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Zeitmanagement für Senioren: Eigenen Wünschen nachspüren

Von: Anja Schäfers, ddp
Letzte Aktualisierung:
Senioren Zeitmanagement
Ein älterer Herr blickt vor seinem Laptop auf seine Armbanduhr. Vom geruhsamen Lebensabend kann bei einigen älteren Menschen nicht die Rede sein. Dann gilt es zum Beispiel, nach dem morgendlichen Kurs für Rückengymnastik den Einkauf zu erledigen und das Enkelkind von der Kita abzuholen. Am Nachmittag kommt dann eine Freundin zu Besuch und für den Abend steht eine Kirchenvorstandssitzung an. Foto: ddp

Bonn/Heidelberg. Vom geruhsamen Lebensabend kann bei einigen älteren Menschen nicht die Rede sein. Dann gilt es zum Beispiel, nach dem morgendlichen Kurs für Rückengymnastik den Einkauf zu erledigen und das Enkelkind von der Kita abzuholen.

Am Nachmittag kommt dann eine Freundin zu Besuch und für den Abend steht eine Kirchenvorstandssitzung an.

„Auch im Ruhestand können dieselben Probleme auftreten wie in den Lebensabschnitten davor: zu viele Aktivitäten und Verpflichtungen und zu wenig Zeit”, sagt Professor Lothar Seiwert, Experte für Zeitmanagement in Heidelberg. Eine genauere Planung des Alltags könne daher auch im Alter nützlich sein.

„Nach dem Ende ihres Berufslebens möchten viele Menschen am liebsten alle Vorgaben und Strukturen hinter sich lassen”, berichtet Seiwert. Doch gerade aktive Senioren können unter Stress geraten, wenn sie sich für ihren „Unruhestand” zu viel vorgenommen haben oder zahlreiche neue Aufgaben übernehmen, „weil man als Rentner ja Zeit hat”.

„Die Grundlage des Zeitmanagements ist ein Tageskonzept, hinzu kommen Wochen- und Jahrespläne”, erläutert der Autor zahlreicher Ratgeberbücher.

Je nach Vorliebe könne man dafür lose Zettel benutzen, einen Kalender oder auch den Computer.

In schriftlicher Form sollte man zuerst die Termine festhalten, die einem vorgegeben werden. Das könne der regelmäßig stattfindende Sportkurs ebenso sein wie ein einmaliger Arzttermin oder eine bestimmte Theateraufführung. Dann gelte es, Aufgaben und Aktivitäten ohne festen Zeitpunkt zu notieren.

Auch diese Liste sollte die ganze Bandbreite von Tätigkeiten abdecken - von „Steuererklärung machen” bis zum romantischen Abendessen zu zweit.

„Danach sollte man alle Punkte auf seiner Liste mit Prioritäten versehen”, sagt Seiwert. Als Rentner oder Pensionär habe man dabei mehr Freiheiten als im Berufsleben. „Diese Zeitsouveränität ist Chance und Problem zugleich”, berichtet der Experte.

„Im höheren Alter hat Zeitmanagement oft eine sehr existenzielle Bedeutung, weil man merkt, dass die eigene Lebenszeit endlich ist”, sagt Uwe Kleinemas, Psychologe und Geschäftsführer des Zentrums für Alternskulturen der Universität Bonn.

Dadurch bekämen auch Fragen, die man sich in jeder Lebensphase stellen sollte, eine viel größere Bedeutung: Was ist in meinem Leben wichtig? Wozu lebe ich? Wer braucht das, was ich kann und weiß? „Man sollte in Ruhe überlegen, wie man sein Leben im Alter gestalten will”, empfiehlt Kleinemas. Dabei gehe es neben den notwendigen Alltagstätigkeiten und Verpflichtungen gegenüber anderen Menschen vor allem darum, sich etwas zu suchen, was dem eigenen Leben Sinn geben soll.

„Die Aktivitäten, die einem wichtig und sinnstiftend erscheinen, sind von Mensch zu Mensch verschieden”, sagt Kleinemas. Ob Familie, Hobby oder Genuss - jeder sollte möglichst unbefangen seinen Sehnsüchten nachspüren und sich dafür von den Erwartungen anderer befreien. „Die heutige Generation der Alten fühlt sich verpflichtet, für andere da zu sein”, berichtet der Wissenschaftler.

Daher falle es ihnen oft schwer, eigene Wünsche zu verfolgen oder sich selbst etwas zu gönnen. Dies sollten Senioren im Hinterkopf haben, wenn sie beim Zeitmanagement ihre Prioritäten setzen. Wer beim Planen merkt, dass er häufig von anderen Menschen vereinnahmt wird, sollte öfter einmal „Nein” sagen.

„Das ist vor allem bei der eigenen Familie oder guten Freunden nicht ganz einfach”, sagt der Psychologe. Dann könne es helfen, wenn man seinem Gesprächspartner versichert, dass er einem nicht plötzlich egal sei. Damit der andere einen besser verstehen kann, sollte man auch möglichst offen über seine eigenen Bedürfnisse und Pläne reden. „Es geht nicht um eine Alles-oder-Nichts-Strategie”, sagt Kleinemas. Aber wenn jemand zum Beispiel allein einen Angehörigen pflegt, sollte er sich Unterstützung organisieren und sein Engagement schrittweise auf ein für ihn tragbares Maß reduzieren.

„Mit dem Zeitmanagement kann man versuchen, eine Balance zwischen Pflichtaufgaben, sozialen Kontakten, Sport und verschiedenen selbstbestimmten Aktivitäten hinzubekommen”, sagt Lothar Seiwert. Es sei gut, wenn man sich dafür seine eigenen täglichen oder wöchentlichen Rituale und Routinen schaffe. Welche Schwerpunkte man dabei setze, hänge ganz davon ab, was einem persönlich wichtig sei. „Dabei sollte man sich auch von niemanden hereinreden lassen”, rät der Experte.
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