fällige Daten müssen Pfandleiher ihre Kunden nicht informieren.
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