Andere Länder, andere Banken: Ein Konto für das Auslandssemester

Von: Susanne Collins, dpa
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Auslands-Jobber sollten ihr Konto mit Kreditkarte in der Heimat behalten. Foto: Gero Breloer

Kehl/Berlin. Ihr Bewerbungsgespräch verlief prima. Die Wohnungssuche war kein Problem, ihr Englisch perfekt. Doch als Sabine Kröger, heute 28 Jahre alt, ein Konto für ihren Auslandsjob in England eröffnen wollte, stürzte eine kleine bürokratische Welt auf sie herab.

„In England gibt es keine Meldepflicht. Daher verlangen die meisten Banken einen Adressnachweis durch zwei im Namen des Kontoanwärters ausgestellte Rechnungen. So etwas hatte ich nicht, da ich in eine WG gezogen war”, erzählt die Betriebswirtin.

Hinzu kamen technische Probleme: Zwei Banken konnten mit dem „ö” in ihrem Nachnamen nichts anfangen, da der Umlaut auf ihrer Tastatur nicht zu finden war. Sabine Kröger blieb hartnäckig und bekam ihr Konto. Doch sie rät allen Studenten und Arbeitnehmern, die ins Ausland gehen, sich unbedingt vorher zu informieren.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Auslandsstudenten in den vergangenen zehn Jahren stetig gestiegen. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) half bis Ende 2009 rund 10.000 Menschen, Arbeit im Ausland zu finden. Wer in der neuen Heimat Fuß fassen möchte, muss einiges beachten. „Banksysteme, Kontoeröffnungsmodalitäten und der Umgang mit Geld, Schecks oder Kartenzahlungen variieren oftmals erheblich von Land zu Land”, sagt André Schulze-Wethmar, Jurist beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland in Kehl.

Tanja Beller, Pressesprecherin beim Bundesverband deutscher Banken in Berlin, fügt hinzu: „Da die Kontoeröffnung im Ausland sehr aufwendig sein kann, würde ich Schülern und Studenten bei einem kürzeren Aufenthalt empfehlen, für ihre Bargeldversorgung das deutsche Konto zu nutzen. Die Banken bieten auch für Minderjährige Karten an, beispielsweise Kreditkarten auf Guthabenbasis, mit denen sie sich im Ausland am Geldautomaten mit Bargeld versorgen können.”

Schwieriger wird es bei einem Job oder einem längeren Aufenthalt: Zumeist verlangt der neue Arbeitgeber nach einem nationalen Konto, um das Gehalt zu überweisen. „Hier lohnt es sich, bei der Firma nachzufragen, welche Möglichkeiten es gibt”, erläutert Schulze-Wethmar. Studenten rät er: „Sie sollten nach einer Bankfiliale im Studentenviertel Ausschau halten. Die kennen sich mit spezifischen Fragen besser aus.”

Das neue SEPA-Verfahren habe im europäischen Zahlungsverkehr zudem vieles sehr vereinfacht. So dürfen Euro-Zahlungen innerhalb der EU mit der angebotenen EU-Standardüberweisung unter Verwendung von IBAN und BIC heute nicht mehr kosten als eine Inlandsüberweisung. Für Großbritannien gilt: „Hier können spezielle Euro-Konten angelegt werden.”

Wer einen längeren Aufenthalt im Ausland plant oder gar auswandern möchte, kann sich auf der Seite www.justlanded.com oder beim Europäischen Verbraucherzentrum über die örtlichen Gepflogenheiten informieren. So findet sich hier beispielsweise unter dem irischen Eintrag der Hinweis: „Bankgeschäfte sind in Irland im Allgemeinen ziemlich unbürokratisch.”

Der Begriff „Einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum” (englisch: Single Euro Payments Area, abgekürzt SEPA oder auch S¤PA) bezeichnet im Bankwesen das Projekt eines europaweit einheitlichen Zahlungsraums für Transaktionen in Euro.

Das SEPA-Lastschriftverfahren, an dem offiziell 32 Staaten teilnehmen, ist im November 2009 gestartet. In den kommenden Monaten wird es in einigen Ländern noch zu Änderungen kommen. Die Einzugsermächtigung konnte bislang nur national genutzt werden, die SEPA-Lastschrift ab sofort europaweit.

Verbraucher und Unternehmen können so ihren gesamten Euro-Zahlungsverkehr über ein Konto bei einer beliebigen Bank in ganz Europa abwickeln.
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