Zauberkraft der Eltern-Kind-Beziehung: Förderprogramm fürs Baby

Von: Maria da Silva, dapd
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Schon im Mutterleib legen Säuglinge ein atemberaubendes Entwicklungstempo vor. Und auch nach der Geburt warten unzählige Lernaufgaben auf die kleinen Erdenbürger: Krabbeln, Greifen, Brabbeln - sogar das bewusste Lächeln gehört nicht zur Grundausstattung. Foto: dapd

Kiel/Oldenburg. Schon im Mutterleib legen Säuglinge ein atemberaubendes Entwicklungstempo vor. Und auch nach der Geburt warten unzählige Lernaufgaben auf die kleinen Erdenbürger: Krabbeln, Greifen, Brabbeln - sogar das bewusste Lächeln gehört nicht zur Grundausstattung.

„Die Entwicklung eines Babys vollzieht sich in verschiedenen Bereichen - etwa in der Grob- und Feinmotorik, der Wahrnehmung, der Sprache und dem Sprechen”, erklärt Professor Armin Krenz vom Institut für angewandte Psychologie und Pädagogik in Kiel. Welcher Entwicklungsschritt wann an der Reihe ist, sei von Kind zu Kind sehr verschieden. „Man findet hier große Spannbreiten von bis zu 18 Monaten - eng gesetzte Entwicklungstabellen werden daher heutzutage nicht mehr angewendet”, betont der Autor des Ratgebers „Kinder brauchen Seelenproviant”.

Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass ein Baby sich gut entwickelt, ist eine zuverlässige Bindung zu den Erwachsenen in seiner Umgebung. „Stabile soziale Beziehungen bilden den Rahmen, den Kinder zum Lernen brauchen”, sagt Astrid Kaiser, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Universität Oldenburg. Nur wenn ein Kind sich wohlfühle, könne es seine Neugier ausleben und sich immer wieder neuen Herausforderungen zuwenden, ergänzt Armin Krenz.


Leider werde die Förderung durch Bindung heutzutage häufig unterschätzt. Viele Eltern versuchten daher, ihren Nachwuchs mit Hilfe von Spezialkursen wie Babyschwimmen, musikalische Früherziehung oder Fremdsprachenunterricht besonders gut auf die Herausforderungen des späteren Lebens vorzubereiten.

Doch beide Experten sind sich einig, dass diese Förderversuche überflüssig sind. „Kleinkinder können nicht gebildet werden”, betont Krenz. Bildung sei vielmehr ein aktiver Lernvorgang, bei dem sich das Kind von sich aus den Dingen zuwendet, die es spannend und bedeutsam findet. „Durch sichere Bindungserlebnisse in einem attraktiven Umfeld erhält es automatisch Entwicklungsanreize, die jedes künstliche Kursangebot überflüssig werden lassen.”

Baby-Kurse könnten sich laut Krenz sogar negativ auswirken, da sie meist nicht auf das individuelle Entwicklungstempo eines Kindes abgestimmt seien. „Die Eltern übersehen in diesem Rahmen oft, dass ihr Nachwuchs sich vielleicht gerade gar nicht wohlfühlt und die Beschäftigung ihm nicht entspricht”, sagt der Experte.

Das könne die Beziehung zwischen Eltern und Kind empfindlich beeinträchtigen. „In Förderkursen fangen Eltern außerdem meist unweigerlich an, Vergleiche zu ziehen”, gibt Astrid Kaiser zu bedenken. Kann mein Baby schon das, was andere in seinem Alter können? Oder ist es mit manchen Entwicklungsschritten später dran? Das sorge für frühen Leistungsdruck.


Einen positiven Aspekt von Baby-Kursen sieht Astrid Kaiser allerdings darin, dass Eltern in diesem Rahmen andere Mütter und Väter kennenlernen. „Die Anregungen aus solchen Förderkursen sind außerdem für manche Leute durchaus hilfreich, die unsicher im Umgang mit ihren Babys sind und verschiedene Stile kennenlernen möchten”, sagt die Autorin des Ratgebers „Das erste Babyjahr - Wie Säuglinge fürs Leben lernen”.

Aus Kaisers Sicht spricht daher nichts dagegen, mit seinem Baby auch mal einen Förderkurs zu besuchen. „Wichtig ist, dass das Angebot sich nicht auf einen isolierten Leistungsbereich beschränkt, wie etwa Malen oder eine Fremdsprache. Besser sind Kurse, die Babys vielseitige körperliche Anregungen bieten”, sagt die Expertin. Außerdem sollte man auf keinen Fall Kurs-Hopping betreiben, sondern sich wirklich auf ein Angebot beschränken.

Viel wertvoller als jedes Förderprogramm sei jedoch die Interaktion zwischen Eltern und Kind, betonen Kaiser und Krenz. „Babys brauchen freundliche Entwicklungsbegleiter im Alltag. Eltern, die sich für genau die Dinge interessieren, denen sich das Kind gerade zuwendet, die immer wieder achtsam, leise und langsam zu ihrem Baby sprechen und die darauf achten, viel Blickkontakt zu ihrem Kind zu haben”, sagt Krenz.

Auch das gemeinsame Spiel sei von großer Bedeutung - beispielsweise Fingerspiele, Versteckspiele oder das Bauen mit Klötzen. „Begeben Sie sich selbst auf den Boden und erkunden sie mit ihrem Kind auf Augenhöhe die Welt”, empfiehlt Krenz. Wichtig sei zudem eine anregende Umgebung, etwa in der Wohnung und in der Natur. „Gestalten Sie den Alltag mit ihrem Baby abwechslungsreich, aber achten Sie dabei auch auf Ruhepausen, in denen das Kind all die Eindrücke verarbeiten kann”, so Astrid Kaisers Rat.

Es gehe nicht darum, Babys so früh wie möglich Techniken beizubringen, betont Astrid Kaiser. Entscheidend sei, dass Kinder in den ersten Lebensjahren Grundkompetenzen wie eine zuversichtliche Lebenseinstellung, Lernfreude, Neugierde und Belastbarkeit aufbauen, bekräftigt auch Armin Krenz. „Die Zauberkraft der Beziehung sorgt für all diese bedeutsamen Entwicklungen im Kleinkind”, beruhigt der Experte besorgte Eltern.
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