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Zuerst die Eltern fragen: Jugendliche dürfen nur mit Erlaubnis allein verreisen

Von: Elke S. Gersmann, ddp
Letzte Aktualisierung:
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Hinein ins feuchte Vergnügen: Allerdings dürfen Jugendliche nur mit der Einwilligung der Eltern eine Reise buchen. Foto: ddp

Dresden. Irgendwann kommt wohl in jeder Familie der Zeitpunkt, an dem der Nachwuchs nicht mehr mit den Eltern in den Urlaub fahren möchte, sondern seine Ferien lieber mit der besten Freundin, dem besten Freund oder anderen Gleichaltrigen verbringt.

Jugendliche können jedoch nicht einfach im nächsten Reisebüro oder im Internet eine Reise buchen.

„Unter 18-Jährige sind nur beschränkt geschäftsfähig und können ausschließlich im Rahmen des sogenannten Taschengeldparagraphen wirksame Verträge abschließen”, erklärt Ronald Schmid, Professor für Reiserecht an der Universität Dresden.

Dabei handelt es sich um den Paragraphen 110 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Er sieht zwar vor, dass Jugendliche ohne die Genehmigung der Eltern mit dem Geld einkaufen können, das ihnen zur freien Verfügung überlassen wurde. Für die Buchung einer Pauschalreise oder eines Fluges komme dieser jedoch in der Regel nicht zum Tragen, schränkt Schmid ein. Denn der Paragraph 110 erlaube nur kleinere Geschäfte, bei denen von der Einwilligung der Eltern auszugehen ist.

Allerdings, so der Experte weiter, gebe es in Zeiten der Billigflieger auch Fälle, bei denen die Lage nicht ganz eindeutig sei: „Bei einem Flug, der nur 50 Euro kostet, ist die Grenze nicht mehr klar zu ziehen.” Dennoch sei hier davon auszugehen, dass von Minderjährigen ein Flug nicht ohne Einverständnis der Eltern angetreten werden könne. Und somit nicht unter den Taschengeldparagraphen falle.

Allerdings können Reiseverträge auch nachträglich von den Eltern genehmigt werden. Jugendliche dürfen sich also durchaus im Reisebüro den gewünschten Trip aussuchen und reservieren lassen, wenn die Eltern danach die Reiseanmeldung unterschreiben. Besser ist es jedoch, wenn gleich beim ersten Besuch im Reisebüro ein schriftliches Einverständnis der Erziehungsberechtigten vorliegt.

Auch die Buchung im Internet wird nicht ohne Erlaubnis rechtskräftig, wobei dort eine Buchung durch den Jugendlichen selbst oder den Erwachsenen für diesen meistens ohnehin nicht möglich ist. Da bleibt dann wieder nur der Gang ins Reisebüro. Bei speziellen Jugendreiseveranstaltern ist die Buchungsmaske allerdings häufig von vornherein so angelegt, dass der Erwachsene die Reiseanmeldung vornimmt.

Doch auch wenn die Reise von den Eltern abgesegnet und ordnungsgemäß gebucht ist, kann es noch Probleme geben. „Bei minderjährigen Pärchen könnte es passieren, dass in manchen Ländern ein gemeinsames Doppelzimmer vom Hotelier verweigert wird”, warnt der Rechtsexperte. Das komme auf die Bestimmungen im jeweiligen Reiseland an. Habe der Veranstalter die Buchung im Doppelzimmer akzeptiert, müsse dieser jedoch auch für einen adäquaten Ersatz, zum Beispiel die Unterbringung in zwei Einzelzimmern, sorgen.

Beim Auftreten von Reisemängeln gilt auch für Minderjährige, dass sie diese sofort dem zuständigen Reiseleiter melden müssen - unabhängig davon, ob die Reise von ihnen selbst oder von den Eltern gebucht wurde. „Das Reiserecht macht in dieser Hinsicht keinen Unterschied zwischen Erwachsenen und Minderjährigen”, mahnt Schmid. Wenn das Kind erst zu Hause über Mängel berichtet, können beim Veranstalter keine Ansprüche mehr geltend gemacht werden.
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