Frankfurt/Schwalbach - Auf schmalen Reifen durch den Wind: Tipps zum Rennrad-Kauf

Auf schmalen Reifen durch den Wind: Tipps zum Rennrad-Kauf

Von: Heiko Haupt, dpa
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Auf schmalen Reifen durch den Wind - Tipps  zum Rennrad-Kauf
Die Rahmengeometrie bestimmt die Sitzposition - je nach Rahmenform sitzt der Rennradfahrer aufrechter oder gestreckter. Foto: dpa

Frankfurt/Schwalbach. Manchmal soll es etwas mehr sein - auch in Sachen Fahrrad. Denn die Erkenntnis, dass ein wenig Bewegung mit Pedaltritten gesund ist, reicht nicht jedem. Bei dem „mehr” in Sachen Fahrrad kommt dann nicht selten ein Rennrad ins Gespräch.

Es verspricht mehr Tempo, mehr Sportlichkeit und damit auch mehr körperliche Fitness als herkömmliche Fahrräder. Doch wer sich erstmals mit der Thematik beschäftigt, wird schnell feststellen, dass es auf diesem Gebiet auch mehr zu beachten gibt als beim Kauf eines ganz normalen City-Rades.

Die Beschäftigung mit der Technik eines Rennrades, dessen Möglichkeiten und den eigenen Anforderung kann leicht zu Verwirrung führen. Da geht es um die Rahmen-Materialien, die Reifenbreite und die Sitzposition - und schließlich sogar um die windschnittigste Speichenform. „Das ist eine halbe Wissenschaft”, bestätigt Andreas Götz vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) in Frankfurt/Main.

Allerdings ist es für Einsteiger nicht nötig, sich von der Detailfülle sprichwörtlich in den Wahnsinn treiben zu lassen. Denn die teils extremen Finessen der sportlichen Fahrräder nützen in der Realität vor allem geübten Radsportlern. Einsteiger werden durch teure Technik nur wenige Vorteile haben.

Daher sollte der Blick nicht gleich auf die teuerste Rennmaschine fallen. Ein Rad aus der Oberklasse mit Preisen von 3000 bis 10 000 Euro ist nicht nur teuer, sondern anfangs auch überflüssig. Laut Andreas Götz beginnt der Einstieg bei Preisen von 800 bis 900 Euro. „Mit 1000 Euro sollte man aber schon kalkulieren.”

Die Summen wirken für den Normal-Radfahrer zunächst ziemlich hoch - vor allem, weil es auf den ersten Blick recht wenig dafür gibt. Denn ein Rennrad zeichnet sich dadurch aus, dass nicht viel dran ist: Es gibt keine Beleuchtung, keine Schutzbleche und keine komfortable Federung.

Der Aufwand, der den Preis ausmacht, drückt sich vor allem in der Gewichtsreduzierung und damit verbunden in der Verwendung teurer Materialien aus. „Durch den Trend zur Gewichtsoptimierung hat zum Beispiel Karbon stark im Rennradbau Einzug gehalten”, erklärt Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad Industrie-Verbandes (ZIV) in Schwalbach.

Verschwenderisch eingesetzt wird Karbon nur in teuren Rädern - doch laut dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Bremen sind auch vergleichsweise günstige Einsteigermodelle heute meist mit aufwendiger Technik ausgerüstet. So finden sich im Preisbereich zwischen 1250 und 1400 Euro Details wie Karbon-Gabeln und aufwendig verarbeite Aluminiumrahmen. Der Vorteil solcher Gabeln besteht laut dem ADFC unter anderem darin, dass die Faserstruktur Vibrationen besser schluckt.

Zu beachten ist beim Kauf auch die Schaltung. Dabei geht es nicht nur um die Wahl der Komponenten, sondern auch um die Gangzahl. „Standard ist eine Kombination von zwei Kettenblättern mit der Zähnezahl 53/39”, erläutert Alexandra Kirsch vom ADFC. Die eignet sich jedoch eher für sportliche Fahrer mit ordentlicher Fitness. Eine Alternative sind Dreifach-Tretlager mit Zahnrädern in den Größen 50/39/30. Das kleine Kettenblatt ermöglicht es auch Einsteigern, Steigungen ohne intensives Vortraining flott zu bewältigen.

Wichtig ist daneben die Rahmengeometrie, denn sie entscheidet, wie der Fahrer sitzt. Laut Alexandra Kirsch reicht die Bandbreite vom komfortablen Rad mit vergleichsweise aufrechter Sitzposition bis zur sportlichen Auslegung mit gestreckter Haltung für bessere Kraftübertragung und Aerodynamik. Die Komfortversion fühlt sich auf Touren angenehmer an. Echte Sportlichkeit und hohes Tempo bringt aber die gestrecktere Haltung.

Ein weiterer Punkt sind die Reifen. Aus Komfortgründen werden oft Reifen mit mindestens 23 Millimetern Breite verbaut. Sie verarbeiten Vibrationen und Stöße besser und können mit geringerem Luftdruck gefahren werden. Ambitionierte Sportfahrer setzen - auch wegen des geringeren Luftwiderstandes - gern auf schmalere Reifen. Deren Vorteile werden laut dem ADFC aber erst in Temporegionen spürbar, die nur echte Rennfahrer erreichen.

Weil es so viel zu beachten gibt, raten Experten wie Andreas Götz Einsteigern dazu, sich vom Händler beraten zu lassen. Besser sogar, sich bei mehreren Fachhändlern zu erkundigen, um einen Vergleich zu haben. Und wenn es dann auf die erste Tour geht, sollte nicht gleich extrem in die Pedale getreten werden.

Götz empfiehlt zunächst gemütliche Ausfahrten. Denn nicht nur an das Tempo eines Rennrades muss sich der Neuling gewöhnen. Die ungewöhnliche Sitzpositionen kann erstmal auch zu Nackenverspannungen oder Schmerzen in den Armen führen. Auch wenn es in Sachen Rad mal etwas mehr sein darf, sollte die Sache also nicht übertrieben werden.
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