Neuss - Abwrackprämie: Mit spitzem Bleistift schnell kalkulieren

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Abwrackprämie: Mit spitzem Bleistift schnell kalkulieren

Von: Norbert Michulsky, ddp
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Alle Hände voll zu tun: Nicht nur den Autohäusern beschert die Abwrackprämie einen Ansturm. Auch die Autoverwerter haben kaum noch Kapazitäten für die alten Fahrzeuge. Foto: ddp

Neuss. Der alte Astra zeigt deutliche Verschleißerscheinungen. Durchgerostete Radläufe hinten, eine ausgeleierte Vorderachse, da war für den 67-jährigen Rentner Klaus Elter aus Neuss rasch klar: Wirklich Sinn machen weitere Investitionen in den mehr als zehn Jahre alten Opel nicht.

2500 Euro Abwrackprämie, da kommt wohl so mancher Besitzer eines alten Autos ins Grübeln. Wer sich dazu entschließt, die Umweltprämie in Anspruch zu nehmen, sollte sich allerdings schnell entscheiden. Die Bundesregierung hat den Abwracktopf mit einem Deckel versehen. Bei 1,5 Milliarden Euro ist Schluss.

Rein rechnerisch können 600 000 Autos mit Bonus verschrottet werden, denn auch Verwaltungskosten werden aus dem Fördertopf bestritten. So kann beim momentanen Run auf die Autohäuser der Topf recht schnell leer sein.

Trotz der verlockenden Prämie sollte man in jedem Fall mit spitzem Bleistift kalkulieren, ob sich der Weg zum Autohändler tatsächlich lohnt. Grundsätzlich ist dies sicherlich der Fall bei allen Altfahrzeuge, die mindestens neun Jahre auf dem Buckel haben und deren Wert unterhalb von 2500 Euro liegt.

Aber Vorsicht: Neun Jahre alte Mittel- oder Oberklassewagen haben durchschnittlich einen Restwert von mindestens 4000 Euro - bringen beim Verkauf also viel mehr ein als die Prämie. Bevor das Auto Richtung Schrottplatz gesteuert wird, sollte man sich unbedingt erkundigen, ob das Fahrzeug Potenzial zum Oldtimer hat.

Gefragt sind derzeit auch Youngtimer, also Fahrzeuge, die auf dem Weg zum Oldtimer sind. Für diese werden oftmals Preise über dem Restwert bezahlt. Weniger als 2500 Euro bekommt man hingegen nur für Kleinwagen. Für solche Autos raten die Gebrauchtwagenexperten des TÜV Süd: „Ein Wertgutachten kann den exakten Marktwert bestimmen.” Vorteile beim Neuen sind auf jeden Fall: Kostensicherheit, bessere Sicherheitsausstattung und Umweltfreundlichkeit. Wählt man ein Auto mit Schadstoffnorm Euro 5 oder Euro 6, streicht man zusätzlich noch eine Steuerbefreiung ein. In diesem und dem kommenden Jahr muss für so erworbene Autos dem Fiskus nichts bezahlt werden.

Aber Achtung: „Geht die Rechnung nur knapp zugunsten der Umweltprämie aus, sollte man auch den Wertverlust eines Neuwagens mit einkalkulieren”, empfiehlt allerdings Frank Volk vom TÜV Süd. Der Wertverlust könne gerade im ersten Jahr je nach Fahrzeug bei mehr als 20 Prozent liegen. In den Folgejahren betrage die Abschreibung durchschnittlich drei Prozent. Wer sich also für 15.000 Euro einen neuen Kleinwagen kauft, verliert im ersten Jahr mehr Geld, als er durch die Prämie eingenommen hat.

Um dem Wertverlust entgegenzuwirken, ist der Kauf eines Jahreswagens überlegenswert. Damit umgeht man den drastischen Wertverlust im ersten Jahr und fährt mit der Umweltprämie wieder eher in die Gewinnzone. Noch positiver fällt die Rechnung für den aus, der sich einen Vorführwagen zulegt.

Händler halten dafür besondere Rabatte bereit. Zudem setzen derzeit verschiedene Hersteller weitere Kaufanreize auf die Schiene. Ford beispielsweise schenkt Privatkunden, die bis zum 31. März ihr Neufahrzeug über die in der Ford Flatrate enthaltene Auswahl-Finanzierung finanzieren, die ersten drei Monatsraten in Form einer Rückerstattung.

Um in den Genuss der staatlichen Beihilfe zu kommen, ist nicht nur zügiges Handeln angesagt. Zudem muss das alte Auto mindestens neun Jahre alt sein und man muss sich einen Neu- oder Jahreswagen kaufen oder leasen. Ferner gilt, dass das Auto zuvor wenigstens ein Jahr lang auf den aktuellen Halter zugelassen sein muss. Damit will der Gesetzgeber den drohenden Altmetallhandel unterbinden. Schnell ein altes Auto zu kaufen, um die Prämie zu kassieren, ist damit ausgeschlossen. Bedingungen für den Neuen: Er soll im Laufe dieses Jahres angeschafft werden und minimal die Schadstoffnorm Euro 4 erfüllen. Für Jahreswagen gilt, dass sie vorher längstens ein Jahr auf einen in Deutschland niedergelassenen Kfz-Händler oder -Hersteller oder dessen Werksangehörigen zugelassen gewesen sein dürfen. Das gilt auch für Fahrzeuge von Autovermietungen.

Umweltprämie in Daten und Fakten

Durch eine Bundeskabinettsentscheidung vom 14. Januar wird der Neukauf von 600.000 Autos mit einer Umweltprämie von 2500 Euro unter mehreren Voraussetzungen unterstützt: Ein mindestens neun Jahre altes Auto wird verschrottet und gleichzeitig ein umweltfreundlicher Neu- oder Jahreswagen gekauft.

Der Zuschuss von insgesamt 1,5 Milliarden Euro wird für Zulassungen bis zum 31. Dezember 2009 gewährt. Der Neu- oder Jahreswagen muss zwischen dem 14. Januar und dem 31. Dezember 2009 gekauft und der alte Wagen verschrottet worden sein.

Antragsberechtigt ist jede Privatperson. Antragsteller und Fahrzeughalter müssen identisch sein. Der zu verschrottende Wagen ist mindestens ein Jahr auf den Antragsteller zugelassen. Anträge sind ausschließlich auf dem Postweg beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Frankfurter Straße 29-35, 65760 Eschborn/Taunus, Telefon: 030/346465470 zu stellen.

Anträge finden sich auf der Internetseite (bafa.de). Dort ist auch der aktuelle Stand der gewährten Anträge abrufbar. Eine Liste der anerkannten Demontagebetriebe findet man auf der Internetseite der GESA (Gemeinsame Stelle für Altfahrzeuge): altfahrzeugstelle.de

(Quelle: Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle)
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