Wenn werdende Väter an Schwangerschaftssymptomen leiden

Von: ddp
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Wien. Eine Schwangerschaft ist anstrengend. Der Bauch wird runder und runder, morgens stellen sich regelmäßig Schwindel und Übelkeit ein und häufig meldet sich dazu auch noch ein hämmernder Kopfschmerz.

Allerdings plagen sich nicht nur viele werdende Mütter mit diesen schwangerschaftstypischen Beschwerden, sondern auch manch werdender Vater. „Es ist verblüffend, wie Männer manchmal die Beschwerden ihrer schwangeren Frauen übernehmen”, sagt der Entwicklungspsychologe Harald Werneck von der Uni Wien.

Das Phänomen ist in der Wissenschaft unter dem Namen „Couvade-Syndrom” bekannt. Im Französischen hat das Wort „couver” unter anderem die Bedeutung „ausbrüten” oder „liebevoll betreuen”. Vor allem Männer, die ohnehin sehr mitfühlend seien, neigten oft zu „Parallelschwangerschaften”, berichtet Werneck. Die werdenden Väter versetzten sich derart intensiv in die Situation ihrer Partnerin hinein, dass sie psychosomatische Beschwerden entwickelten, die jenen der Schwangeren glichen. „Männer solidarisieren sich auf diese Weise mit der Schwangerschaft”, interpretiert der Psychologe.

In den meisten Fällen ist das Phänomen nach Angaben des Wissenschaftlers kein Grund zu größerer Sorge. Gleichwohl entwickelten einige Väter einen erheblichen Leidensdruck. Denn Grund des vermeintlichen Mitleidens könnten auch ungelöste Konflikte sein, sagt Werneck: „Hinter dem intensiven Mitgefühl können massive Ängste stehen.” Denkbar seien etwa Zukunftssorgen oder Bedenken der Väter, mit dem Kind in eine Rivalität um die Zuneigung der Mutter zu treten, erläutert der Psychologe.

Zum „Couvade-Syndrom” kursierten in der Wissenschaft allerdings auch noch weitere Erklärungen, sagt Werneck. Vertreter tiefenpsychologischer Ansätze gingen zum Beispiel davon aus, dass Männer insgeheim eine Art „Gebärneid” hegten und aus diesem Grund zu parallelen Beschwerden neigten. Damit kompensierten sie die Tatsache, selbst keine Kinder zur Welt bringen zu können.

Auf neurologischer Ebene lässt sich das Phänomen der „Parallelschwangerschaften” laut Werneck möglicherweise auch mit den erst seit einigen Jahren erforschten Spiegelneuronen erklären. Diese Nervenzellen im Gehirn lösten beim Betrachter quasi spiegelbildlich dieselben Handlungen aus, die er gerade beobachte. Am Beispiel des „Couvade-Syndroms” würde dies bedeuten, dass das Nervensystem eines Mannes, der die Schwangerschaftsbeschwerden seiner Frau wahrnimmt, die entsprechenden Empfindungen automatisch auch im eigenen Körper in Gang setzt.
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