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Arbeitslosenversicherung: Die Tücken des Kleingedruckten

Von: Oliver Mest, ddp
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Hamburg. Die Angst vor der Arbeitslosigkeit greift um sich. Wegen der Wirtschaftskrise sind immer mehr Menschen in Sorge um ihren Job. Als Empfänger des Arbeitslosengeldes erhält man schließlich nur noch 60 Prozent des letzten Nettogehaltes.

Im Falle von Arbeitslosengeld II - besser bekannt als „Hartz 4” - wären die Einkünfte sogar noch geringer. Dennoch müssen weiterhin monatlich die laufenden Kosten für Wohnung, Auto und dergleichen mehr gedeckt werden. Eine Rechnung, die einfach nicht aufgeht und daher zwangsweise zu finanziellen Problemen führt.

Besonders Ende der 90er Jahre haben Versicherungsgesellschaften erkannt, dass sich viele Bundesbürger eine Absicherung vor den finanziellen Folgen der Arbeitslosigkeit wünschen. Fast zwangsläufig kam es dabei zu einer wahren Flut an passenden Versicherungsangeboten, die erst im neuen Jahrtausend wieder etwas abebbte. Dennoch sind die privaten Arbeitslosenversicherungen noch immer ein großes Thema.

Die Leistung erscheint auf dem ersten Blick auch wirklich viel versprechend. Der Versicherungsgeber übernimmt die Differenz zwischen dem Arbeitslosengeld und dem letzten Nettogehalt, sodass man den vorherigen Lebensstandard nicht sofort reduzieren muss und nicht in Geldnot gerät. Eine private Arbeitslosenversicherung wird daher oft wie ein Sorglospaket betrachtet. Leider aber ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt.

Dass die Versicherungsangebote einen kleinen Haken haben müssen, ist eigentlich naheliegend. Schließlich ist die Gefahr einer plötzlichen Arbeitslosigkeit in der heutigen Zeit relativ hoch. Und eine hohe Gefahr schlägt sich immer in hohen Versicherungsprämien oder in geringen Leistungen nieder. Genauso verhält es sich auch bei der Arbeitslosenversicherung.

Die Stiftung Warentest hat bereits 2004 festgestellt, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis hier einfach nicht stimmt. Möchte man im Bedarfsfall - womit lediglich eine unverschuldete Kündigung gemeint ist - eine Leistung in Höhe von 800 Euro monatlich erhalten, wäre eine Versicherungsprämie von rund 96 Euro je Monat zu zahlen. Diese Beitragszahlung würde auch während des Leistungsbezuges fällig sein, sodass nur 704 Euro übrig blieben.

Im gesamten Leistungszeitraum von einem Jahr wäre also eine Leistung von 8448 Euro möglich. Würde man auf einen solchen Versicherungsschutz verzichten und die 96 Euro monatlich einfach sparen, wäre dieselbe Menge bereits nach rund sieben Jahren zusammengespart.

Während die finanzielle Leistung also schon einmal anzuzweifeln ist, verhält es sich hinsichtlich der Versicherungsbedingungen nicht viel anders. Für gewöhnlich muss man bereits zwei Jahre versichert gewesen sein, bevor man eine Leistung beanspruchen kann. In der Anfangszeit ist eine solche Versicherung also zunächst kaum von Vorteil.

Ähnlich verhält es sich im Falle eines befristeten Arbeitsverhältnisses, weil der Versicherungsschutz hier meistens nicht greift. Gerade in der heutigen Zeit, in der zunehmend befristete Arbeitsverhältnisse eingegangen werden müssen, ist solch ein Ausschluss von großem Nachteil. Und auch die Beschränkung des Versichertenalters auf das 55. Lebensjahr ist schlägt negativ zu Buche.

Im Ergebnis ist der Nutzen einer privaten Arbeitslosenversicherung also eher zweifelhaft. Einzig und allein die Berufsunfähigkeitsversicherung bietet eine sinnvolle Absicherung vor den finanziellen Folgen der Arbeitslosigkeit - allerdings nur im Falle einer Erkrankung oder Verletzung.

Wer sich darüber hinaus zusätzlich schützen möchte, sollte einfach finanzielle Rücklagen schaffen und per Geldanlage mit gutem Zinssatz das Kapital wachsen lassen.
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