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Wie das Glück in die Grundschule kommen kann

Von: Andrea Zuleger
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Hängenlassen erlaubt: Einmal in der Woche steht eine Stunde Glücks-Unterricht auf dem Stundenplan der Grundschule Aachen Oberforstbach. Zunächst für die Viertklässler, nach den Sommerferien für alle. Foto: Harald Krömer

Aachen. In die Gemeinschaftsgrundschule Oberforstbach kommen jeden Tag 180 Schüler und Schülerinnen. Die zweizügige Grundschule versteht sich als „Schule im Dorf”, die Kinder aus dem Umkreis zwischen Walheim, Schleckheim, Lichtenbusch und dem belgischen Grenzland aufnimmt.

Eine Schule wie in vielen ländlichen Orten. Und doch zeichnet sie etwas vor allen anderen Grundschulen in der Region aus: Nach dem Vorbild der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg lernen auch hier die Kinder das Glück kennen - zumindest einmal in der Woche eine Schulstunde lang.

Das Konzept, das Ernst Fritz-Schubert für Jugendliche und junge Erwachsene konzipiert hat, hat die Aachener Bewegungs- und Tanztherapeutin Katja Reuter so begeistert, dass sie sich entschloss, ein ähnliches Konzept für Grundschüler zu entwickeln.

An der Aachener Abendrealschule wird ein vergleichbares, altersgemäß angepasstes Konzept seit August 2009 getestet. Zwei Stunden je Woche wird dort, zunächst als Modellversuch für ein Jahr, ein Kurs „Well Being/Glücklich sein” von einer Kunst- und Englischlehrerin angeboten. Die Abendrealschüler sind zwischen 18 und 35 Jahre alt.

„Damals kam mein älterer Sohn in die Schule und ich überlegte, was ich ihm Positives mit auf den Weg geben könne. Denn schon Sechsjährige sind einem enormen Druck ausgesetzt, der sie oft scheitern lässt. Anstatt nach ihren Stärken zu suchen, richten Grundschulkinder ihr Augenmerk darauf, was sie nicht gut können”, erklärt Katja Reuter. Die Schulleiterin der Oberforstbacher Schule, Maria Schiefer, kann das nur bestätigen.

Auch ihr fällt seit längerer Zeit auf, dass sich immer mehr Kinder schlecht konzentrieren können, sich auffällig verhalten oder täglich wie „weggetreten” im Unterricht sitzen und sich in ihre Traumwelten flüchten. Kinder, die keine Freude mehr am Lernen mitbringen, schlecht erzogen und nicht gesellschaftsfähig sind. „Es gibt dafür viele Faktoren, Michael Winterhoff (Autor des Bestsellers „Warum unsere Kinder Tyrannen werden”) beschreibt das in seinem Buch auch anschaulich. Doch leider zeigt er überhaupt keine Perspektiven auf, wie wir das ändern können”, sagt Maria Schiefer.

Das ist bei Ernst Fritz-Schubert anders. Der Blick nach hinten interessiert ihn weniger als die Frage nach Lösungen. Er möchte die verschüttete Lebens- und Lernfreude wieder ans Licht bringen und bedient sich dabei verschiedener Ansätze aus Sport, Kunst, Theater, Musik oder der Psychologie. Die vielen praktischen Übungen ließen sich gut auf Grundschulniveau übertragen.

Und so geht nun auch die Oberforstbacher Grundschule an den Start. Derzeit kommen noch die Viertklässler in den Genuss einer Schulstunde Glück, „damit sie an der Schnittstelle zur weiterführenden Schule noch einen positiven Schub mitbekommen”, so Katja Reuter. Nach den Sommerferien geht es dann für alle vier Jahrgänge in Oberforstbach los. Auf dem Lehrplan der Grundschüler stehen so also neben Rechnen, Schreiben und Sachkunde auch Körpererfahrung, Natur erleben, Bewegung, Meditation und Entspannungsübungen.

Auch andere Schulen in der Region könnten von dem Projekt profitieren, das in Oberforstbach im Rahmen des Förderunterrichtes unterrichtet wird. Denn die Schulstunde Glück wird auch wissenschaftlich begleitet. „Um zu sehen, welchen Effekt die Schulstunde Glück auf die Kinder hat, evaluieren wir das Projekt wissenschaftlich”, erklärt Dr. Eva Skottke, Psychologin an der RWTH Aachen.

Vortrag zum „Schulfach Glück” am 12. März

Um das Glücks-Projekt finanzieren zu können, haben Katja Reuter, Maria Schiefer und Dr. Eva Skottke „Malaika” gegründet. Dieser „Verein zur Förderung der Lern- und Lebensfreude” stellt sich Freitag, 12. März, 19.30 Uhr öffentlich vor im Inda-Gymnasium, Aachen-Kornelimünster.

Der Heidelberger Schulleiter und Autor Ernst Fritz-Schubert wird dort einen Vortrag halten. Danach wird es eine Talkrunde zum Thema geben. Christian Rein, Redakteur unserer Zeitung, wird den Abend moderieren.

Das Buch „Schulfach Glück. Wie ein neues Schulfach die Schule verändert” ist erschienen im Herder Verlag, 192 Seiten, 16,95 Euro.
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