Bonn - Anruf vom Headhunter: Ruhig bleiben und nicht stottern

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Anruf vom Headhunter: Ruhig bleiben und nicht stottern

Von: Verena Wolff, dpa
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Headhunter
Im ersten Gespräch mit dem Headhunter werden nur die wichtigsten Informationen ausgetauscht - alles weitere muss bis zum zweiten Kontakt warten. Foto: dpa

Bonn. Für viele Arbeitnehmer ist der Anruf eines Headhunters ein Traum. Doch wenn das Telefon tatsächlich klingelt, sind sie so schweigsam wie bei ihrem ersten Date. Das oberste Gebot bei einem solchen Anruf lautet aber, nicht nervös zu werden - denn der Anruf ist kein Verhör.

Eines ist er allerdings schon: eine Auszeichnung für gute Arbeit und die Chance, die Karriereleiter ein bisschen schneller zu erklimmen.

Wird ein Headhunter - oder Executive Search Berater, wie sich die Fachleute inzwischen nennen - auf einen Arbeitnehmer aufmerksam, hat der bereits an einschlägigen Stellen Eindruck hinterlassen. Wer von einem Personalberater angerufen wird, darf das als Auszeichnung verstehen.

„Wenn wir einen Kandidaten identifiziert haben, dann bringt er herausragende Leistungen auf seinem Gebiet und wird auch von anderen in der Branche empfohlen”, sagt Joachim Staude, Vorstand der Firma PMC International in Neu-Isenburg.

Doch das ist nicht alles, wie die Karriereberaterin Doris Brenner aus Rödermark bei Frankfurt sagt: „So ein Anruf tut dem Ego sehr gut”. Denn die Berater suchen nicht irgendwen: „Sie vermitteln in einzelnen Fällen hoffnungsfrohe Hochschulabsolventen. Hauptklientel sind allerdings gestandene Manager mit langjähriger Berufserfahrung und Geschäftsführer aller Arten von Unternehmen”, sagt Klaus Reiners, Sprecher des Bundesverbandes der deutschen Unternehmensberater (BDU) in Bonn. Der Mittelstand ist genauso Kunde wie DAX-Unternehmen. „Das Kerngeschäft sind Fach- und Führungskräfte mit einem Jahreseinkommen von mindestens 120.000 bis 150.000 Euro.”

Die Berater suchen also - und finden. Und dann rufen sie an. Kein Grund also, dass es einem eloquenten Akademiker plötzlich die Sprache verschlägt, nur weil ein Personalberater am anderen Ende der Leitung ist. „Wenn der Anruf kommt, muss man allerdings sehr schnell eine Entscheidung treffen, ob man grundsätzlich einen Jobwechsel will oder nicht”, sagt Reiners. Meist komme dieser erste Anruf im Büro.

Dabei müssen die Berater allerdings laut höchstrichterlichem Spruch einige Regeln beachten: So darf etwa der aktuelle Arbeitgeber nicht diskreditiert werden, und das Gespräch muss tatsächlich kurz bleiben. Dennoch können auch in dieser Kurzversion schon einige Dinge geklärt werden: Wer von welcher Gesellschaft anruft etwa und um welche Art von Job es sich handelt - das sind Informationen, die sich ein Arbeitnehmer gut notieren sollte. „Denn so kann er nachprüfen, welche Referenzen der Anrufer hat und ob es die Gesellschaft überhaupt gibt”, sagt Reiners.

Auch unter den Personalberatern gibt es schwarze Schafe, die nur unterwegs sind, um möglichst viele Lebensläufe in ihre Datenbanken zu bekommen. Hat ein seriöser Berater ein Mandat und ist auf der Suche nach dem besten Kopf für den Job, wird er das auch kundtun, sagt Staude. „Nur mit einem Mandat kann ich über ein konkretes Projekt sprechen.”

Eckpunkte wird der Berater nennen: Branche, Posten, Unternehmensgröße, eventuell auch die Region oder den Ort. „Das suchende Unternehmen wird ein Berater allerdings erst viel später im Prozess preisgeben - das ist so üblich”, sagt Brenner.

Bei diesen Informationen sollte es ein Angerufener dann auch belassen: „Um am Telefon einen guten Eindruck zu hinterlassen, sollte man den Berater auch nicht in die Enge treiben und versuchen, den Namen des Unternehmens aus ihm herauszuzwingen”, sagt Brenner.

Doch sind die Eckdaten wichtig für einen Bewerber, damit er selbst, möglichst kurz, von sich erzählen kann. „Ein-Minuten-Präsentation” nennt Brenner dies: Ganz knapp sollte der Angerufene auf seine Ausbildung, seine Erfahrung und seine Stärken eingehen - was macht ihn aus, was ist relevant und spannend?

Erstkontakt ist Erstkontakt - und dabei sollte tatsächlich geklärt werden, ob Interesse besteht. „Da sollte man zunächst erstmal offen sein und hören, was der Berater zu sagen hat”, empfiehlt Brenner. Ist das Interesse geweckt, macht man ein zweites Gespräch aus - außerhalb der Arbeitszeit und im privaten Umfeld.

In der Regel wird der Berater nach einer Festnetznummer fragen - doch wer dem Anruf nicht so recht traut und erst sicher gehen will, dass der Berater seriös ist, kann sich auch dessen Nummer geben lassen und von sich aus zurückrufen.

Und auch dieses zweite, tiefer gehende Gespräch muss ein Kandidat nicht passiv über sich ergehen lassen - im Gegenteil: „Wer fragt, führt”, sagen die Experten. Über das Unternehmen, die Stelle, die Arbeit, die Kollegen, die Bezahlung kann ein Bewerber Fragen stellen - und sollte bei seinen Antworten immer darauf achten, dass sie mit den Angaben übereinstimmen, die er etwa auf Karriereplattformen im Internet gemacht hat.

Tabu ist, schlecht über den aktuellen Arbeitgeber zu reden und die eigenen Stärken allzu sehr auszuschmücken. Und eine Frage sollte sich jeder Kandidat verkneifen, auch wenn sie ihm noch so sehr unter den Nägeln brennt: „Wie sind Sie denn auf mich gekommen?”
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